Braunschweig
Heiße Debatten auf der Vertrauensleuteversammlung VW-Werk 1
Es ging hoch her in der Diskussion. Das war zu erwarten. Zur Betriebsversammlung am 16. September gab es 27 Wortmeldungen, so viele wie seit Jahren nicht mehr.
Die Kolleginnen und Kollegen haben großen Beratungsbedarf: Wie vorgehen gegen den Generalangriff des VW‑Vorstandes? Die freie Aussprache wurde jedoch nach dem zwölften Redebeitrag abgebrochen! VW-Chef Oliver Blume wird es gefreut haben.
Wie vorgehen – das prägte auch die Diskussion der Vertrauensleuteversammlung: Mitbestimmung durch Streik – oder erst mal Kolleginnen und Kollegen in einzelnen Gesprächen zur DGB-Kundgebung am 26. September in Hannover mobilisieren. Es blieb heute dabei, einzeln mit Kollegen zu sprechen. Nach der Versammlung sagten jedoch mehrere Vertrauensleute: Streiken wäre "eigentlich" richtig. Ja, dieses Wörtchen "eigentlich". Ein Vertrauenskörperleiter aus Baden-Württemberg brachte es auf den Punkt: „Wir müssen wieder kämpfen lernen!"
Natürlich muss auch gegen den sozialen Kahlschlag neu mobilisiert werden. Aber die IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat ja nicht zum Spaß zum branchenweiten Aktionstag der Automobilarbeiterinnen und Automobilarbeiter aufgerufen. Das ist ein richtiger Schritt, dass Gewerkschaften wieder zu Kampforganisationen werden. Damit greift sie auch berechtigte Kritiken vieler Kolleginnen und Kollegen auf, dass gewerkschaftliche Proteste zu spät, zu zahnlos sind, und Abschlüsse ohne Entfaltung der gewerkschaftlichen Kampfkraft erfolgen.
Werksschließungen, Vernichtung von Arbeitsplätzen, 40‑Stunden-Woche ohne Lohnausgleich bei Daimler … Sollen wir das kampflos hinnehmen? Die Blume-Pläne lassen sich nur durch Kampf und Streik als wirksamste Waffe zu Fall bringen. Diese Auseinandersetzung wird in den nächsten Wochen verstärkt werden. Aber auch die Diskussion über Alternativen zum Ausbeutungssystem muss intensiviert werden.