Hannover
Eine kleine Episode im Stadtteil Hannover-Stöcken
Ich kam gerade vom Kampf- und Streiktag der VW-Arbeiter und Zulieferer und wollte zur Bushaltestelle gehen.
Plötzlich hörte ich hinter mir die etwas aufgeregte Stimme eines Mädchens: „Ich bin total gegen die AfD. Sie will die Abtreibung verbieten. Das ist ein Frauenrecht, ein Menschenrecht. Und du solltest nicht alles glauben, was Papa sagt.“
Ich ging zurück und sagte: „Genau richtig.“ Der Junge sagte entschuldigend: „Mein Papa ist Analphabet und hat es nicht immer leicht, sich eine Meinung zu bilden.“ „Quatsch“, sagte die Schwester. Ich sagte dann noch etwas zur frauenfeindlichen Politik der AfD.
Das Mädchen und ich waren uns einig. Es war klar, dass die Kinder zum Wurstbasar wollten. Du kannst die doch nicht einfach so gehen lassen, dachte ich mir. Ich stellte dann dem Mädchen den Jugendverband REBELL vor. Sie sagte: „Das interessiert mich.“ Wir wollen in Kontakt bleiben.
Dem Jungen sagte ich, dass wir hier auch noch eine Kinderorganisation, die Rotfüchse, haben. Ich erklärte, was sie aktuell machen. Sie treffen sich am Freitag. Er will hingehen und schauen.
Wir waren beim Wurstbasar angelangt. Heraus kam eine Frau im Verkäuferinnenkittel. Sie stellte sich als die Mutter der Kinder vor und gab mir freundlich die Hand.
Wir verabschiedeten uns. Ich ging jetzt endlich zur Haltestelle. Schon von Weitem entdeckte ich unseren ältesten Rotfuchs mit drei Kumpels. Er hat Ärger zu Hause. Nach dem Solifest hat er noch Fußball gespielt, die Zeit vergessen und den Bus verpasst.
Ich ging auf ihn zu. „Hallo Rotfuchs, noch dicke Luft zu Hause?“ Er nickte. Ein Kumpel fragte: „Warum sagt die Frau Rotfuchs zu dir?“
Er erklärte stolz, dass sie auf dem Solifest ein Transparent gemalt hätten. Wir wollen keine Entlassungen der VW-Arbeiter. Wir halten zu den Familien und Kindern. Außerdem hätten sie von Nümmes das Lied „Keiner schiebt uns weg“ gelernt.
Außerdem gehen sie bald gemeinsam schwimmen und besuchen mit den Braunschweiger ROTFÜCHSEN einen Bauernhof in der Nähe.
Die drei Jungs sagten, dass sie auch mit zu den Rotfüchsen wollen. Der Rotfuchs war in seinem Element, sie redeten aufgeregt weiter. Mein Bus kam. Ich dachte: Was für ein Tag, und musste erst mal richtig lachen.