Antifaschismus

Antifaschismus

Wenn beim Hausarztbesuch die Überweisung wegen AfD und Antideutschen zur Nebensache wird …

Köln am Tag nach der Demo gegen die AfD. Nachdem ich meiner Hausärztin sage, was ich medizinisch von ihr brauche, platzt es nur so aus ihr heraus: „Ich war ja gestern auf der Demo gegen die AfD, und da sehe ich einen Mann und eine Frau mit einer Israel-Flagge. Wie passt das denn zusammen? Ich habe die beiden dann angesprochen: Entschuldigung, was meinen Sie denn zu ‚Free Palestine‘?“

Korrespondenz

Natürlich kam kein Gespräch zustande. Sie fragt sich nun, ob sie vielleicht zu barsch war. Aber es ist doch völlig richtig, Zionisten und Antideutsche damit zu konfrontieren, dass sie nicht gegen den Faschismus der AfD und für den Faschismus Netanjahus und den Völkermord in Palästina auf die Straße gehen können.

 

In Teilen der linken Bewegung in Köln gab es Meinungen, dass man sich nicht an der Demo gegen die AfD beteiligt, weil dort auch Zionisten sind. Vor allem aber waren 17.000 Menschen kämpferisch gegen die AfD auf der Straße – die paar Antideutschen waren, eigentlich wie immer, isoliert und sind wohl auch von anderen angesprochen worden.

 

Natürlich muss auch auf den Demos gegen die AfD noch viel besprochen werden: Warum ist die Forderung nach einem AfD-Verbot richtig und wichtig – und wie können wir es durchsetzen? Geht es „nur“ darum, die bürgerliche Demokratie zu verteidigen, die den Aufstieg und den Hype um die AfD mit möglich gemacht hat und sich „gegen alle Extremisten“ ausspricht? Sind wir alle „einfach nur Menschen“, oder gibt es nicht eben fortschrittliche, aber auch reaktionäre Menschen in der Klassengesellschaft, in der wir leben? Wie können wir die Arbeiterinnen und Arbeiter überzeugen, dass auch sie sich mit ihren Gewerkschaftsfahnen an diesen Protesten beteiligen und diese mitprägen?

 

Meine Hausärztin ist teilweise auch enttäuscht. „Freunde wollten lieber im Garten bleiben, statt zu demonstrieren …“ Wir diskutieren darüber, dass die Denkweise veränderlich ist: Wer gestern noch lieber im Garten blieb, kommt vielleicht übermorgen mit zur Demo, wenn wir mit ihnen sprechen und sie überzeugen.

 

Weiter geht das Gespräch um die Einschätzung des Liedes von Danger Dan, um den unerträglichen Völkermord in Palästina, um die Palästina-Solibewegung und vieles mehr. Ich soll sie auf dem Laufenden halten und ihr Bescheid geben, wenn Demos oder Veranstaltungen stattfinden. Jetzt muss ich auch überlegen, was ich ihr für ein Infopaket zusammenschnüre: aus dem Rote Fahne Magazin, der Vorstellung „Palästina muss leben“, dem Angebot des neuen RW „Die Lehre von der Denkweise“ usw.

 

Selten haben die neue Jungärztin, die dort gerade eingearbeitet wird, und ich einen solch allseitigen Behandlungstermin gehabt.

 

Ach so, meine Überweisung habe ich dann auch noch bekommen.