Wer kämpft, braucht und bekommt Solidarität!

Wer kämpft, braucht und bekommt Solidarität!

VW: Gut besuchtes Solidaritätsfest in Hannover-Stöcken

Am Samstagnachmittag staunten die Stöckener! Bei schönem Wetter fand mitten im Stadtteil auf dem Marktplatz ein Solidaritätsfest gegen die Schließung des VW-Werks statt. Es wurde vom Widerstandskomitee gegen Werksschließung und Entlassungen veranstaltet – von A bis Z selbstorganisiert.

Von einer Korrespondentin
VW: Gut besuchtes Solidaritätsfest in Hannover-Stöcken
Das Solidaritätstransparent mit den vielen bunten Kinderhandabdrücken (rf-foto)

In nur drei Wochen Vorbereitung war ein tolles Programm für die ganze Familie auf die Beine gestellt worden: Livemusik, Kinderprogramm, Kulinarisches, Infostände und eine Gesprächsrunde. Für Kopf, Herz und Bauch war viel geboten. Im Vorfeld wurden 1000 Flyer bei VW und im Stadtteil verteilt, Ladenbesitzer, Arzt- und Physiotherapiepraxen legten Flyer aus. Der Schreibwarenladen stellte gegen einen Obolus für die Kaffeekasse Strom zur Verfügung.

 

Alles wurde im Widerstandskomitee geplant und organisiert, in dem Arbeiter, Unterstützer, Familienangehörige sowie der Frauenverband Courage, Yuna/Demokratische Jugend, der REBELL und die MLPD zusammenarbeiten.

 

Ein Höhepunkt war der Erfahrungsaustausch „Kampf um jeden Arbeitsplatz“ mit Aktivisten aus verschiedenen Arbeiterkämpfen gegen Werksschließungen. Moderiert von einem VW-Arbeiter und einer VW-Arbeiterfrau vom Widerstandskomitee wurde er selbstbewusst eingeleitet: „Wenn es nach dem VW-Vorstand geht, ist hier 2032 Schluss. Aber sie haben die Rechnung ohne uns gemacht – wir werden keine Werksschließung akzeptieren! Wie wir das verhindern können, müssen wir hier diskutieren und dazu von Erfahrungen anderer Kämpfe lernen.“

 

Gerd Pfisterer, ehemaliger Stahlarbeiter und Betriebsrat, berichtete von den selbständigen Streiks 1988 bei Krupp in Duisburg-Rheinhausen und 1999 bei HSP in Dortmund. Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Uwe Rittentrop brachte seine Erfahrungen aus den Kämpfen gegen den Tod auf Raten bei EDC/Deutsche Grammophon in Hannover-Langenhagen ein. Christian Kowoll, Betriebsrat bei Opel Bochum, war 2004 am Streik der Opelaner gegen die Werksschließung in Bochum beteiligt. Alle drei einte, dass sie sich für die Zukunft der Jugend einsetzen. Und: In jedem Kampf war es wichtig, sich über die betroffene Belegschaft hinaus an die Familien und an die Bevölkerung zu wenden und diese in den Kampf einzubeziehen.

 

Auf die Frage, ob sie aufgrund des eingeschränkten Streikrechts mit dem Streik erst auf Tarifrunden gewartet hätten, antworteten alle drei selbstbewusst und kämpferisch, dass sich die Arbeiter das Recht auf Streik nehmen müssen.

 

Uwe Rittentrop erinnerte sich verschmitzt: „Ich hab den Kollegen gesagt, ich darf euch als Betriebsrat nicht zum Streik aufrufen. Aber wenn ich an eurer Stelle wäre, würde ich nicht mehr an die Arbeit gehen!“

 

Auf die Frage, ob und was die Streiks gebracht hatten, erinnerte Christian Kowoll daran, dass das Opel-Werk in Bochum durch den Streik zehn Jahre länger erhalten blieb. Und er war stolz darauf, dass Opelaner die Fackel des Kampfes weitergetragen haben in andere Opel-Werke.

 

Betont wurde auch, dass so ein Streik die Solidarität und Unterstützung vieler braucht und die Arbeiterpartei MLPD ihr Know-how uneigennützig dem Kampf um Arbeiterinteressen zur Verfügung stellt. Zugleich hat sie einen Plan für die gesellschaftliche Perspektive ohne Ausbeutung und Unterdrückung im echten Sozialismus.

 

Diese spannende Diskussion wurde von Livemusik umrahmt. Der Straßenmusiker Karl Nümmes spielte seinen neuen Song „Fight for our future“.

 

Die Alternative-Rock-Band „Grim Between“ machte ihren Auftritt trotz Krankheitsausfalls ohne Drummer möglich und spielte ihren ersten Akustik-Gig. Darwin aus dem Stadtteil spielte Stücke von Beethoven und Tschaikowsky sowie das extra eingeübte „Bella Ciao“ auf dem Keyboard. Die Kinder der ROTFÜCHSE und Freunde sangen das Rotfuchslied.

 

Kaffee und Kuchen, gegrillte Würstchen und kalte Getränke – alles gegen Spenden – luden etwa 100 Besucherinnen und Besucher zum Verweilen ein.

 

Weitere Leute im Umkreis hörten zu. Der Malstand von Yuna und REBELL war ständig von Kindern umlagert. Das Ergebnis, ein Solidaritätstransparent mit sehr vielen bunten Kinderhandabdrücken, wird am Montag bei der Kundgebung der IG Metall an die VW-Arbeiter übergeben.

 

Schade, dass mit dem Grußwort der MLPD nur ein politisches Statement abgegeben wurde. Trotz vorheriger Zusagen waren die SPD, die CDU und Bündnis 90/Die Grünen aus dem Stadtteil nicht gekommen. Reporterinnen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ brachten noch am frühen Abend einen ansprechenden Bericht mit Bildern in der Online-Ausgabe der HAZ.

 

Mit diesem gelungenen Fest greift der Gedanke, gemeinsam um die Arbeitsplätze und das Werk zu kämpfen, auch im Stadtteil Fuß. Für diesen Kampf brauchen wir einen langen Atem und die Solidarität.

 

Hier der Song "Keiner schiebt uns weg", wie ihn Nümmes zusammen mit den Kindern der Rotfüchse auf dem Fest gesungen hat – in einer speziellen Version zu VW:

 

Keiner schiebt uns weg!
Keiner, ja keiner schiebt uns weg!
Keiner, ja keiner schiebt uns weg!
So wie ein Baum beständig steht am
Wasser: Keiner schiebt uns weg!

 

1. Unsre Einheit: wie ein Baum -
keiner schiebt uns weg!
Junge, Alte, Männer, Frau'n -
keiner schiebt uns weg!
So wie ein Baum beständig steht am
Wasser: Keiner schiebt uns weg!

 

2. Wir Kinder wollen 'ne Zukunft hier -
keiner schiebt uns weg!
Für Arbeitsplätze kämpfen wir -
keiner schiebt uns weg! So wie ein Baum..

 

3. Auch wenn der Wind von vorne weht -
keiner ...!
Wächst die Solidarität - keiner …
So wie ein Baum …

 

Hier gibt es den Song „Fight for our future", den Nümmes auf dem Fest gespielt hat.

 

Hier geht er zur Berichterstattung der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zum Soli-Fest (leider kostenpflichtig)