Iran
Streiks und Proteste im Iran
Mit Beginn der neuen Woche im Iran wurden mehrere Streiks und Kundgebungen angekündigt, die am Samstag starten. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Durchführung dieser Aktionen das Risiko von Festnahme, Folter, langjähriger Haft oder sogar der Todesstrafe birgt. Hier ein kurzer Bericht zu einem dieser Streiks, der auf veröffentlichten Ankündigungen basiert.
Bericht über den Streik der Snapp-Motorradkuriere
Am 11. September traten Motorradkuriere von Snapp im Gebiet Sar-Asiab Malard am Rande Teherans in den Streik, um gegen die niedrigen Liefertarife zu protestieren. Der Streik dauerte jedoch nur wenige Stunden: Zivilbeamte griffen die Versammlung an – unter Verwendung von Beschimpfungen, Drohungen und Einschüchterungen – und trieben die Kuriere auseinander.
Der Streik fand ohne spezifische Parolen oder Transparente statt; Die Kuriere stellten lediglich die Motoren ab, meldeten sich aus ihren Konten ab und versammelten sich, um die Arbeit niederzulegen und ihre Grundrechte einzufordern. Sar-Asiab Malard war nicht der einzige Ort, an dem Kuriere streikten; ähnliche Vorfälle ereigneten sich in den Städten Semnan, Arak und Lahidschan, wo die Kuriere ebenfalls mit vergleichbaren Maßnahmen konfrontiert waren.
Angesichts explodierender Kosten und massiv gestiegener Benzinpreise können sich Motorradkuriere nicht einmal mehr Nebenausgaben wie Fahrzeugwartung und Reparaturen leisten. Snapp bietet keinerlei Einkommensgarantien; zudem erhebt das Unternehmen hohe Provisionen auf die Fahrpreise – sowohl bei Snapp Taxi als auch bei Snapp Box – sodass von einer einzelnen Fahrt oft kaum mehr als ein paar Cent als Verdienst übrig bleiben.
Es ist kaum zu glauben, doch die Führungskräfte von Snapp sind sich durchaus bewusst, dass hohe Arbeitslosigkeit und existenzunsichernde Löhne die Menschen in die Arme dieser Plattformen treiben – ein Trend, der wiederum das Einkommen der Kuriere drückt. Den streikenden Snapp-Kurieren droht jedoch die Entlassung, während die Islamische Republik – die zu keinem Zeitpunkt ihre historische Rolle als ein dem Kapital dienender und Klassenkrieg gegen die Arbeiterklasse führender Staat aufgegeben hat – ihre bissigen Wachhunde auf die Arbeiter hetzt.
Seit Jahren organisieren Snapp-Motorradkuriere Streiks und Proteste gegen unfaire Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne und mangelnde Arbeitsplatzsicherheit. Wann immer sich Snapp gezwungen sah, die Tarife zu erhöhen, griff das Unternehmen den Kurieren erneut in die Tasche, indem es Standortdaten zu eigenen Gunsten manipulierte.
Im vergangenen September traten die Beschäftigten von SnappFood in den Streik, um gegen die Manipulation von Standortdaten zu protestieren; dies zwang Snapp dazu, eine Funktion in die App zu integrieren, die es den Fahrern ermöglicht, ihren Standort manuell einzugeben. Den Beschäftigten von Snapp ist durchaus bewusst, dass Streiks ihr einziges Druckmittel sind.