Solidaritätserklärung von OFFENSIV
Solidaritätserklärung an die Kolleginnen und Kollegen bei Kelvion in Thüringen
Die Kolleginnen und Kollegen von OFFENSIV – Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit bei Opel in Bochum hatten der streikenden Belegschaft von Kelvion in Thüringen Solidaritätsgrüße gesandt, die die Redaktion hier dokumentiert. Der Streik ist mittlerweile beendet¹:
Liebe Kolleginnen und Kollegen von Kelvion und der IG Metall Gera! Wir beglückwünschen Euch ganz herzlich zu Eurer einstimmigen, mutigen und völlig berechtigten Entscheidung, gegen die unverschämten Schließungs- und Verlagerungspläne von Kelvion in den unbefristeten Streik zu treten. Dieser Schritt ist der einzig richtige angesichts solcher Provokationen. Er ist gerade in der heutigen Zeit, in der wir Arbeiter und Gewerkschafter mit einem Generalangriff der Konzerne und der Regierung auf unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen konfrontiert sind, vorbildlich und eine Ermutigung für andere Belegschaften wie bei Volkswagen, Mercedes oder auch bei uns, Opel/Stellantis!
Wir erklären Euch unsere uneingeschränkte Solidarität und werden Euren Kampf bei uns im Betrieb und im Ruhrgebiet bekannt machen. Wir Bochumer Opelaner wissen aus eigener Erfahrung, dass die Solidarität anderer Belegschaften und der Bevölkerung mit einem Streik nicht nur unverzichtbar für die Kampfmoral ist, sondern auch ganz materiell für die Durchhaltefähigkeit.
Im Jahr 2004 sind wir in einen siebentägigen selbstständigen Streik gegen die drohende Schließung unseres Werks getreten, haben den Betrieb besetzt, die Tore blockiert und eine Demonstration mit 30.000 Menschen in Bochum durchgeführt. Unser Streik erhielt eine unvergessliche, breite Solidarität aus ganz Deutschland und weit darüber hinaus. Zehntausende Euro Spendengelder gingen bei unserem Solidaritätskreis ein, von Kollegen anderer Betriebe bis hin zu unseren Freunden, Nachbarn und Kleingewerbetreibenden der Region.
Nur in der Einheit von Entschlossenheit und breiter Solidarität konnten wir unseren bedeutenden Streik führen, den Fortbestand der Fahrzeugproduktion für zehn Jahre sichern und dafür sorgen, dass auch heute noch rund 1000 Menschen bei Opel im Zentralen Ersatzteilelager arbeiten.
Der Solidaritätskreis hatte damals die Auszahlung der Spendengelder an bedürftige Kollegen organisiert, die aufgrund des selbstständigen Streiks vielfach in eine finanzielle Zwangslage gerieten. Gleichzeitig sind aber bis heute noch Gelder aus diesem Streik übrig, die von Solidaritäte International e. V. in enger Zusammenarbeit mit uns verwaltet und für den Zweck eingesetzt werden, Arbeiterkämpfe wie den unseren solidarisch zu unterstützen.
Aus diesem Grund haben wir die Freunde von SI e. V. gebeten, aus diesem Streikfonds von 2004 eine Summe von 5000 Euro auf das Konto zu überweisen, das auf der Webseite der IG Metall Gera angegeben ist. Auch wenn diese Summe nur ein kleiner Beitrag sein kann, Euch die nötige Durchhaltekraft zu geben, hoffen wir dennoch sehr, dass er zum vollen Erfolg Eures Kampfs beitragen wird.
Unsere Kampferfahrungen mit der Spendenauszahlung und darüber hinaus haben wir auch in der Dokumentation „Was bleibt … 10 erkämpfte Jahre Opel Bochum 2004 bis 2014“ verarbeitet, erhältlich beim Verlag Neuer Weg (mehr dazu hier).
Wenn wir Euch darüber hinaus noch helfen können, lasst es uns bitte jederzeit gerne wissen.
Solidarische Grüße aus Bochum und ein herzliches Glück auf
Im Auftrag von OFFENSIV
Steffen Reichelt
(Mitglied des Betriebsrats und Ortsdelegierter der IG Metall Ruhrgebiet-Mitte)
Oliver Wähnert
(Mitglied des Betriebsrats und Vertrauensmann der IG Metall)