Klimakatastrophe

Klimakatastrophe

Kitas und Pflegeheime ziehen Hitzebilanz Schluss mit der Hitzefalle!

Der Sommer 2026 hat viele soziale Einrichtungen an ihre Grenzen gebracht. Überhitzte Räume, erschöpfte Beschäftigte und gesundheitliche Krisen zeigen: Hitzeschutz ist längst eine gesellschaftliche Notwendigkeit.

Korrespondenz aus Duisburg
Kitas und Pflegeheime ziehen Hitzebilanz Schluss mit der Hitzefalle!
Edersee: Die alte „Aseler Brücke“ (erbaut 1887 bis 1890), die bei der Flutung des Sees in den grünen Tiefen verschwand, tauchte in diesem Sommer wieder aus dem Wasser auf – so niedrig war der Pegelstand des Sees durch die Hitze (foto: Hubert Berberich (HubiB) CC BY-SA 3.0)

Eine aktuelle bundesweite Befragung des Paritätischen Gesamtverbandes unter 2871 sozialen Einrichtungen liefert ein erschreckendes Bild: 82 Prozent fühlten sich von der Hitzewelle Ende Juni stark oder sehr stark betroffen. In zahlreichen Einrichtungen wurden Raumtemperaturen von 30 bis 40 Grad gemeldet. Gerade dort, wo alte Menschen, Kinder, Kranke oder Menschen mit Behinderungen betreut werden, wird extreme Hitze zur unmittelbaren Gefahr.

 

Nur 29,3 Prozent der befragten Einrichtungen verfügten über einen Hitzeschutzplan. 55,9 Prozent hatten Sonnenschutz, lediglich 20,7 Prozent Klimaanlagen oder vergleichbare Kühlmöglichkeiten. Gleichzeitig berichteten 83,2 Prozent von Erschöpfung und Kreislaufproblemen bei den betreuten Menschen. Fast 90 Prozent meldeten Erschöpfung ihrer Beschäftigten. 86,7 Prozent registrierten eine höhere körperliche Belastung.

Das ist kein individuelles Versagen der Beschäftigten!

Die Beschäftigten versuchen unter schwierigsten Bedingungen, die Versorgung aufrechtzuerhalten. Doch wenn Räume tagelang aufgeheizt bleiben und nachts kaum abkühlen, stößt auch engagierte Arbeit an objektive Grenzen.

 

Auch die Sterbefallzahlen machen die Dimension deutlich. In der letzten Juniwoche 2026 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 23.900 Menschen – 32 Prozent mehr als im Durchschnitt der entsprechenden Wochen der vier Vorjahre. Daraus lässt sich nicht jeder einzelne Todesfall als Hitzetod bestimmen. Der zeitliche Zusammenhang mit der extremen Hitzewelle ist jedoch ein ernstes Warnsignal.

Hitzeschutz ist eine Klassenfrage

Fakt ist: Ältere Menschen und kleine Kinder gehören zu den besonders hitzegefährdeten Gruppen. Eine naheliegende Schlussfolgerung ist: Einrichtungen, in denen sie betreut werden, müssen auch baulich und technisch auf zunehmende Extremhitze vorbereitet sein.

 

Dazu gehören Sonnenschutz, Verschattung, Dämmung, Begrünung, Entsiegelung, ausreichende nächtliche Abkühlung und geeignete technische Kühlung. Dafür braucht es Investitionen – und zwar jetzt!


Doch die Hitzefalle beginnt nicht erst im Pflegeheim oder in der Kita. Versiegelte Städte, fehlende Grünflächen, aufgeheizte Gebäude und zerstörte Wasserhaushalte verstärken sich gegenseitig. Die Hitzebelastung muss deshalb im Zusammenhang mit der gesamten Umweltzerstörung gesehen werden. Das Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ von Stefan Engel fasst diese Entwicklung als fortschreitende Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur.

Wer soll das bezahlen?

Der Paritätische fordert ein bundesweites Sofortprogramm und öffentliche Finanzierung notwendiger Investitionen. Das ist richtig. Aber es darf nicht bei einzelnen Förderprogrammen bleiben.

 

Politische Bewertung: Die Kosten der notwendigen Maßnahmen dürfen nicht auf Pflegebedürftige, Eltern, Beschäftigte und die Kommunen abgewälzt werden. Das Verursacherprinzip muss gelten: Die großen Konzerne und Monopole, die mit der kapitalistischen Produktionsweise enorme Umweltbelastungen hervorrufen und davon profitieren, müssen zur Finanzierung herangezogen werden. Genau diese Verbindung von Umwelt- und Klassenkampf wird auch im Buch „Katastrophenalarm!“ gefordert.

 

Der Sommer 2026 zeigt: Wir brauchen keine Appelle an die „Resilienz“ der Beschäftigten. Wir brauchen Hitzeschutz, Investitionen und den gemeinsamen Kampf von Arbeiter- und Umweltbewegung!

 

Kein Kind, kein alter Mensch und kein Beschäftigter darf in einer überhitzten Einrichtung seinem Schicksal überlassen werden.

 

Hier kann das Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" gekauft werden