Arbeiterkämpfe
Arbeitszeiten wie in China?!
"Die 35‑Stunden-Woche wird fallen" tönt ein Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)¹ und rechnet vor: "In den Hallen von BYD stehen die Arbeiter für umgerechnet 500 bis 650 Euro im Monat 60 bis 80 Stunden in der Woche am Band".
Mercedes-Boss Ola Källenius träumt wohl von solchen Verhältnissen und will bei Mercedes den bundesweiten Vorreiter für eine 40‑Stunden-Woche ohne Lohnausgleich machen. "Ola raus" schallte ihm dafür im Juli von weit über 10.000 Daimler-Arbeitern entgegen. Die Durchsetzung der 40-Stunden-Woche würde allein in der Automobilindustrie ca. 90.000 Arbeitsplätze vernichten. Eine Durchsetzung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich könnte dagegen die Vernichtung von 100.000 Arbeitsplätzen verhindern.
Der Kampf um die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist ein großer Erfolg der IG Metall und der Gewerkschaften in Deutschland. Der Produktivitätsfortschritt durch Technik und Arbeitshetze sollte bei einer Massenarbeitslosigkeit als Dauererscheinung den Arbeitern zugutekommen. Das wurde in harten, mehrwöchigen Streiks, zunächst 1978 in der Stahlindustrie und 1984 in der Metallindustrie und der Druckindustrie, erkämpft.
Mitten im Streik hatte die Bundesregierung 1984 rund 400.000 von kalter Aussperrung betroffenen Arbeiterinnen und Arbeitern das Kurzarbeitergeld gestrichen. Das konnte die Streikfront nicht brechen. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) nannte die Forderung "dumm und töricht". Die Parole der Konzernbosse auf Plakaten und Aufklebern war 1984: "Die 35-Stunden-Woche schafft Arbeitsplätze in Asien." Die Durchsetzung der Forderung war ein Sieg gegen Unterdrückung wie gegen diese Kapitalistenpropaganda.
Dieser Kampf war ein Vorbild für die Arbeiterbewegung weltweit. 2023 streikten die Automobilarbeiterinnen und Automobilarbeiter der USA für die 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Für nationalistische, zerstörerische Ausrichtung der Arbeiterinnen und Arbeiter auf die Profitinteressen "ihrer" Konzerne oder für die internationale Arbeitersolidarität für Arbeiterinteressen – das ist eine Kernfrage bei den jetzigen Kampftagen.
Sechs-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich bzw. 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!