VW Emden

VW Emden

Von Samstagsschichten, verlängerter Spätschicht und einer Rechnung für die Putzfirma ...

Am Tor bei VW begrüßten wir mit der Extra-Ausgabe der Kollegenzeitung "Vorwärtsgang": "Endlich! 21. September, bundesweiter Aktions- und Streiktag der IG Metall! Alle Autobetriebe - VW, Mercedes und andere, gleichzeitig. Seid ihr dabei?"

Korrespondenz

Schon an der Zufahrtsstraße zum VW-Werk stach eine große Plakatwand mit Werbung dafür ins Auge. Für die allermeisten Kollegen war dieser Kampftag allerdings noch neu. "Oh, gut, wusste ich gar nicht." Wir berichteten über die vorbereiteten kämpferischen Aktivitäten an den anderen Standorten von VW. Den Vorschlag, dass sie ihre Betriebsversammlung in Emden am Montag kämpferisch gestalten und von da aus gemeinsam nach draußen gehen für eine Kundgebung, fanden einige gut.

 

Nicht wenige hatten einen großen Brass oder waren einfach auch fertig von der gesteigerten Ausbeutung in der letzten Zeit: Samstagsschichten, die um eine Stunde verlängerte Spätschicht und minimale Taktzeiten. Wir bestärkten sie, dass der 21. September dafür steht, gemeinsam bundesweit dagegen zu protestieren. Das stärkt den Zusammenhalt, die Solidarität und Kampfmoral. Wir: "Wie 2024. Da habt ihr mit Hunderttausenden gleichzeitig Warnstreiks durchgeführt. Alle haben dabei die Stärke der Arbeiterklasse und euren Zusammenhalt der Arbeiter gemerkt. Und genau davor war der Vorstand zurückgewichen. Daran jetzt ansetzen." Manch einer schmunzelte und stimmte lächelnd zu.

 

Einige ältere Kollegen sagten, daß sie eh bald raus sind. Unser Argument, dass sie Vorbilder sein mussen für die Azubis, die lernen müssen, um ihre Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu kämpfen, bewegte sie dann doch sichtlich: "Da hast du auch wieder Recht." Einige waren richtig dankbar für die Gespräche mit uns. Aufmerksam auf uns wurde auch der Werkschutz. Zwei sehr auf Freundlichkeit bedachte Herren Werkschützer erklärten ihre Sorge, dass VW eine Reinigungsfirma beauftragen müsste, wenn Flugblätter auf dem Boden herumliegen. Allerdings war weit und breit kein einziges Flugblatt auf dem Boden zu sehen ...

 

Nach einer halben Stunde kam dann die Polizei, um die Personalien von einem Verantwortlichen aufzunehmen als Rechnungsadresse für eventuelle Reinigungskosten. Wir: "Ach, sind wir schon so weit, dass der VW-Konzern entscheidet, ob wir demokratische Rechte und Freiheiten wahrnehmen dürfen?" Dann ließen sie die Katze aus dem Sack: VW möchte nicht, dass wir auf ihrem Gelände Einsatz machen! Wir protestierten natürlich, mussten aber einen von uns ausweisen - aber nur gegen Namen des Einsatzleiters der Polizei. Drei Kollegen nahmen während dieser Diskussion neugierig unser Flugblatt und wir wünschten ihnen viel Erfolg für ihren weiteren Kampf.