Flüchtlingsgefängnis Sintiki/Serres (Nordgriechenland)

Flüchtlingsgefängnis Sintiki/Serres (Nordgriechenland)

„Erwarten Sie nicht, dass wir schweigen!“

Ein neuer Aufstand und ein Fluchtversuch von 50 Flüchtlingen, die im Flüchtlingsgefängnis von Sintiki festgehalten werden, fanden am Abend des 15. September, kurz nach 21 Uhr, statt.

Von Iordanis Georgiou

Die Flüchtlinge versuchten, an zwei verschiedenen Stellen der Einrichtung den Stacheldrahtzaun niederzureißen, um zu fliehen. Zunächst durchtrennten sie ein Stromkabel, wodurch ein Teil der Einrichtung in Dunkelheit getaucht wurde, und warfen Steine auf die Polizisten, während sie versuchten, die Stacheldrahtzäune niederzureißen. Die Einsatzkräfte der MAT und der vor Ort anwesenden Polizeieinheit setzten hoch dosiertes Tränengas ein, um den Aufstand niederzuschlagen. Dies gelang ihnen.

 

„Sie ersticken uns mit Tränengas und Rauch, und viele von uns haben keinen Ort, an dem wir Schutz finden können.“ „Was erwarten Sie von uns? Dass wir schweigen? Die Aufstände werden nicht aufhören, solange die Ungerechtigkeit herrscht. Sie lügen und verarschen uns seit Monaten mit ihren Versprechungen, dass sich die Lebenssituation im Lager verbessern wird. Wir warten schon über ein Jahr.“

 

Selbst der Vorsitzende der Polizeibeamten von Serres, Ioannis Kounios, beschwert sich beim Ministerium darüber, dass die Lage inzwischen unhaltbar geworden sei.

 

„Seit wir hierhergekommen sind, schlafen wir draußen, ohne einen Ort, an dem wir Schutz finden können. Wir dürfen seit über einem Jahr das Lager nicht verlassen. Wir werden wie Schwerstkriminelle behandelt. 350 von uns sind ausschließlich im Flügel C untergebracht. In 20 Containern stehen uns drei Toiletten zur Verfügung. Mehr als 100 Menschen schlafen im Freien in provisorischen Unterkünften, wo sie der sengenden Sonne, den ersten Herbstschauern, Insekten, Nagetieren und Schlangen schutzlos ausgeliefert sind und mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen zu kämpfen haben – ohne Zugang zu medizinischer Versorgung und angemessenen hygienischen Bedingungen.“

 

„Wie ist es möglich, dass es keine Aufstände gibt? Worauf warten Sie? Darauf, dass die Menschen in dieser Situation stillhalten? Jeden Tag gibt es Aufstände. Wir ersticken fast an dem Rauch und dem Tränengas, das in riesigen Mengen versprüht wird. Die Menschen, die keinen Unterschlupf haben und obdachlos im Freien leben, ersticken fast, sterben beinahe an Erstickung und an den Schmerzen in den Augen.“

 

Sofortige Auflösung des Gefängnisses in Sintiki/Serres!

Unterbringung der Flüchtlinge in menschenwürdigen Unterkünften!

Alle Sammellager müssen abgeschafft werden. Nahrung, Wasser und menschenwürdige Unterkünfte für die Flüchtlinge. Nein zu Inhaftierung, Abschiebungen und der Verweigerung des Rechts auf Einreichung eines Asylantrags!

Sofortige Rücknahme der Gefängnisstrafe und Freilassung der Flüchtlinge!