Leserbrief
Zum gestrigen Kommentar "Hört auf mit dem Jugend-Bashing!" von Lisa Gärtner
Auf Rote Fahne News veröffentlichten wir gestern unter der Überschrift "Hört auf mit dem Jugend-Bashing!" einen Kommentar von Lisa Gärtner, Jugendpolitische Sprecherin der MLPD. Anlass war die breite gesellschaftliche Debatte über die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie.
Ein Leser aus Rostock schrieb dazu unter anderem:
"Ich mag den Artikel, auch weil er sich nicht scheut, die Jugendlichen zu kritisieren. Bei der Überschrift hatte ich erst schon Sorgen, dass dies nicht geschehen würde. Kritik in diesem Sinne fehlt aber auch an den Eltern, die Laissez-faire meist nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern aus eigenem Egoismus oder kultureller Verrohung betreiben. Und die sich dabei auf die bürgerliche Familienordnung verlassen können, die ihnen das Erziehungsprivileg zuerkennt. (Wobei die Lehrerinnen auch einen offiziellen Erziehungsauftrag haben.) Ein kluges Argument ist, die gesellschaftliche Verlogenheit und den Hang zum "Postfaktischen" als Ursache zu benennen.
Kritik fehlt aber an der Pädagogik und Didaktik, die keine zusammenhängende Theorie vom Lernen und Lehren ausgebildet haben und mehr ein Sammelsorium konkurrierender Modelle, guter Ratschläge und Prinzipien sind, die allerdings so umfangreich sind, dass sie kaum ein Pädagoge systematisch umsetzen kann. Außerdem frage ich mich, ob scheinbar fortschrittliche Methoden wie freie Arbeit oder Gruppenarbeit - insbesondere wenn in exzessiver Weise angewandt - nicht mit dazu beigetragen haben, dass selbständiges, gründliches Denken verloren geht. (...)
'Doch die Schule trennt heute im Wesentlichen Theorie und Praxis, wodurch das Lernen zum Teil regelrecht entfremdet wird.' Ich bin mir da nicht so sicher. 'Lebensweltbezug', 'Gegenwartsbedeutung' und 'Zukunftsbedeutung' des Lehrstoffes gehören zu den zentralen Prinzipien der Didaktik, wie sie in Deutschland jeder durchläuft, der Lehrer wird. Ich glaube, dass darauf heute deutlich mehr Wert gelegt wird als je zuvor. Selbst wenn die wesentliche Trennung von Theorie und Praxis dadurch nicht aufgehoben wurde, so erklärt sich also nicht, warum die Leistungen und Kompetenzen abnehmen. (...)