Die zutiefst selbstkritische Aufarbeitung eines Friedrich Merz
Wundersame Schmerzlinderung durch bessere Erzählungen?
Mit dem Mitleid erregenden Blick eines Cockerspaniels, dem man den Knochen weggenommen hat, sinnierte Kanzler Merz nach der Wahlschlappe der CDU in Sachsen-Anhalt über Konsequenzen für die Reformpläne seiner Regierung: „Wir brauchen eine neue, bessere Erzählung!“
Schon im Mai 2024 äußerte der damals frisch gewählte Kanzler in seiner unnachahmlich arroganten Art in den Tagesthemen, man müsse „im Osten mehr erklären als im Westen!“
Mit einer ungewohnt gefühlsmäßigen Aufwallung appellierte der Kanzler an seine Regierung: „Wir müssen versuchen – ich selbst auch – die Menschen in ihrer ganzen Emotionalität zu erreichen!“ Dabei muss Merz nur ein Sch vor seinen eigenen Nachnamen setzen, um die Emotion von Millionen von Menschen treffend zu beschreiben, wenn sie das Wort „Reform“ nur hören. Wir dürfen gespannt sein, mit welchen neuen und ergreifenden Erzählungen er die schmerzhaft sinnliche Wahrnehmung von Menschen, denen das Wohngeld gekürzt, die Arbeitszeit verlängert oder das Renteneintrittsalter erhöht wird, in ein freudig wohltuendes Erlebnis verwandeln will.
Aus gut informierten Kreisen sickerten schon einige Pläne der Regierung durch. So soll in Zukunft jeder Rentner bei seinem Renteneintritt eine vom Bundespräsidenten persönlich signierte Romanerzählung erhalten. In der engeren Auswahl steht unter anderem die bekannte Erzählung von Fritz Wöss mit dem Titel „Hunde, wollt ihr ewig leben?“. Mit der Einführung der Gebührenerhöhung für Medikamente soll auf jeder Verpackung inklusive eines Smileys folgender Aufdruck platziert werden: „Niemand besser als wir wissen den hohen Wert ihrer Gesundheit zu schätzen. Gute Besserung wünschen ihnen die Vorstände der Pharmaindustrie!“
Den Firmen im Land sollen argumentative Richtlinien an die Hand gegeben werden, um ihren Beschäftigten die Vorzüge einer 13-Stundenschicht zu erklären. Unter anderem sollen sie dabei auf die nicht zu verachtende Einsparung bei den hohen Heizkosten der Wohnungen ihrer Mitarbeiter hinweisen. Die Firma heizt ja quasi umsonst. Die Reformen hätten schließlich immer auch eine Entlastung der Beschäftigten im Blick.
Seine rassistische Migrationspolitik konnte Merz im Gegensatz zu seinen “Sozialreformen“ dagegen immer sehr klar und verständlich formulieren. Man denke nur an das seiner Meinung nach durch „Migranten negativ beeinflusste Stadtbild“. Die AfD wird ihm dafür auf ewig dankbar sein. Tatsächlich gibt es etliche Stimmen in der AfD, die sich Friedrich Merz nach seiner Zeit als Bundeskanzler durchaus als Pressesprecher ihrer Partei vorstellen könnten.