Köln
„Seid ihr von der MLPD“? Cool, dass ihr da seid“
So begrüßten uns Jugendliche aus dem Oberbergischen, die extra zur Demo nach Köln gefahren waren.
Das Bündnis „Köln stellt sich quer“ hatte wegen des erschreckend hohen Ergebnisses der AFD in Sachsen Anhalt aufgerufen. Mindestens 17.000 Menschen aller Altersgruppen und Herkunftsnationen waren versammelt. Wut und Entsetzen herrschten vor. Viele brachten zum Ausdruck: Wir sind gegen den Faschismus – aber auch gegen eine von der Regierung betriebene reaktionäre, spalterische Politik.
„Köln stellt sich quer“ repräsentierte bisher eher den bürgerlichen Antifaschismus – prägend darin sind SPD- und Grünen-Leute. Entsprechend wurde auch erst einmal anmoderiert gegen „den Extremismus“. Der Kölner DGB-Vorsitzenden Wittich Roßmann griff die bei den Demonstranten vorherrschende Stimmung auf. Er qualifizierte die AFD klar als faschistisch, griff aber auch scharf die Merz-Regierung, und genauso die letzte SPD-Grünen-Regierung an, die mit ihrer „Reform“politik uns alle massiv angreifen, die unsere Lebensgrundlagen zerstören und das Kapital ungeschoren lassen. Das gibt der AFD den Spielraum, die berechtigte Unzufriedenheit der Leute auf ihre Mühlen zu lenken, um dann mit den Angriffen noch weiter zu gehen, meinte er sinngemäß. Dafür bekam er viel Beifall! Er forderte eine Zukunft für uns alle, eine grundlegende Wende – offen blieb dabei, dass diese Wende nur mit Sozialismus herbeigeführt werden kann. Da haben wir noch viel Überzeugungsarbeit vor uns.
Es waren aber nicht „nur“ die 17.000. Während wir auf dem Heumarkt standen, liefen in unseren chatgruppen gleichzeitig heftige Auseinandersetzungen. Das ging von „da kann man nicht hingehen, da sind auch Zionisten“, über „Demonstrieren bringt nichts mehr“, bis hin zu „halte doch bitte die Politik hier raus, das muss doch jeder selber entscheiden“ – je nachdem, um welche Gruppe es sich handelte. Gar nicht so einfach, gleichzeitig zu demonstrieren und überzeugend zu chatten – ging aber!