Leserbrief zum Kommentar zur PISA-Studie

Leserbrief zum Kommentar zur PISA-Studie

Schule könnte auch ganz anders sein ...

Dem am 9. September auf rf-news veröffentlichten Kommentar der jugendpolitischen Sprecherin der MLPD zur aktuellen PISA-Studie stimme ich voll zu. Besonders auch deshalb, weil die Autorin aufzeigt, wie es in den Schulen besser gehen könnte.

von Albert Schmit, lange Jahre Hauptschullehrer

Ergänzen möchte ich dazu den Punkt: freundschaftliche Beziehung zwischen Schülern und Lehrern statt bürokratisches Regiment von Schule und sehr vielen Lehrern über Jugendliche mit der Methode Schüler nur als Schüler zu kennen und zu behandeln oder mit den Methoden von Kommando und „langem Arm“ (Disziplinarmaßnahmen, Noten).

 

Fast alle meine Schüler und ich sind zusammengewachsen, indem ich mich für sie nicht nur hinsichtlich Schule interessiert habe. Ich habe nach ihren „außerschulischen“ Interessen gefragt, auch mal mit ihnen an ihren Rollern geschraubt, wir haben gemeinsam gezeltet und gefeiert, wie z.B. auf den Internationalen Pfingstjugendtreffen.

 

Überhaupt waren wir oft außerhalb der Schule, haben beispielsweise einen Arbeitseinsatz zur Renovierung des Naturfreundehauses gemacht. Ich habe vermittelt, wenn es zwischen einem Schüler und seinen Eltern „gekracht“ hat, oder geholfen, wenn einer Ärger mit der Polizei hatte. Sie kannten meine Familie, sie waren ganz Ohr, wenn ich von meinen Reisen erzählte. Ich habe um Rat gefragt, wenn ich bei den neuen Medien nicht durchgeblickt habe. Wir haben zusammen mit den Opel-Kollegen 2004 demonstriert und über unsere Musikvorlieben gestritten. Regelmäßig gab es Lebensschule-Unterricht; auch „Einfaches“ wie: Wo wird die Briefmarke auf einen Brief geklebt?

 

Diese freundschaftliche Beziehung hat vieles verändert: In unserem Unterricht war eine ruhige, entspannte Atmosphäre. Eine ganz andere Aufmerksamkeit, was eine Grundvoraussetzung für Lernen ist. Schüler waren zugänglicher für meine Kritik. Sie haben mich viel offener kritisiert und sie haben über Dinge gesprochen, die „man einem Lehrer nicht verrät“, die aber manchmal entscheidend beim Lernen hindern. Schüler haben sich an mir orientiert, z.B. an meiner Pünktlichkeit. Die wöchentlichen „Aussprachen“ waren Höhepunkte im Zusammenhalt und in gegenseitiger Hilfe. Wie oft haben sich Schüler danach angestrengt, nicht aus dem Klassenkollektiv herauszufallen (z. B. mit Schwänzen der Schule).

 

Das bürgerliche Erziehungssystem veranstaltet eine Schule, in der Schüler lernen, im Rahmen des Kapitalismus zu funktionieren. Dazu gehört, die ganzen heutigen Krisen auszuhalten und sich eben auch an die „Schulordnung“ zu halten.

 

Alle paar Jahre eine neue PISA-Studie mit einem saumiserablen Zeugnis für die Schulverhältnisse in Deutschland. Warum ändert sich anschließend nichts Grundlegendes? Weil es sich gar nicht ändern soll!

 

 

Hier geht es zum Kommentar von Lisa Gärtner "Hört auf mit dem Jugend-Bashing!"