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„Echte Kameradschaft statt Singleplayer-Modus?"

„Echte Kameradschaft statt Singleplayer-Modus?"Das war ein Slogan der Bundeswehr auf der Gamescom 2019. Wie sich militärische Werbung im Laufe der Jahre verändert hat!

Von bg
„Echte Kameradschaft statt Singleplayer-Modus?"
Köln wirbt schon für die Gamescom 2027 (Pressefoto)

Vom 26. bis 30. August fand auf dem Gelände der Kölnmesse die Gamescom statt, die weltweit größte Veranstaltung für Videospiele. Bei der letzten Ausgabe im Jahr 2025 kamen 357.000 Besucherinnen und Besucher aus 128 Ländern. Die Veranstaltung bewegt dabei nicht nur die Videospielindustrie, sondern auch zahlreiche weitere Bereiche, die für ein Event dieser Größenordnung notwendig sind. Die Videospielindustrie gehört heute zu den größten Unterhaltungsbranchen weltweit. Rund 3,3 Milliarden Menschen spielen weltweit Videospiele. In Deutschland spielen 89 Prozent der Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren Videospiele. Sie sind damit ein fester Bestandteil des Alltags der großen Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland.

 

Seit der ersten Gamescom im Jahr 2009 ist auch die Bundeswehr auf der Messe vertreten. Ab 2016 präsentierte sie sich dort mit einem eigenen Stand. In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt ihrer Werbung vor allem darauf, die Bundeswehr als "Arbeitgeberin" vorzustellen und junge Menschen mit Interesse an Technologie und technischen Berufen anzusprechen. Doch je mehr Militarismus und Aufrüstung in der deutschen Politik an Bedeutung gewinnen, desto offensiver und ausgefeilter wird auch die Werbung der Bundeswehr.

 

„Mehr Open World geht nicht!" – „Multiplayer at its best!" Das waren einige der Slogans, mit denen die Bundeswehr 2018 auf der Gamescom warb. Die Wortwahl ist nicht zufällig. Begriffe aus der Videospielkultur werden genutzt, um eine Verbindung zwischen der virtuellen Spielerfahrung und der realen Tätigkeit beim Militär herzustellen. Der Dienst bei der Bundeswehr wird als Abenteuer, Herausforderung, Teamwork und persönliche Weiterentwicklung präsentiert – ganz ähnlich wie eine Partie eines Videospiels.

 

Das Problem geht jedoch weit über eine geschmacklose Werbekampagne hinaus. Die Bundeswehr nutzt bewusst einen Ort, der vor allem von Freizeit- und Jugendkultur geprägt ist, um den Militärdienst als attraktive und moderne Karriere darzustellen. 2024 bot der Stand unter anderem Virtual-Reality-Erlebnisse, Spiele, körperliche Challenges und eine Demonstration elektronischer Kampfführung. 2025 wurde dieser Ansatz noch deutlicher: Besucherinnen und Besucher konnten unter anderem VR-Helikoptersimulatoren und zwei Panzersimulatoren ausprobieren, einen Militär-Buggy kennenlernen und Stationen zu elektronischer Kampfführung und Cybersicherheit besuchen.

 

Die Bundeswehr selbst beschreibt diesen Ansatz als eine spielerische Möglichkeit, jungen Menschen moderne Technologien, Ausbildungswege und berufliche Möglichkeiten in der Bundeswehr näherzubringen. Der Widerspruch liegt auf der Hand: Junge Menschen, die zur Gamescom kommen, um sich über berufliche Möglichkeiten in der Videospielindustrie zu informieren, treffen auf die Bundeswehr, die ihnen eine Karriere in derselben visuellen, technologischen und kulturellen Sprache präsentiert, die sie aus Actionspielen kennen.

 

2026 fragte die Bundeswehr: „Are you ready for the next level?" Während die Bundeswehr versucht, Militarismus als ein weiteres „Level" darzustellen, das es freizuschalten gilt, sollten wir fragen: Wer hat dieses Level ausgewählt – und wer profitiert davon?

 

Das nächste Level muss nicht mehr Waffen, mehr Soldaten und mehr Konflikte bedeuten. Vielleicht ist es Zeit, das Spiel zu wechseln, bevor aus einem Spiel der Dritte Weltkrieg wird.