Aktueller denn je - Selbständiger Streik bei Hella in Lippstadt am 16. Juli 1973

Aktueller denn je - Selbständiger Streik bei Hella in Lippstadt am 16. Juli 1973

"Das Einzige, was wir haben, ist der Streik"

... das ist gleich der erste Satz von Irina Vavitsa in dem Videobericht über den selbständigen Streik bei Hella in Lippstadt am 16. Juli 1973, den sie mitorganisiert hatte. Er wurde anlässlich des 50. Jahrestags 2023 gedreht und ist heute aktueller denn je.

Korrespondenz
"Das Einzige, was wir haben, ist der Streik"
Irina Vavitsa im Videobericht (screenshot)

Der Streik wurde nicht offiziell von der Gewerkschaft organisiert. Beschäftigte, insbesondere Migrantinnen und Migranten, legten damals eigenständig die Arbeit nieder. Sie streikten um 50 Pfennig Lohnerhöhung. Unter ihnen waren natürlich viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter.

 

Irina berichtet stolz, wie sich die Wut unter den migrantischen Mitarbeitern und noch mehr unter den migrantischen Frauen über die ungerechte, ungleiche Bezahlung entwickelte. Aber nicht nur die Wut ist gewachsen, auch die Klarheit, dass sie selbst um ihre Rechte kämpfen müssen.

 

„Es kam der Punkt, an dem uns alles egal wurde. Wir haben nicht mehr an die Konsequenzen gedacht, die ein Streik mit sich bringen kann. Wir sind dann einfach raus, haben gestreikt.“

 

Heute wie damals mussten alle Bedenken und Ängste vor so einem Streik ausgeräumt werden, bis es so weit war. Der Streik dauerte vier Tage. Der Hella-Konzern und die Medien versuchten, die Demonstrierenden als Unruhestifter zu kriminalisieren. Und die Polizei ging hart gegen die Protestierenden vor – doch ohne Erfolg.

 

Ein breites Bündnis aus allen Hella-Beschäftigten, der Lippstädter Bevölkerung und politischen Organisationen (auch die MLPD wird im Videobericht erwähnt) schließt sich dem Streik der Frauen an. "Die Solidarität gab uns Kraft", erzählt Irina.

 

Ein 20-Minuten-Video, das sich lohnt, sich von dieser gewachsenen Unerschrockenheit für den Streik anstecken zu lassen. (hier klicken)