Solingen

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Zum Tod von Jörg Becker: Erinnerung an einen aufrechten Politikwissenschaftler

Am 23. August verstarb der Solinger Politikwissenschaftler und Gewerkschafter Jörg Becker.

Von Christoph Gärtner
Zum Tod von Jörg Becker: Erinnerung an einen aufrechten Politikwissenschaftler
Jörg Becker spricht bei der Kundgebung am 8. Mai 2015 in Solingen-Ohligs (rf-foto)

Christoph Gärtner schrieb für die MLPD Bergisch Land an die Angehörigen: „Vielen Dank für eure Benachrichtigung über den Tod von Jörg. Die Nachricht hat mich sehr getroffen. Ich habe ihn sehr geschätzt • als streng sachlichen Wissenschaftler - und gerade darum klar gegen die sonst so üblichen antikommunistischen Vorbehalte,

 

  • als wissenschaftlichen Freund, der auch mir als Vertreter der MLPD manche sachlichen Hinweise insbesondere zur Quellensuche gab,
  • als Gewerkschafter (zuletzt gemeinsam in der ver.di-Seniorengruppe),
  • als Kommunalpolitiker,
  • als streitbaren, aber immer fairen politischen Geist,
  • und nicht zuletzt als Mensch und Freund - trotz teilweise unterschiedlichen Ansichten.

 

Denn wie er damit auf Augenhöhe umging, das verdient Respekt. Sein Tod ist ein großer Verlust - insbesondere für euch als Angehörige. Aber auch für die kritische und fortschrittliche Öffentlichkeit in Solingen und darüber hinaus, die mutige und klar sehende Menschen wie ihn dringend braucht angesichts der zunehmenden Krisen des Kapitalismus weltweit.

 

Unvergessen seine solidarische Rede am 8. Mai 2015 in Ohligs zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs sowie zu Ehren des 111. Geburtstags des Kommunisten und MLPD-Mitbegründers Willi Dickhut (s.u.).

 

Über Jörgs Buch "Noch ein Partisan!" über den Remscheider Kommunisten Gustav Flohr hatte ich mit ihm streitbar, aber sachlich korrespondiert bezüglich der Rolle von Willi Dickhut dabei. Noch vor wenigen Wochen hatte ich ihn zu seinem jüngsten Buch über den berühmten Kommunisten Richard Sorge beglückwünscht, es sofort gekauft, gelesen und eine Rezension zugesagt. Manche Pläne von mir, ihn für die Quellenerschließung unserer theoretischen Bücher zu Rate zu ziehen, können nun leider nicht mehr umgesetzt werden.“

Rede von Jörg Becker bei der Kundgebung von MLPD und REBELL am 8. Mai 2015

„Verehrte Anwesende, gemeinsam mit Ihnen stehe ich heute hier, um Willi Dickhut zu ehren. In Erinnerung an ihn verneige ich mich vor einem kämpferischen Kommunisten und Gewerkschafter, Opfer der brutalen Naziherrschaft, KZ-überlebenden Antifaschisten und Widerstandskämpfer. ... Vieles von dem, was Dickhut zwischen 1945 und 1966 bis zu seinem Ausschluss aus der KPD und danach dachte und tat, sehe ich anders. Aber ich muss ihn gegen eine weitere Anklage in Schutz nehmen: Wer gegenwärtig untersuchen will, ob Dickhut Anfang der Fünfzigerjahre in verfassungsfeindliche Tätigkeiten involviert war, springt bei dieser Aufgabe wahrscheinlich viel zu kurz. Denn mit dem Staatsrechtler Wolfgang Abendroth, bei dem ich gelernt habe, gehe ich davon aus, dass das KPD-Verbot 1956 ein Verfassungsbruch des Verfassungsgerichts war.“

 

Siehe auch Würdige Gedenkkundgebung für Willi Dickhut in Solingen – Kontrapunkt zu offiziellen Feierlichkeiten des 8. Mai

 

Jörg Beckers Rede auf Youtube (gleich nach dem Lied):
https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=MdMCVG3mqJs