Briefwechsel

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Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter in China

Zum Artikel „DKP verhöhnt Arbeiterkämpfe – China: Belebung bei Volksprotesten und Arbeiterkämpfen", der vor einigen Tagen auf Rote Fahne News erschienen ist, schrieb Hermann Glaser von der Textilarbeitergruppe Lauchhammer einen kritischen Leserbrief. Wir dokumentieren die kritischen Hinweise und die Antwort des Autoren des Artikels, Peter Weispfenning.

Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter in China
(screenshot)

Hier der Artikel auf Rote Fahne News: DKP verhöhnt Arbeiterkämpfe – China: Belebung bei Volksprotesten und Arbeiterkämpfen

Leserbrief zum Artikel

Guten Tag, wir finden euren heutigen Artikel zu China interessant. Was darin völlig fehlt, ist das Thema "Wanderarbeiter" - eines der grausamsten Themen seit Jahren. Wer sich als sozialistisch versteht, kann unmöglich zu dieser "größten Migrationsbewegung der Welt" nichts sagen und schon gar nicht nichts tun. Ich hänge mal die Vorankündigung für unsere "Modeschau" im kommenden Oktober an, da erwähnen wir das. (Rote Fahne News veröffentlicht sie morgen". Für Textilarbeiter ist jedes Verschweigen dieses Zustandes besonders widerlich!

 

Ich habe die Chefredakteurin der UZ in BCC gesetzt, ebenso die Parteivorsitzenden von MLPD und DKP und natürlich andere Textilarbeiter und Gewerkschafter.

 

Kämpferischen Gruß
Hermann für die Textilarbeitergruppe Lauchhammer

Antwort von Peter Weispfenning

Lieber Hermann,
liebe Freundinnen und Freunde der Textilarbeitergruppe Lauchhammer,

 

vielen Dank für die kritischen Anmerkungen zu dem Artikel „DKP verhöhnt Arbeiterkämpfe – China: Belebung bei Volksprotesten und Arbeiterkämpfen". Du würdigst den Artikel positiv, bemängelst aber, dass darin die Wanderarbeiter nicht besonders berücksichtigt werden. Ich stimme Dir voll zu, dass die besondere Ausbeutung und Unterdrückung von hunderten Millionen Wanderarbeitern auf der Welt allen Sozialistinnen und Sozialisten ein besonderes Anliegen sein muss.

 

Wir gehen auf unserem Nachrichtenportal Rote Fahne News systematisch auf diese Frage ein, ob in Indien, China oder anderswo. Einige Links dazu habe ich Dir unten kurz zusammengestellt. Wir klären auch über den Missbrauch der Wanderarbeiter für chinesische Investitionsprojekte in Europa auf. Wir rufen auch zur Solidarität mit ihnen auf. Es ist in der Tat empörend, dass ein Land mit hunderten Millionen ausgebeuteten Wanderarbeitern wie China von der DKP als „sozialistisch" gefeiert wird.

 

Dass der konkrete Artikel die Wanderarbeiter nicht gesondert behandelte, lag vor allem daran, dass in den verarbeiteten Auswertungen der Kämpfe der letzten Jahre darüber Berichte fehlten. Wir werden aber künftig diese Seite auch bei solchen spezifischen Analysen besonders beachten. Gerne veröffentlichen wir den Leserbrief und kündigen auch Eure Veranstaltung an. Wir würden uns auch freuen, einen Gastbeitrag von Dir oder Euch zu den Wanderarbeitern auf Rote Fahne News oder in unserer Druckausgabe zu veröffentlichen.

 

Herzliche Grüße
Peter Weispfenning

 

Ausgewählte Links zu Berichten auf Rote Fahne News

Das BYD-Werk in Szeged / Ungarn wird mit angekarrten chinesischen Wanderarbeitern aufgebaut. Wanderarbeiter werden in China rechtlose Arbeiter genannt, ruinierte ehemalige Kleinbauern, die in die Städte ziehen müssen bzw. umgesiedelt werden. Sie sind aber noch am Heimatort gemeldet und haben damit auch keinen Anspruch auf Rechte wie Renten oder Arbeitslosenunterstützung. Die Kinder dürfen z. T. nicht einmal die Schule besuchen. https://www.rf-news.de/2026/kw27/solidaritaet-mit-den-kaempfenden-byd-arbeitern

 

Yunnan: Wanderarbeiter protestieren gegen Arbeitsbedingungen - https://www.rf-news.de/2024/kw13/yunnan-wanderarbeiter-protestieren-gegen-arbeitsbedingungen

 

Wie bitte? Wer unterdrückt denn dann brutal Arbeiterkämpfe oder sperrte zig-tausende Arbeiter während der Coronakrise in den Betrieben ein? Weshalb müssen hunderte Millionen Wanderarbeiter und -arbeiterinnen immer noch für einen Hungerlohn in Firmen der in- und ausländischen privaten Kapitalisten schuften? https://www.rf-news.de/2023/kw30/dkp-fuehrung-voll-im-sumpf-der-chinesischen-revisionisten

 

Unsere Kritik, dass auch in China nach dem Tod von Mao Zedong 1976 ein bürokratischer staatsmonopolistischer Kapitalismus errichtet wurde, wies sie vehement zurück. Ja, es läge noch vieles im Argen, aber man müsse berücksichtigen, dass sich China noch im Anfangsstadium des Sozialismus befände. https://www.rf-news.de/2023/kw30/dkp-fuehrung-voll-im-sumpf-der-chinesischen-revisionisten

 

Wie kann es sein, dass ein angeblich sozialistischer Staat im imperialistischen „Hauen" und „Stechen" eifrig mitmischt, der aktuell einzigen Supermacht USA den Rang ablaufen will und gleichzeitig Millionen Wanderarbeiter im Land selbst nicht wissen, wo sie ihr täglich Brot her bekommen sollen? https://www.rf-news.de/2023/kw17/schriftenreihe-china-aktuell-unverzichtbar-fuer-den-durchblick

 

Nun haben längst auch bürgerliche Kommentatoren festgestellt, dass die Bezeichnung „kommunistisch" für die chinesische Führung purer Betrug ist. Dass in der Partei Millionäre und Milliardäre das Sagen haben und längst nicht mehr Arbeiterinnen und Arbeiter. Das „Wohl" der Millionen Wanderarbeiter in China kümmert Bahlo und Hartmann einen feuchten Kehricht. Diese müssen ihre Kinder in den Heimatregionen zurücklassen, weil die Familien in der Nähe der wechselnden Arbeitsplätze kein Recht auf Schule, Bildung und Gesundheitsversorgung haben. https://www.rf-news.de/rote-fahne/2021/nr20/die-vernunft-der-chinesischen-und-russischen-imperialisten-und-der-niedergang-des-freidenkerverbands

 

Lhasa: Wanderarbeiter protestieren gegen Lockdown. https://www.rf-news.de/2022/kw43/lhasa-wanderarbeiter-protestieren-gegen-lockdown

 

Guangzhou: Wanderarbeiter protestieren gegen Lebensbedingungen. https://www.rf-news.de/2022/kw46/guangzhou-wanderarbeiter-protetieren-gegen-isolierung

 

„Die Mehrheit der Arbeiterklasse sind Wanderarbeiter, die kaum soziale Rechte haben und unter Überausbeutung leiden. In den letzten zehn Jahren hat eine Abwanderung von Industriebetrieben nach noch billigeren Ländern in Südostasien begonnen, unter der zuerst die Wanderarbeiter leiden." https://www.rf-news.de/2020/kw49/internationale-solidaritaet-hilft-chinesischen-arbeitern

 

Massenarbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung steigen weltweit seit Beginn der Weltwirtschaftskrise sprunghaft an. In den USA haben 4,3 Millionen Menschen von Oktober 2008 bis April 2009 ihre Arbeit verloren. In China wurden 20 Millionen Wanderarbeiter bis Anfang 2009 in die Arbeitslosigkeit und damit auch ihre Familien ins absolute Elend gestoßen. https://mlpd.de/2010/buergerliche-politische-oekonomie-vor-dem-scherbenhaufen-einige-ergaenzungen-zur-marxistisch-leninistischen-krisentheorie