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"Da kann man eh nichts mehr machen ..."?

Der morgendliche Kaffee war heute noch nicht ganz eingenommen, als mir die Überschrift einer Nachricht ins Auge sprang: „Aus für 50.000 Jobs besiegelt“. Besiegelt? Laut Duden steht dies für „gültig erklären“, „endgültig“, „unabwendbar machen“. Aber das stimmt ja mal gar nicht, schoss es mir sofort durch den Kopf.

hs

Wurde nicht schon zu oft für uns Arbeiter etwas als „besiegelt“ dargestellt, was dann jedoch eine andere Wendung nahm. Weil die „Besiegelten“ sich eben nicht „besiegeln“ ließen? Das gab es doch 1997 auch schon mal. Der damalige Kanzler Kohl wollte den Bergbau damals auch „besiegeln“ und nach einer protestierenden Menschenkette von 220.000 Menschen wurde gesagt, dass jetzt nichts mehr daran zu rütteln wäre.

 

Sehr lebendig und auch heute noch höchstaktuell und lehrreich kommen in der Dokumentation „Der große Bergarbeiterstreik 1997“ Zeitzeugen dieser Auseinandersetzung zu Wort:

 

„Ich hatte mich an der Menschenkette beteiligt. Wir hatten es ernst gemeint. Und haben uns schon auf härtere Kampfmaßnahmen eingestellt und alle Straßen gesperrt. Dann erklärte Kohl, er würde an seinen Plänen festhalten. In dieser Situation legte IGBCE-Chef Berger einen Offenbarungseid ab. Berger sagte: Es seit nichts mehr zu machen, damit wären alle Mittel des Kampfes ausgeschöpft. …

 

Die Bergleute waren zuerst maßlos enttäuscht, sie hatten erwartet, dass die IGBCE-Führung den Kampf weiter in die Hand nimmt. Es kam massiver Ärger auf … Die reformistischen Konzepte des windelweichen Bittens und Bettelns wurden von den Kumpels mehr und mehr durchschaut und als untauglich erkannt. …

 

Wut alleine macht noch keinen Kampf! Das stellen sich manche immer so leicht vor. Da muss viel mehr klar sein, damit ein Kampf beginnt.“

 

Unermüdlich und solidarisch fest an der Seite der Kumpel waren die Betriebsgruppen der MLPD. Sie förderten und halfen den Bergleuten, den Kampf um ihr Bewusstsein so zu führen, auf die eigene Kraft zu vertrauen, sie zu erkennen und sich ihr bewusst werden, stolz darauf zu sein und sie einzusetzen – statt aufzugeben und sich einer depressiven Niederlagenstimmung zu ergeben „es ist gelaufen“. Eine kleine Streikinitiative von einigen Kumpeln, verbreitet über das ZDF, wurde dann auf dieser Grundlage zum Signal für alle Kumpel – damit konnten auch die damaligen Stilllegungsbeschlüsse vom Tisch gefegt werden, und auch Kohl war kurze Zeit später Geschichte!

 

Ein Zeitzeuge: „Ihr kennt das ja: Die Deutschen brauchen etwas mehr als die anderen, als die Spanier oder die Franzosen, aber die Deutschen bleiben dafür länger und hartnäckiger bei der Sache. Das war das Signal für den größten selbständigen Massenstreik seit dem II. Weltkrieg, mit zeitweise 130.000 Beteiligten. Das war also ein Generalstreik im Bergbau.“

 

Also: von wegen besiegelt!

 

Für alle, die Lust auf die Zeitzeugenberichten bekommen haben und davon lernen wollen für die heutige Auseinandersetzung im Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz – die Dokumentation „Der große Bergarbeiterstreik 1997“ gibt es hier.