Sturzflut
Nepal: 8 Millionen Euro hätten Mehrheit der Menschen retten können
„Die Flut kommt – die Flut kommt“ - so die Handynachricht eines Verwanden aus einer Region, die am 26. August zuerst von der Flut getroffen wurde. Diese Anruf machte es möglich, dass 900 Schüler in einem weiter unten gelegenen Ort in nur 14 Minuten evakuiert und damit gerettet werden konnten.
Statt einer amtlichen Smartphone-App, wie es sie in den Alpen gibt, gibt es in Nepal nur manuelle SMS-Ketten, um Menschen zu warnen. Acht Millionen Euro würden reichen, um in Nepal ein zuverlässiges Frühwarnsystem einzuführen, so die Forschergruppe am Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Deutschland.
Am 28. August veröffentlichte die Forschergruppe einen Artikel mit dem Titel: "Forscher wollen seit Jahren Frühwarnsystem aufbauen, bekommen aber kein Geld" auf www.riffreporter.de. Auf die Frage: "Wie groß wäre der Aufwand, dieses Frühwarnsystem zu installieren?" antwortete der Leiter des Instituts Niels Hovius: „Wir bräuchten ungefähr 80 unserer Standard-Seismometer über ganz Nepal verteilt, plus Wartung und Personal. Die Gesamtkosten haben wir gegenüber der nepalesischen und der deutschen Regierung auf acht Millionen Euro beziffert.“
Sie arbeiten seit 2021 in einem Konsortium mit der Universität von Grenoble und den nepalesischen Behörden daran, dass Nepal ein solches Frühwarnsystem bekommt, bisher ohne Erfolg. Weiter schreibt Niels Hovius: „Der nepalesische Staatspräsident Ram Chandra Paudel hat unser Forschungszentrum in Potsdam vor zwei Jahren eigens besucht, das Interesse ist also groß. Ich war erst im Mai in Kathmandu zu Gesprächen und in der jetzt betroffenen Region zu Forschungsarbeiten unterwegs. In Deutschland sind wir mit dem Auswärtigen Amt im Gespräch. Nur leider hatten unsere Bemühungen bisher noch keinen konkreten Erfolg. ...
Die Weltbank finanziert jetzt für 40 Millionen US-Dollar ein Frühwarnsystem, das aber nur vier Gletscherseen mit hohem Risiko abdeckt. Die abgedeckte Region umfasst weniger als ein Prozent des nepalesischen Hochgebirges. Wir könnten für einen Teil der Summe hundert Prozent abdecken. ... Beim Bundesforschungsministerium waren wir 2022 sogar schon kurz davor, eine Finanzierungszusage zu bekommen, dann überfiel Russland die Ukraine und die Prioritäten änderten sich."
Bis heute verhandeln die chinesische und die nepalesische Regierung über ein Abkommen zum Austausch der nötigen Daten, um die Menschen rechtzeitig zu warnen. Dass es bis heute nicht zustande gekommen ist, kostete jetzt hunderte Menschenleben. Dem stehen klare Profit- und Machtinteressen entgegen, denn viele Länder behandeln seismographische Daten als Staatsgeheimnisse, das hat zum Beispiel mit Militär und Rohstoffen zu tun.
Die Kosten für den Wiederaufbau nach der Sturzflut in Nepal werden von der nepalesischen Regierung vorläufig auf 4 bis 5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Sicher hätte das Frühwarnsystem nicht die Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur verhindert, aber acht Millionen hätten ausgereicht, die Mehrheit der Menschen zu retten, die jetzt ihr Leben verloren.
Fordern wir die Bundesregierung auf, umgehend dieses und ähnliche Frühwarnsysteme zu verwirklichen – schließlich ist die Bundesregierung mit ihren Monopolen mitverantwortlich für die sich beschleunigt entwickelnde Klimakatastrophe. Was in einem sozialistischem Land möglich wäre, wenn der Mensch im Mittelpunkt steht, zeigte das damals sozialistische China, das bereits in den 1970er-Jahren anhand von Tierverhalten die Menschen dort z.B. vor Erdbeben rechtzeitig warnen konnten.