Vorstandsbeschluss zum radikalen Konzernumbau bei VW

Vorstandsbeschluss zum radikalen Konzernumbau bei VW

Was steckt hinter der Strategieänderung?

Der VW-Vorstand hat den radikalen Konzernumbau intern bereits seit längerem einstimmig beschlossen. Der Bericht der WirtschaftsWoche zum 147-seitigen Geheimpapier „Bericht zum Konzeptbeschluss Aufsichtsrat 3./4. September 2026“ weist darauf hin, dass die Pläne weit über das hinausgehen, was bisher öffentlich ist. Vieles bleibt auch jetzt noch im Dunkeln. Wir beginnen mit diesem Artikel, hinter die Kulissen zu blicken.

Von RF-Redaktion
Was steckt hinter der Strategieänderung?
VW-Zentrale in Wolfsburg (foto: Elena Savelyeva / CC BY-NC 2.0)

Bekannt ist:

 

Vier Werke sollen „leerlaufen“: Emden und Zwickau 2031, Hannover 2032, Audi Neckarsulm 2034. Die Nachfolger – ID.Tiguan, Q4e, der E-Transporter B-Space, der A8 – gehen nach Mlada Boleslav, Bratislava, Poznań und Leipzig. Der Vorstand will das als bloßes „Auslaufen ohne Nachfolger“ am Aufsichtsrat vorbei durchziehen. Nur Errichtung und Verlegung von Produktionsstätten seien zustimmungspflichtig, das Ende der Produktion angeblich nicht. „Mitbestimmung“, VW-Gesetz, Standortzusagen von 2024: Alles Makulatur.

 

Das Konzept zielt auf einen radikalen Konzernumbau. Ein Hintergrund: Die Kernmarke VW soll aus der bisherigen AG-Struktur und damit aus der Reichweite der „Mitbestimmung“ herausgebrochen und unter einer Holding verselbständigt werden. Seat steht auf der Streichliste. Auch bei Porsche stehen zigtausende Stellen in Frage, Milliarden weniger Investitionen, Kapazitätsabbau in Zuffenhausen. Beteiligungen und sogenannte „Randgeschäfte“ sollen massenhaft abgestoßen werden: Ducati, Europcar, Ladeinfrastruktur, Mobilitätsdienste, Venture Capital und weitere Konzernteile. Insgesamt wird von 700 Teilen des VW-Konzerns geschrieben. Berichte sprechen von einem Kahlschlag im Beteiligungsgeflecht in einer Größenordnung, die den Konzern auf das nackte Kerngeschäft zurechtstutzt. Wer genau fällt, steht im Geheimpapier – der Öffentlichkeit wird nur die Spitze gezeigt.

 

Was steckt dahinter? Nicht „Zukunft“ für die Belegschaft, sondern knallharter Kampf um Maximalprofit. Die Profitrate soll radikal auf acht bis zehn Prozent hochgejagt werden. Dafür Arbeitsplätze vernichten – an den vier Werken allein rund 40.000 bis 45.000, konzernweit Zehntausende weitere, nicht nur in Deutschland –, Arbeit verdichten, Kapazitäten dorthin verlagern, wo Löhne niedriger und Rechte schwächer sind.

 

Die vom Vorstand ins Feld geführten „Fabrikkosten“ – 6.490 Euro in Deutschland gegen 2.832 Euro an europäischen Standorten außerhalb – sind eine Kampfzahl. Sie mitteln Premium- (wie Zuffenhausen) und Volumenwerke und sind verzerrt duch die teils geringe Auslastung einzelner Werke. Intern gilt Zwickau als eines der günstigsten deutschen Werke – und steht trotzdem auf der Liste.

 

Der Betriebsrat bei VW weist darauf hin: Die Fabrikkosten machen nur ungefähr ein Siebtel der Gesamtkosten eines Autos aus. Von diesem Siebtel entfallen wiederum nur zwei Drittel auf die Personalkosten. Daraus ergibt sich, dass selbst die völlig utopische Halbierung des VW-Haustarifs ein Fahrzeug nur ungefähr fünf Prozent billiger machen würde.

 

Überhaupt der Begriff „Fabrikkosten“: Da werden willkürlich Maschinen, Hallen, Bleche, Strom und Arbeitslöhne vermengt. Dann sieht es so aus, als verursache der Arbeiter Kosten wie eine Lackieranlage. In Wahrheit schafft er den Wert, von dem er einen kleinen Teil als Lohn erhält und VW sich den Großteil als Mehrwert aneignet. Bei VW liegt die Mehrwertrate bei etwa 315 Prozent. Und diesen Anteil will VW drastisch in die Höhe treiben – sprich: die Ausbeutung verschärfen.

 

Geschlossen werden sollen auch die modernsten E-Werke Zwickau und Emden. So funktioniert moderner Kapitalismus: verschärfte Ausbeutung von Mensch und Natur, solange sie dem Profit dient. VW will die gesamte Produktion so organisieren, dass mit weniger Kapazitäten und weniger Beschäftigten eine höhere Rendite erzielt werden kann. Deshalb werden Werke geschlossen, die Produktion international neu verteilt, Modelle und Strukturen konzentriert.

 

Es geht um Riesensummen für Digitalisierung, E-Mobilität und KI, die VW aufbringen will – im verschärften Kampf um die Weltmarktführerschaft, in dem VW besonders hinter die chinesischen Rivalen zurückgefallen ist. Wer die maximale Rendite nicht liefert, verliert das Kapital an andere Anlagen – Spekulation, Rüstungsproduktion. Weltweit steigende Zinsen machen Schulden teurer; Rating und Refinanzierungskosten sollen auf dem Rücken der Belegschaft gedrückt werden. Es wäre unglaubwürdig, wenn das nicht mit den Spitzen von Regierung und sonstiger Monopolpolitik abgesprochen wäre. Die Großaktionäre Porsche, Piëch und Katar fordern die harte Lösung. Die Regierung will nach der Sommerpause den Angriff auf soziale Rechte verschärfen. Die Monopolverbände forderten vor kurzem ebenfalls ein härteres Durchgreifen. VW ist wieder Vorreiter eines verschärften Generalangriffs.

 

Andere ziehen nach. ArcelorMittal hat gerade Stahlwerk und Knüppelwalzwerk in Duisburg-Ruhrort zur Schließung angekündigt – 550 Arbeitsplätze weg. Die Diktatur der Monopole erscheint nackt: durchregieren, keine Rücksicht auf Tarif, „Mitbestimmung“, Region. Und dann wird den Arbeitern erklärt, sie müssten sich an eine Friedenspflicht halten und dürften nicht kämpfen? Wer den Arbeitern den Krieg erklärt, kann sich nicht auf Friedenspflicht berufen. Wenn VW alle Tabus bricht, müssen die Arbeiter auch zu härteren Kampfmaßnahmen übergehen. Für die Gewerkschaften als Kampforganisationen! Für gewerkschaftliche und selbständige Streiks!

 

Deshalb: Ab dem 3. September Mitbestimmung durch Streik im ganzen VW-Bereich. Den 21. September als Streiktag der gesamten Auto- und Zulieferindustrie vorbereiten. Die Klassenzusammenarbeit ist offen gescheitert. Der Vorstand mag beschlossen haben. Die Belegschaften müssen das nächste Wort haben.