Philippinen
Duterte außer Rand und Band
Die Deutsch-Philippinischen Freunde e.V. haben auf ihrer Webseite unter der Überschrift "Duterte außer Rand und Band" einen neuen Beitrag des Philippinen- und Südostasien-Experten Dr. Rainer Werning veröffentlicht. Rote Fahne News dokumentiert einen Auszug plus den Link zur vollständigen Version.
Es schien eine Erfolgsstory erster Güte zu versprechen, als Ferdinand Marcos Jr. und Sara Duterte, langjährige Bürgermeisterin in der südlichen Hafenstadt Davao, Mitte 2022 als strahlende Sieger aus den Präsidentschaftswahlen in den Philippinen hervorgingen. Geeint in einem politischen Bündnis, das sich »Uniteam« nannte, fuhren beide einen haushohen Sieg ein. Marcos wurde Präsident und Duterte Vizepräsidentin sowie Bildungsministerin.
Doch die Vizepräsidentin schmollte ob dieses Postens. Sie hatte es eigentlich darauf abgesehen, das Verteidigungsressort zu übernehmen. Dieses wäre von strategischer und sicherheitspolitischer Bedeutung gewesen und hätte jene Kontakte zur Volksrepublik China gewahrt, die der Marcos-Vorgänger und Vater der Vizepräsidentin, Expräsident Rodrigo Duterte (2016–22), geknüpft hatte. Marcos Jr. hingegen ist ein erklärter Busenfreund Washingtons. Das politische Tischtuch ward endgültig zerschnitten, als Sara Duterte Mitte Juli 2024 als Bildungsministerin abdankte. Seitdem scheint sie einzig von dem Gedanken beseelt, Marcos bei jeder sich bietenden Gelegenheit öffentlich herabzusetzen sowie gegen ihn und seine Familie Hass zu schüren. ...
Der Wind drehte sich, als Dutertes Vater wegen Verbrechen gegen die Menschheit im Zuge seines tödlichen »Antidrogenkrieges« mit geschätzten 30.000 Opfern am 11. März 2025 dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag überstellt wurde und gegen die Vizepräsidentin Vorbereitungen für ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) getroffen wurden. Dieses Verfahren ist seit Anfang Juli dieses Jahres im Gange und konfrontiert Frau Duterte mit vier Anklagepunkten: neben der Morddrohung gegen Marcos Jr. und seine Familie Missbrauch vertraulicher Gelder, Bestechung und ungeklärter Vermögenszuwachs.
In diesem Verfahren tauchte die Vizepräsidentin bis dato nicht persönlich auf. Sie ließ sich vor dem Senat, der letztlich über den Ausgang des Amtsenthebungsverfahrens entscheidet, von ihren Anwälten vertreten. Derweil unternahm sie mehrere Auslandsreisen, um ihren Vater in Den Haag zu besuchen und andernorts Wahlwerbung für sich vor philippinischen Expats zu betreiben. Im Frühjahr 2028 stehen die nächsten Präsidentschaftswahlen an, für die die umtriebige Politikerin bereits ihre Kandidatur ankündigte, wofür sie von ihren Anhängern gefeiert wird. Duterte stellt sich als Opfer einer vom »imperialen Manila« gesteuerten Kampagne dar und bezeichnet die Überstellung ihres Vaters nach Den Haag als »Kidnapping« und »nationalen Verrat«. (...)