Ein Grund mehr für die Streiktage am 21. und 26. September
Deutlicher Lehrstellenabbau in Deutschland
Im neuen „Ausbildungsreport 2026“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wird festgestellt, dass 2025 die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr erneut um 2,1% gesunken ist, vor allem durch Rückgang bei betrieblichen Ausbildungsverträgen.
Bei gleichzeitig steigender Nachfrage von jungen Menschen nach Ausbildungsplätzen sind 84.400 bei ihrer Suche leer ausgegangen, also fast 20% mehr als 2024. Zum Lehrjahresbeginn 1. September 2026 sind sogar 181.000 noch ohne Ausbildungsplatz! Im Ausbildungsjahr 2024/25 hatten unter den erfolglosen Bewerbern die Mehrheit einen mittleren Schulabschluss und fast 25% sogar die (Fach)Hochschulreife. Das nebenbei zum „Ausweg Höherqualifizierung“!
Wenn in großem Umfang Arbeitsplätze vernichtet werden, rettet auch die bessere Qualifizierung nicht mehr vor Arbeitslosigkeit. Inzwischen hat hierzulande fast jeder 5. junge Erwachsene im Alter von 20 – 34 keinen Berufsabschluss, sprich 2,76 Millionen. Der Anteil dieser Ungelernten ist in Industrienationen außer in der BRD nur noch in Tschechien gestiegen (laut OECD „Bildung auf einen Blick“). All das ist auch ein Angriff auf die Lage der Familien und der gesamten Arbeiterklasse. „Unversorgte“ Jugendliche müssen von ihren Familien mitfinanziert werden, anstatt zum Familieneinkommen beizutragen oder sich selbst zu finanzieren. Auch aus diesem Grund wohnen etwa 60% der 18jährigen noch bei ihren Eltern (nach Angaben des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes).
Aber auch von den Jugendlichen in Ausbildung können laut Ausbildungsreport 2/3 von ihrem Lehrlingslohn nicht selbständig leben. Gegenüber 2020 sagen das 8% mehr Azubis. Fast ein Drittel ist auf finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen. Dabei ist es gerade wichtig, als junge Erwachsene zu lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und aus dem – bösartig oft »Hotel Mama« genannten – wohligen Zuhause auszuziehen. Durch die häufig niedrigen Löhne von Azubis und Jungarbeiter wird die besondere Belastung der Familien und dabei besonders der Frauen noch verschärft.
Immer mehr Betriebe schaffen sich die Kosten für Ausbildung vom Hals. Der Anteil der ausbildenden Betriebe ist weiter auf 18,8% der ausbildungsberechtigten Betriebe gesunken. Vor allem Großbetriebe bauen gut qualifizierende Ausbildungsplätze ab. So sollen bei VW deutschlandweit die Ausbildungsplätze von 1400 auf 650 zusammengestrichen werden. Dieser Aspekt des Generalangriffs der Autokonzerne ist bisher noch kaum Gegenstand der öffentlichen Diskussion. Das zu verhindern, muss allerdings eine der Hauptforderungen der Streik- und Kampftage am 21. und 26. September werden!
Die Ausbildung wird immer stärker vom dualen System auf den „Übergangsbereich“ mit schulischer Ausbildung oder in „Maßnahmen“ verlagert. Dort staatlich finanziert, also aus unseren Steuergeldern. Auch das ist eine der riesigen Umverteilungen zugunsten der Monopole auf Kosten der Massen. Diese „Auslagerung“ der Azubis schwächt deren Erziehung beim gemeinsamen Arbeiten und Kämpfen mit den älteren Kollegen und die Kampfstärke der Arbeiterklasse durch die Einheit von Jung und Alt. Das wiederum erleichtert den Kapitalisten Lohnraub und Steigerung der Ausbeutung. Auch die früher selbstverständliche Übernahme von Azubis nach der Lehre in die Produktion ist damit ganz nebenbei Geschichte.
Im Ausbildungsreport des DGB gar nicht angesprochen ist die Entwertung von Arbeitskraft durch die angekündigten branchenweiten Massenentlassungen in der Autoindustrie oder im Maschinenbau. Auch unter der Jugend droht Massenarbeitslosigkeit! Der Ausbildungsreport 2026 klagt viele Verschlechterungen in der Ausbildung unserer Jugend an. Aber die ganze Dimension ihrer Auswirkungen auf Jung und Alt, ihren Zusammenhang zum jetzt gestarteten Generalangriff mit einer Ausbeutungsoffensive von Monopolen und Staat bleibt außen vor.
Es geht längst nicht mehr nur um die Abwehr von Einzelangriffen auf bestimmte Berufsgruppen, auf Jung oder Alt. Den 21.9. gilt es zum Streiktag aller Auto- und Zulieferer-Arbeiter zu machen – gemeinsam mit allen abhängig Beschäftigten, ob gelernt oder ungelernt. Zusammen mit den älteren Kollegen sind die Azubis und Jungarbeiter eine ganz andere Kraft. Und die älteren Kollegen brauchen den Elan von Jugendlichen und deren besondere Orientierung auf die Zukunft, wie sie in der immer mehr verbreiteten Losung zum Ausdruck kommt: Jugend, Zukunft, Sozialismus!
Auch bei den großen gewerkschaftlichen Demonstrationen am 26. September gemeinsam für die besonderen Forderungen der Arbeiterjugend eintreten. Die jugendpolitische Sprecherin der MLPD, Lisa Gärtner, stellt aus diesem Anlass die Forderungen auf:
- „Für die Verpflichtung der Großbetriebe zu einer Ausbildungsquote von mindestens 10% der Beschäftigten!
- Kampf der besonderen Rechtlosigkeit der Arbeiterjugend, u.a. durch Leiharbeit, Werkverträge und Befristung! Unbefristete Übernahme aller Auszubildenden entsprechend der Ausbildung!
- Kampf um jeden einzelnen Ausbildung- und Arbeitsplatz, keine einzige Lehrstelle darf abgebaut und keine einzige Lehrwerkstatt darf geschlossen werden. Das ist Kampfaufgabe der ganzen Arbeiterklasse.
Der 21. September und der 26. September müssen auch Streik- und Kampftage der ganzen Arbeiterjugend sowie aller rebellischen Jugendlichen werden. Rebellion gegen die Ausbeutungsoffensive von Staat und Monopolen! Die Betriebsgruppen der MLPD und die Jugendverantwortlichen der MLPD-Kreisverbände stehen allen Jugendlichen hier mit Rat und Tat zur Seite.“
Herzlichen Glückwunsch den Jugendlichen, die zum Lehrjahresbeginn 2026 eine Ausbildung beginnen konnten, neue fachliche Fähigkeiten erwerben und vor allem, Arbeiter oder Arbeiterin zu werden und stolz darauf zu sein, zum internationalen Industrieproletariat zu gehören!