Damit die Rolle von Hans Globke geheim blieb

Damit die Rolle von Hans Globke geheim blieb

BND-Agent im Eichmannprozess

Dass Konrad Adenauer (CDU), seit 1949 der erste Kanzler Westdeutschlands, sich nicht scheute, sich auf führende Kräfte des soeben niedergerungenen Hitlerregimes zu stützen, war bekannt. Beispielhaft sein Kanzleramtsminister und engster Berater, Hans Globke.

Von Anna Bartholomé

Der hatte bereits 1935 die juristischen Ausführungsbestimmungen formuliert für die völkisch-rassistische Ermordung von Millionen jüdischer Menschen. Dass Adenauer ein glühender Antikommunist war, bewies er spätestens mit der von seiner Regierung betriebenen Verfolgung bis zum Verbot der Kommunistischen Partei (KPD) im Jahr 1956. Aber wie dreist er log und betrog, wie eng sein Einvernehmen mit dem von Faschisten geführten deutschen Geheimdienst BND war, aber auch mit der israelischen Staatsführung - das wird erst jetzt akribisch nachgewiesen.

 

1961 stand Adolf Eichmann, einer der schlimmsten Massenmörder und Treiber der "Endlösung der Juden", in Jerusalem vor Gericht. Ein Prozess, der live in der ganzen Welt mit hunderten Journalisten anscheinend total transparent zu verfolgen war und bei dem laut Adenauer "die ganze Wahrheit, Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit" bewiesen werden sollte.

 

Aber genau das sollte keinesfalls passieren. Der BND hatte einen jungen Rechtsanwalt, Dieter Wechtenbruch, als Agenten angeworben und als Assistent des Verteidigers von Eichmann in den Prozess eingeschleust. Er sollte dafür sorgen, dass ausschließlich die Verbrechen Eichmanns zur Sprache kamen und keinesfalls die anderer daran beteiligter führender Nazis, auf gar keinen Fall Globkes Namen sollte austauchen. Dazu manipulierte der geschickte Agent, was das Zeug hielt (auch Hannah Arendt übrigens) und berichtete treulich ins BND-Hauptquartier nach Pullach und nach Bonn zum Kanzler. All das ahnten vielleicht wenige, aber es wurde jahrzehntelang rigoros geheim gehalten. Fragen nach Akteneinsicht von Journalisten wurden bis heute vom Bundesverwaltungsgericht abgeblockt.

 

Erst 2011 hat die damalige Kanzlerin Angela Merkel auf Drängen einer demokratischen Öffentlichkeit hin, eine unabhängige Hirstorikerkommission zur Geschichte des BND eingerichtet. Erstmals bekam diese Zugang zu den geheimen Archiven des BND. Ihr Leiter, der Zeithistoriker Klaus-Dieter Henke, hat daraus ein umfassendes Buch gemacht, "Vergangenheitsabwehr". Damit wird unter anderem die skandalöse, geheimdienstliche Manipulation des Eichmann-Prozesses exakt nachgewiesen.

 

Der Geschichtsredakteur der Süddeutschen Zeitung, Willi Winkler, hat daraus am 29./30.8.2026 dankenswerter Weise ein vierseitiges Resumee aufbereitet. Unbedingt lesenswert, weil es auch für heute wichtige Hinweise für die Kumpanei von Faschismus und Antikommunismus enthalt.

 

Wer die Süddeutsche Zeitung nicht zur Hand hat, den Artikel aber lesen will, kann sich an die Rote-Fahne-Redaktion wenden.