Sangerhausen
Bis zu 600 Menschen demonstrieren gegen Elbit
In einer Stadt mit 25.000 Einwohnern ist eine Demonstration mit 600 Menschen durchaus eine Seltenheit. Klar waren viele am Samstag von außerhalb gekommen. Aber eben nicht nur.
Es ist nicht allein Sache der Sangerhäuser, ob in Sachsen-Anhalt ein israelisches Rüstungsmonopol Elbit eine Produktion einrichten kann.
An den Fenstern fanden sich erste Sympathie-Banner und auch am Rande der Demonstration gab es viele Gespräche. Das Konzept, die Demonstration längerfristig vorzubereiten, mit regelmäßigen Infoständen, hat sich voll bewährt. André Röthel, Landtagskandidat der Linkspartei und einer der Organisatoren der Demonstration, zählte immerhin um die 100 Sangerhäuserinnen und Sangerhäuser bei der Kundgebung auf dem Marktplatz.
In der Demonstration gab es viele Palästina-Fahnen, aber auch Banner verschiedener linker und revolutionärer Parteien und Organisationen. Viele freuten sich auch über gewerkschaftliche Friedensinitiativen wie von Verdi und der IG Metall. Die Initiative Keep Elbit Out wird von rund 60 Organisationen getragen, darunter auch die MLPD Sachsen-Anhalt. Gabi Fechtner, die Parteivorsitzen-de der MLPD, hatte eine Videobotschaft an die Demonstration gesendet. Jörg Weidemann, der Landesvorsitzende der MLPD in Elbe-Saale sandte Grüße nach Sangerhausen von der zeitgleichen Kundgebung der MLPD in Magdeburg.
Nächste Woche startet ein Bürgerbegehren gegen die Elbit-Ansiedlung. Wenn 2000 Menschen das Begehren unterschreiben, muss der Stadtrat öffentlich über die Ansiedlung verhandeln. Bisher hält man sich dort bedeckt. Von den immerhin sechs AfD-Stadträten ist keinerlei Widerspruch zur Ansiedlung bekannt. So viel zur selbst ernannten »Friedenspartei«.
Das kleine Sangerhausen rückte so gestern ins Zentrum weltweiter Berichterstattung, sogar in der „Times auf India“ fand sich ein Artikel über die Demonstration. Die Zeitung gehört zu den auflagenstärksten Indiens und hat wahrscheinlich mehr Leser als alle deutschen Zeitungen zusammen.
Inzwischen wurde auch bekannt, dass der US-Konzern Covenant Industies in Leipzig die Produktion von kostengünstigen Marschflugkörpern mit einer Reichweite von 1500 km plant. Covenant ist ebenfalls eng mit dem militärisch-industriellen Komplex in Israel verwoben und besitzt auch Produktionsstätten in Israel.