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Nepal: Sturzflutkatastrophe – mit Ansage

Erschreckende Bilder waren gestern und heute über die Sturzflut in Nepal zu sehen.

Von gabe
Nepal: Sturzflutkatastrophe – mit Ansage
Der Moment, als das Wasser kam, aufgezeichnet von einer Überwachungskamera. Das Gebäude wird von der gigantischen Welle eine Sekunde später weggerissen. Die hier noch auf der Straße zu sehenden Menschen sind tot. (foto: Screenshot)

Mit bis zu zehn Metern Höhe stürzten Eis, Wasser, Geröll, mitgerissene Häuser, Autos und Brücken ins Tal und begruben ganze Dörfer. Der Ort Syapru Besi, Ausgangsort für die Trekkingtouren ins Langtan-Tal, wurde regelrecht überrollt. Die Meldungen über die bisher tot geborgenen Menschen in der kompletten betroffenen Region werden sich noch erhöhen, denn es werden noch bis zu 1500 Menschen vermisst. Die Wassermassen erstreckten sich von Tibet durch das ganze Bhotekoshi-Tal in den Trishuli-Fluss. Noch an der Grenze zu Indien wurden viele Todesopfer geborgen. Blockierte Fernstraßen und anhaltendes Hochwasser erschweren den Zugang zu den betroffenen Bergdörfern jedoch massiv, sodass Rettungshubschrauber teilweise nicht landen können.

Auch wenn der konkrete Zeitpunkt überraschend und ohne Vorwarnung kam, so war so eine Katastrophe leider zu erwarten

„Der Himalaya – der sich über Nepal, Indien, China, Bhutan und Pakistan erstreckt – erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt und gefährdet die Region mit einem erhöhten Risiko für Lawinen, Erdrutsche und Überschwemmungen. Die Vereinten Nationen sagten im Jahr 2023, dass Nepals Berge in etwas mehr als 30 Jahren aufgrund der globalen Erwärmung fast ein Drittel ihres Eises verloren hätten. Eine in diesem Jahr veröffentlichte Bewertung ergab, dass die Gletscher des Hindu Kush Himalaya zwischen 2011 und 2020 um 65 Prozent schneller verschwanden, als im vergangenen Jahrzehnt.“ ¹ Erst im August 2025 gab es ebenso in dem jetzt betroffenen Distrikt Rasuwa eine Sturzflut, als in Tibet ein Gletschersee übergelaufen ist. Eine weitere Sturzflut gab es im Mai 2025 und zwei in 2024, jedoch nicht mit so schweren Folgen.

 

Diese Erwärmung mit der entsprechenden Gletscherschmelze führte, dann mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Gletscherabbruch mit anschließendem Überlaufen eines Gletschersees. So laut Prof. Daniel Shugar, einem Geomorphologen an der Universität von Calgary in Kanada, „zeigte die erste Satellitenanalyse, dass 0,2 Quadratkilometer Eis "etwa 1,2 km vertikal zusammenbrachen". Er sagte jedoch: "Es wurden so wenige davon dokumentiert, dass wir noch nicht in der Lage sind, sehr klare Aussagen über den spezifischen Zusammenhang zwischen Gletscherkollaps und Klimawandel zu machen."

 

Wissenschaftler haben jedoch "sehr hohes Vertrauen in den Zusammenhang zwischen Gletscherrückgang und Klimawandel".¹ Schade, dass er sich trotz klarem Zusammenhang, nur für diese vage Aussage und die völlig verharmlosende Bezeichnung "Klimawandel" für die sich entwickelnde Umweltkatastrophe entscheidet. Denn es ist ja klar, dass auch der Bergpermafrost unter einem sich erwärmenden Klima abnimmt und seine Funktion, dem Eis Stabilität zu geben, zurückgeht und zu Eisabbrüchen führt – mit so verheerenden Folgen wie aktuell in Nepal.

 

„Das zunehmende Risiko von Überschwemmungen, Erdrutschen und anderen Naturkatastrophen verdeutlicht die Notwendigkeit, unsere ökologischen Ungleichgewichte und die Klimakrise ernst zu nehmen. Staat und Gesellschaft müssen langfristige Initiativen zur Katastrophenvorsorge, -reduzierung und sicheren und nachhaltigen Entwicklung ergreifen und den Natur- und Umweltschutz zu einem integralen Bestandteil der Entwicklung machen.“ So Meena Pun, Vorsitzende des Frauenverbandes der NCP/Mashal, gestern in einer Presserklärung. Sie endet damit: „Lasst uns in dieser Stunde der Trauer zusammenstehen. Lasst uns das Leben der Opfer retten, humanitäre Hilfe leisten und Hoffnung schenken.“

 

Diese regionale Umweltkatastrophe ist Ausdruck der sich entwickelnden Umweltkatastrophe. Sie erfordert neben der akuten Hilfe vor allem, unser Bewusstsein zu schärfen, dass solche Katastrophen in diesem kapitalistischen System zur Gesetzmäßigkeit geworden sind – mit katastrophalen Auswirkungen. So z. B. wenn auf die Abschaffung des Verbrennungsmotors aus Profitgründen verzichtet wird, hat dies bereits globale Auswirkungen und kostet heute schon Tausenden Menschen das Leben. Es ist noch umstritten, wieweit ein besseres Frühwarnsystem konkret geholfen hätte. Der umfassende Aufbau von Frühwarnsystemen ist aber auf jeden Fall notwendig, in solchen Regionen und einem vom Imperialismus ausgebeuteten Land wie Nepal als internationale Aufgabe. Der internationale Umweltratschlag, der vom 23. bis 25. Oktober in Stuttgart stattfindet, ist der Ort, wo diese Zusammenhänge und welche Strategie und Taktik die gesellschaftsverändernde Umweltbewegung einnehmen muss, diskutiert werden.

 

Hier geht es zum Buch "Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen" von Stefan Engel, Monika Gärtner-Engel und Gabi Fechtner, in dem diese Entwicklung genau beschrieben wird und Lösungen aufgezeigt werden.