Vor der Metall-Tarifrunde
„Steigen die Löhne in Deutschland stärker als die Preise?“¹
Laut dem Statistischen Bundesamt lagen die Reallöhne im 2. Quartal 2026 um 1,5 Prozent höher als im Vorjahresquartal.² Auch der DGB hat errechnen lassen, dass im 1. Halbjahr 2026 die Löhne aus Tarifverträgen um durchschnittlich 3,1 Prozent stiegen. Da die Preise offiziell im gleichen Zeitraum um 2,6 Prozent stiegen, bleibt ein Plus von 0,7 Prozent für die Beschäftigten.³
Diese Meldungen sind für Monopole und Regierung geradezu eine Steilvorlage, um Lohnforderungen in der im Oktober beginnenden Tarifrunde der IG Metall entgegenzutreten, die die finanzielle Lage der Kolleginnen und Kollegen verbessern. Allerdings täuschen sie sich, wenn sie glauben, die Metallerinnen und Metaller könnten nicht ihre eigene Rechnung aufmachen oder wären verängstigt angesichts der dramatischen Arbeitsplatzvernichtung durch die Konzerne.
Es ist vielmehr ein Merkmal des auf breiter Front gewachsenen gewerkschaftlichen Bewusstseins der Arbeiterinnen und Arbeiter, dass sie ein Stück weit immun gegen die Krisenpropaganda der Herrschenden geworden sind. Das ist das Ergebnis der Verarbeitung ihrer Erfahrungen mit den Angriffen der Konzernvorstände und Monopolverbände in Verbindung mit der Überzeugungsarbeit der MLPD und ihrer Betriebsgruppen, unter der Losung „Lohnverzicht sichert keinen Arbeitsplatz“.
Die Meldung des Statistischen Bundesamtes zeigt nur, dass die Löhne nach Jahren des Lohnverzichts durch kämpferische Tarifrunden seit 2023 wieder etwas stärker gestiegen sind. Dennoch wurde offiziell „2025 erstmals wieder nahezu das Reallohn-Niveau aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 erreicht.“⁴
Und das ist nur die halbe Wahrheit. Denn der offiziellen Inflationsrate zugrunde gelegte Warenkorb trifft auf Arbeiterhaushalte nicht zu. Die besonders stark gestiegenen Energie- und Nahrungspreise oder die Mietkosten sorgen dafür, dass die reale Inflation für diese mindestens doppelt so hoch liegt.⁵ Auch ist noch nicht ausgemacht, wie die Preistreiberei der Monopole in Verbindung mit Wirtschafts- und militärischen Kriegen, Dürren u.a. die Inflation der nächsten Monate anheizt.
Vor allem können die Lohnforderungen und der Kampf um ihre Durchsetzung nicht von der Sichtweise und den Interessen des Monopolkapitals abhängig gemacht werden. Die Metallerinnen und Metaller erwarten deshalb von ihrer Gewerkschaft, dass sie gegen den Generalangriff von Monopolen und Regierung die volle gewerkschaftliche Kampfkraft mobilisiert. Jörg Köhlinger, Chef vom IG‑Metall-Bezirk Mitte, ist zuversichtlich, dass die Beschäftigten den Überbietungswettbewerb von „Unternehmern und Konzernmanagern“ in Forderungen nach unbezahlter Mehrarbeit und Lohnverzicht … nicht tatenlos anschauen. Es geht für unsere Leute um existenzielle Fragen. Ich erwarte eine sehr kämpferische Tarifbewegung, bei der ausdrücklich keine Arbeitskampfmaßnahme ausgeschlossen ist.“⁶ Die Rote Fahne Redaktion freut sich darauf und wird davon berichten.