Automobilindustrie

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Machen wir den 21. September zum Streiktag aller Autobelegschaften!

Der folgende Artikel ist in der gemeinsamen Zeitung von Kollegen für Kollegen aller Opel-Werke und Zulieferer in Deutschland, „Der Blitz“, erschienen. Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert:

Aus der Kollegenzeitung „Der Blitz“

Es brodelt in den Autobetrieben: Am 3. Juli streikten 33.000 Kollegen bei Mercedes mehrere Stunden gegen die 40‑Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und Tarifbruch. Am 8. Juli setzten 5000 VW-Arbeiter ein Zeichen gegen die Vernichtung von 120.000 Arbeitsplätzen und gegen die Schließung von sechs Werken. Unter der Losung „Mitbestimmung durch Streiks“ fanden bundesweit rund 20 selbständige Versammlungen statt, zum Teil in der Arbeitszeit. Opelaner aus Eisenach unterstützten die Kollegen bei VW Zwickau vor Ort. Mercedes- und Porsche-Arbeiter waren beim Protest gegen die Schließung von Audi Neckarsulm mit ihrem Transparent „Ohne Streik wird sich nichts verändern!“ dabei.

 

Das war ein gutes Abschlusstraining. Jetzt steht das Auftaktspiel an: Die IG Metall ruft am 21. September zu bundesweiten Protesten in allen Automobil- und Zuliefererwerken auf, unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke!“ Richtig so! Genau das brachte ein Kollege bei der Streikversammlung im Bochumer Warehouse am 8. Juli auf den Punkt: „Alle zusammen, am gleichen Tag, zur gleichen Uhrzeit!“

 

Die Konzernvorstände und ihre hart angeschlagene Bundesregierung jammern über die Krise und fordern von uns, die Zähne zusammenzubeißen und endlich mal richtig zu arbeiten.


Ausgerechnet die, die sich wie Parasiten an unserer Arbeit mästen! Über die wirklichen Ursachen der Krisen schweigen sie: über den Kapitalismus und seine Gesetzmäßigkeiten. Auf Teufel komm raus produzieren alle Autokonzerne der Welt, als wäre der Markt nur für sie da. Das Ergebnis ist eine Vernichtungsschlacht gegeneinander, in der wir Arbeiter geopfert werden sollen. Tatsächlich sind die europäischen Autokonzerne zurückgefallen, gerade bei der Elektromobilität. Milliardenprofite holen sie trotzdem aus uns heraus: Stellantis meldet wieder 300 Millionen Gewinn im ersten Halbjahr. Auch der „Krisenfall“ VW schüttet Milliarden-Dividenden aus, an Großaktionäre wie das Emirat Katar und die Milliardäre der Porsche-Sippe. Sollen wir Arbeiter vor solchen Ausbeutern kapitulieren und uns immer weiter bücken – oder nehmen wir den Kampf um unsere Zukunft auf?

 

Auch die Regierung begründet den Generalangriff mit den angeblich unbezahlbaren „Sozialleistungen“. Was sie verschweigen: Die Bruttowertschöpfung in Deutschland ist seit 2009 um 1,8 Billionen Euro gestiegen, die Sozialleistungen aber nur um 677 Milliarden Euro. Die Profite – zum Beispiel der Pharmakonzerne – sind regelrecht explodiert, aber wir sollen eine immer schlechtere Gesundheitsversorgung zu immer höheren Kosten hinnehmen? Nein: Hier geht es um eine Umverteilung von unten nach oben für die Kapitalisten. Genau dagegen richtet sich der Aktionstag der DGB-Gewerkschaften am 26. September. Machen wir diese zwei Aktionstage zur Woche von Kampf, Protest und Streik!

 


Als Schuldige stellen Regierung und AfD aber uns „überbezahlte“ Arbeiter und die „gierigen“ Migranten hin. Von dieser Hetze müssen wir uns freimachen. Auch dürfen wir uns nicht beeindrucken lassen von kleinen Zugeständnissen, wie der Astra-Zusage für Rüsselsheim, der Hoffnung auf chinesische Ersatzproduktion für Eisenach oder sogar auf Kriegsproduktion wie bei VW Hannover und Osnabrück. Das sind Reaktionen auf unsere Kampfbereitschaft. Aber was für einen Wert haben solche Aussichten, wenn die Arbeitsplatzvernichtung weitergeht? Dann ist 2030 in Rüsselsheim keiner mehr da, um Autos zu bauen. Und was für einen Wert hat Kriegsproduktion, wenn damit der Weltkrieg nicht nur vorbereitet, sondern auch geführt wird?

 

Hetze und Illusionen sollen uns in die Irre führen und von dem abhalten, was jetzt getan werden muss. Solche Angriffe kann nicht eine Belegschaft alleine abwehren – dagegen muss branchenweit mit Unterstützung der Bevölkerung vorgegangen werden. Oder anders gesagt: Andere Zeiten erfordern andere Maßnahmen! Genau darum geht’s jetzt. Wer beim Auftaktspiel nur halbherzig angreift, der riskiert einen Fehlstart in die Saison. Nur kurze, zahme Proteste im Werk sind nicht das, was heute gefordert ist.

 

Machen wir den 21. September zum branchenweiten Generalstreik aller Autoarbeiter, zu einer machtvollen Kampfansage gegen die Angriffe von Autokonzernen und Bundesregierung!

 

Dafür müssen wir Initiative ergreifen, auf Vertrauensleutetreffen, in Betriebs- und Pausensammlungen. Es war eine bundesweite Streikwelle, angeführt von den Autobelegschaften, die 1993 die Kürzung der Lohnfortzahlung zu Fall brachte. 1997 haben über 130.000 Bergarbeiter die Vernichtung von 80.000 Arbeitsplätzen durch Streiks und Autobahnblockaden verhindert. Damit war Kanzler Kohl politisch erledigt. Diese Erfahrungen zeigen uns den Weg zur Arbeiteroffensive! Unsere konkreten Forderungen aus den Werken gehören mit dazu: Für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz! Für ein allseitiges, vollständiges und gesetzliches Streikrecht! Organisiert euch in der IG Metall, in den BLITZ-Redaktionen, in der MLPD als revolutionärer, sozialistischer Arbeiterpartei!


Es ist jetzt an der Zeit, diesen Weg der Arbeiteroffensive erneut zu gehen: Den 21. September machen wir zum Streiktag! Am 26. September auf zu den DGB-Aktionen in Frankfurt, Essen, Saarbrücken und Erfurt!