Reisebericht aus Kamerun
Eine Fahrt von Schlagloch zu Schlagloch
Die Reiseagentur von People to People bot eine 14-tägige Gruppen-Reise von Ende Juli bis Anfang August nach Kamerun an. Die über die Agentur vermittelten Reisen stellen eine Begegnung mit einem Land, seinen Menschen und ihrer Kultur sowie Geschichte dar. Ein Teilnehmer dieser Reise nach Kamerun berichtet von einem seiner Erlebnisse.
Am zehnten Tag unserer Kamerun-Reise von people-to-people verlassen wir das Touristik Zentrum Tockem in der Region Bafoussam und fahren rund zweihundert km nach Limbé, im Südwesten Kameruns. Das führt uns in den Westen Kameruns, der bis 1971 britische Kolonie war.
Die Gegend in und um Limbé ist mit ihren schwarzen Sand- und Kieselstein-Stränden ein bekanntes und viel besuchtes Ausflugs- und Urlaubsziel. Wir übernachten in einem Hotel direkt am Strand. Wegen der hohen Wellen können wir allerdings nur in einer Art natürlichem Swimmingpool-Pool schwimmen.
Apropos „fahren“. Dass wir auf den Nationalstraßen N5 und N3 für die 200 km fünf Stunden Fahrzeit brauchen, lag nicht etwa am vielen Verkehr. Wir werden ordentlich durch die unzähligen, zum Teil fast radtiefen Schlaglöcher und zahlreichen Querrinnen durchgeschüttelt. Und das in der wirtschaftlich reichsten Region Kameruns! Was unser Fahrer hier leistet, hätte jedem Rallye-Fahrer zur Ehre gereicht. Zur Würdigung seiner Leistung sangen wir ihm gleich mehrere „Trulalas“. Der miserable Zustand der Straßen ist in erster Linie die Folge des regen Verkehrs schwerer Lkws. Sie fahren im Auftrag der in dieser Gegend angelegten riesigen Bananenplantagen und zahlreichen Zementfabriken. Die Bananenplantagen und Zementfabriken sind alle im Besitz ausländischer Konzerne verschiedenster imperialistischer und neuimperialistischer Länder mit zum Teil geringer staatlicher Beteiligung. Ungläubig erfahren wir von Serge von Tourismo Cameroun, dass diese Konzerne keinen (!) CFA-Franc Steuer bezahlen! Dafür kassiert der Staat an mehreren Stellen der Strecke Mautgebühren für die Instandhaltung der Straße!
Serge berichtet von einem Bürgermeister, der es „gewagt“ hatte, die Besteuerung der ausländischen Konzerne zu fordern. Er wurde unter völlig haltlosen Anschuldigungen angeklagt und durch neun Jahre Gefängnis erst Mal aus dem Verkehr gezogen. Eine Berufungsverhandlung rehabilitierte ihn jedoch zu 100 Prozent, wies alle früheren Anklagepunkte als falsch zurück und sprach ihm sogar eine Entschädigung zu. Er wurde wieder zum Bürgermeister gewählt und erneuerte seine Forderung. Dann starb er plötzlich völlig unerwartet. Alles spricht dafür, sagen die Leute vor Ort, dass er im Auftrag der Konzerne ermordet worden ist.
Während die kleinbäuerliche Landwirtschaft mehrheitlich die Bevölkerung mit Grundnahrungsmittel versorgt, produzieren die mit bis zu 70 000 ha großen Plantagen ausschließlich für den Export. Sie beschäftigen Tausende von Landarbeitern, die Teil der Arbeiterklasse sind. Auf der Strecke kommen wir auch an zahlreichen kleineren und mittleren Industrieunternehmen vorbei.
Erschöpft von der langen Fahrt beziehen wir unsere Zimmer im Hotel in Limbé, genießen das reichhaltige Abendessen, tauschen noch unsere Erfahrungen aus, sinken müde ins Bett und sind gespannt, was uns der nächste Tag bringt.