Dritte Verhandlungsrunde Tarifrunde Seehäfen
Das war noch kein echter Durchbruch
Das war noch kein echter Durchbruch, wenn man das Ergebnis der dritten Verhandlungsrunde Seehäfen freundlich bewertet. Die Kollegen hatten letzte Woche gerade in den beiden großen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven vorgelegt und an wesentlichen Terminals 24 Stunden gestreikt und mit ihren Demonstrationen den Verkehr in den Häfen blockiert.
Kollegen sind zu Recht sauer, dass sich im Wesentlichen nichts an der Laufzeit geändert hat. Rechnet man prozentual das „Angebot“ des Zentralverbands Deutscher Seehäfen (ZDS) von 5,1 Prozent bei einer um einen Monat auf 18 Monate reduzierten Laufzeit auf zwölf Monate um, kommt man ungefähr bei 3,4 Prozent raus. Bei dem letzten „Angebot“ waren es 3,3 Prozent. Im Vergleich dazu hatte Ver.di 8,2 Prozent und mindestens 2,50 Euro gefordert. Dass der ZDS nun 1,20 Euro als Mindesterhöhung anbietet, zeigt, dass auch Festgeldforderungen durchsetzbar sind.
Klare Kante statt Samtpfötchen!
Vielen Kollegen stellen sich allerdings die Nackenhaare auf, wenn die Verhandlungsführerin Sylvi Krisch das dann als „Die Arbeitgeber haben sich bewegt…“ schönredet. Die bei den Mitgliederbefragungen und bei den Demonstrationen gezeigte Streikbereitschaft muss jetzt ausgespielt werden.
Einige Kollegen empfehlen auch, wenn nochmal in einer Verhandlung auf Zeit gespielt wird, sofort die Verhandlung zu verlassen. Hier haben die Kollegen verarbeitet, dass Streik die einzige Stimme ist, die die Herren verstehen. Es drückt aber auch, dass die Kollegen sich nicht mehr das Gesetz des Handelns aus der Hand nehmen lassen wollen. Das ist ein gewachsenes Selbstbewusstsein, offensiv für die Forderungen einzutreten – eben Mitbestimmung durch Streik.
Einige Hintergründe der aktuellen Wirtschaftsentwicklung an den Häfen
Wirtschaftlich ist die Entwicklung im Umschlag insgesamt leicht positiv. So haben die bremischen Häfen 5,7 Prozent mehr Container und 2,4 Prozent mehr Autos im ersten Halbjahr 2026 umgeschlagen (Quelle: bremen-ports). Wenn die HHLA (Hamburger Hafen und Logistik AG) in Hamburg an ihrem größten Terminal Umschlagsprobleme hat und ihre Gewinnwarnung herausgegeben hat, dann hat das andere Gründe als überzogene Lohnforderungen. Die Umschlagseinbußen der HHLA haben einmal mit dem Krieg in der Ukraine zu tun, in dem praktisch der Umschlag am Terminal Odessa zum Erliegen gekommen ist. Zum anderen ist die HHLA mit den Problemen konfrontiert, wie wir sie als Krise der Ingenieurswissenschaften im dritten Band der Reihe „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und die Lehre von der Denkweise" "Die Krise der Naturwissenschaften“ beleuchtet haben: „Ganz »pragmatisch-flexibel« überzieht der Großteil der »agilen« Projekte die Zeitpläne und Budgets oder sie scheitern auf andere Weise an den Problemen, zu deren Lösung sie angetreten waren. Nach der positivistischen Methode der Falsifizierung gilt etwas so lange als gültig und richtig, bis es sich in der Wirklichkeit als falsch erwiesen hat. …" (S. 104) Eine Reihe von Schiffsanläufen wurden abgewiesen, weil die Umstellung auf Automation und Digitalisierung gerade am größten Terminal Burchardkai ins Stocken geraten ist.
Hamburgs Hafen im Strudel des Konkurrenzkampfs der weltweit führenden Containerreedereien
Dazu kommt noch, dass sich in Hamburg die Reederei Hapag-Lloyd (immer noch mit 13,9 Prozent der Aktien im Besitz des Hamburger Senats) mit ihrem Allianz-Partner Mærsk neue Umschlagsalternativen mit einer Beteiligung an dem modernsten Terminal in Rotterdam auf der Maasflakte II sichert. Das ist auch Ergebnis der Vernichtungsschlacht um Maximalprofit zwischen der weltweiten Nummer 1 der Containerreedereien, MSC, an die fast die Hälfte der HHLA-Holding Aktien durch den Hamburger Senat verkauft wurde, und der Gemini-Allianz (Mærsk / Hapag-Lloyd).
Darum volle Durchsetzung der beschlossenen Lohnforderungen und Laufzeiten – keine Zugeständnisse und Unterordnung unter die Krisenabwälzung der Reeder und Hafenbetreiber. Statt Standortdenken und Konkurrenzkampf – mit Delegationen zum Streiktag von FNV Havens (Niederlande) nach Rotterdam am 4. September – für die internationale Arbeitereinheit!