Wolfsburg

Wolfsburg

Betriebsversammlung VW Wolfsburg – Proteste der Kollegen, versteckte Drohungen von Oliver Blume

Gestern sprach Oliver Blume auf der Betriebsversammlung bei Volkswagen in Wolfsburg vor 10.000 Kollegen.

Korrespondenz
Betriebsversammlung VW Wolfsburg – Proteste der Kollegen, versteckte Drohungen von Oliver Blume
So sieht Wolfsburg aus, wenn die VW-Belegschaft auf der Straße ist. Bild von 2024 (rf-foto)

Begrüßt wurde er von einem Pfeifkonzert und einem Fahnenmeer der IG Metall. Die IG-Metall-Jugend trat offensiv gemeinsam mit den älteren Kollegen auf, und brachte ganz neue Fahnen mit der Aufschrift „OrgaNice!“ mit. Viele schön gestaltete, selbst gemalte Schilder und Transparente wurden gezeigt. Auf einem war ein Arbeiter zu sehen, der ein Fahrzeug mit einer Walze mit IG-Metall‑Logo fuhr. Er fuhr auf eine auf dem Boden liegende Blume zu, an deren Blüten stand: „Flexibilisierung, Personalabbau, Werksschließungen usw.“


Mit ihren einleitenden Worten sprach die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo vielen Kollegen aus dem Herzen. Sie erteilte dem Standortdenken eine klare Abfuhr und bekräftigte, dass die gesamte Belegschaft einen gemeinsamen Kampf um jedes Werk führt. Sie kritisierte die desaströse Kommunikation des Managements und nannte die schäbige Phrasendrescherei von Oliver Blume.

 

Die Rede Oliver Blumes wurde von der Belegschaft teils mit verschränkten Armen und schweigend aufgenommen. Als Oliver Blume am Beginn behauptete, ihm sei der Austausch mit uns wichtig, gab es allerdings großes Gelächter im Raum. Das anschließende Manager-Gemäcker war kaum zu ertragen. Allen Ernstes stellte sich Oliver Blume als reines Opfer der Umstände dar, bejammerte die hohen Zölle von Mexiko in die USA und behauptete, sie hätten in der Coronazeit gar nicht wissen können, wie viele Automodelle die chinesische Konkurrenz wirklich produziert.


Diese offensichtliche Schutzbehauptung kritisierte auch Daniela Cavallo im Schlusswort, denn jeder weiß, dass Volkswagen in China sehr viele Werke selber betreibt. Herr Blume sieht sich weiter als Opfer der bösen Medien, die Gerüchte streuen und Angst schüren würden. Ja, warum hat denn dann der Vorstand keinen einzigen dieser Artikel dementiert? Auch ginge es laut Blume ja nicht um ein Sparprogramm, sondern um ein Zukunftsprogramm. Die Mehrheit in der Belegschaft glaubt das nicht mehr, denn es geht in allen Automobilkonzernen um einen Generalangriff gegen die Automobilbelegschaften.

 

Werksschließungen seien die allerletzte Lösung, um die Kosten und Überkapazitäten weiter zu senken. Das zweite Gelächter setzte ein, als Herr Blume etwas resigniert sagte: „Wenn Jobs wegfallen, sorgt das natürlich für Aufmerksamkeit.“ Volltreffer, Oliver! So leicht vernichtet man nicht Tausende Arbeitsplätze, und du kannst weiter mit dem erbitterten Widerstand der Belegschaft rechnen!


Sorgenvoll betrachten viele die Aussage, dass es Pläne gebe, chinesische Modelle von Volkswagen nach Europa zu holen, begleitet von dem Satz: „Jedes Werk wird im europäischen Vergleich die gleichen Chancen bekommen.“ Das ist eine regelrechte Drohung, uns in Konkurrenz zu anderen europäischen Standorten zu treiben. Und überhaupt: Was ist mit den Kolleginnen und Kollegen in China? VW hat schon fünf seiner über 30 Werke in China, verkauft, geschlossen oder umgewidmet. Wir lassen uns nicht in Konkurrenz zu unseren chinesischen Kolleginnen oder Kollegen treiben!


Fazit: Wir sollen auf Verzicht eingeschworen werden, und wenn das nicht reicht, dann werden Werke geschlossen. Verzicht hat noch nie Arbeitsplätze gesichert.


Die Versammlung wurde auch genutzt, um mit vielen Kollegen über den gewerkschaftlichen Streiktag am 21. September zu diskutieren. Viele wussten noch gar nichts davon und er wurde sehr stark begrüßt. Auch steht die Frage im Raum, ob die vielen Sonderschichten angesetzt wurden, um schon mal im Falle eines Streiks des Autos vorproduziert zu haben. Denn die Bestellzahlen rechtfertigen derzeit keine solchen Sonderschichten.