VW: Blumes Kampagne
„Alle müssen mitziehen“ – für die Verdreifachung der Profitrate
VW-Chef Oliver Blume versucht sich an einer gezielten Kampagne. Über die Bild und auf den Betriebsversammlungen. In Wolfsburg standen am 25. August mehr als 10 000 Kolleginnen und Kollegen.
Besonders wenn Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo kämpferisch sprach, gab es starken Applaus. Als Blume redete, Pfiffe und Protest. Er blieb vage, nahm nichts zurück vom Generalangriff – weder von den zusätzlichen 50 000 Stellen (insgesamt bis 120 000 im Konzern), die vernichtet werden sollen, noch von den vier bedrohten Werken. Stattdessen streut er Hoffnung und hofft, mit seinen Botschaften mehr Verständnis in der Belegschaft zu wecken.
Bei den Betriebsversammlungen (heute in Wolfsburg und in den nächsten Tagen an weiteren Standorten) versucht er, die zu Recht aufgebrachte Belegschaft zu beruhigen. Die Zahl von rund 50.000 zusätzlichen Stellen, die VW vernichten will, sei keine Zielgröße, sondern lediglich eine „theoretische Rechengröße“. Ohne Veränderung der „Arbeitskosten“ pro Kopf käme man rechnerisch auf diese Größenordnung.
Das klingt unverbindlich – und ist doch durchsichtig. Eine „theoretische Rechengröße“ wird genau dafür benutzt, um den Handlungsdruck und die Notwendigkeit weiterer massiver Einschnitte zu begründen. Man sagt faktisch: „Wir müssen da ran – aber es ist ja nur Theorie.“
Gleichzeitig betont Blume, dass man den Hebel „Arbeitskosten“ ebenfalls ziehen müsse. Er meckert über das „Arbeitskostenniveau“. Das stellt die Wirklichkeit auf den Kopf. Wer schafft die Werte bei VW? Blume? Es sind die Arbeiter in Verbindung mit der Natur. In den letzten zehn Jahren hat der Konzern allein an operativen Gewinnen weit über 150 Milliarden Euro eingesackt. 2024 lag die Mehrwertrate bei etwa 315 Prozent: Für jeden Euro, den ein Arbeiter verdiente, schuf er rund 3,15 Euro zusätzlichen Wert, den sich VW aneignete.
Die Unterscheidung zwischen Arbeitsplatzvernichtung und Lohnsenkung ist auch rein formal. Am Ende geht es um denselben Effekt: eine verschärfte Ausbeutung. Und: Eine Zahl, die man so prominent in den Raum stellt, um den Handlungsdruck zu legitimieren, ist in der Praxis eben doch alles andere als nur „Theorie“.
Die massive Kritik an der „Kommunikationsstrategie“ von Blume und Co. ist manchmal einseitig, wenn sie als Hauptproblem dargestellt wird. Das eigentliche Problem bleiben die Angriffe auf Arbeitsplätze, Löhne und Werke. Gleichzeitig hat diese Kritik aber eine klare Berechtigung: Es ist auch Kritik am Kampf um die Denkweise, wie ihn Blume führt.
Sein neuester Slogan lautet „Alle müssen mitziehen“. Doch VW hat selbst die reformistische Klassenzusammenarbeit längst aufgekündigt. Die Ziele zwischen Arbeiterklasse und VW sind direkt entgegengesetzt: Die Arbeiter sollen sparen (oder es wird gespart – Stellen, Löhne, Werke), während VW die Profitrate massiv steigern will. Blume sagt selbst: Die aktuellen 3,8 Prozent seien „solide“. Gleichzeitig erklärt er, sie reichten „bei Weitem nicht aus“. Ziel ist die fast Verdreifachung auf 8 bis 10 Prozent bis 2030. Analystenhäuser und Ratingagenturen sehen das 8- bis 10-Prozent-Ziel im Zusammenhang mit den hohen Investitionen in Software, Digitalisierung und neue Technologien als nötig an. Aber das ist doch irre! Dass jeder technische Fortschritt im Kapitalismus dazu führt, die Ausbeutung auf die Spitze zu treiben. Die Produktivkräfte wachsen – und zugleich wird der Druck auf die Belegschaften erhöht, damit das Kapital noch mehr Mehrwert aus weniger Beschäftigten herauspressen kann. So läuft das im kapitalistischen Ausbeutersystem – ein starkes Argument für eine sozialistische Perspektive.
Die Belegschaften müssen dem eine klare Antwort entgegensetzen: Kampf gegen die verschärfte Ausbeutung durch Monopole und Staat. Kampf um jeden Arbeitsplatz, gegen Werksschließungen und Stellenabbau – und für eine verstärkte Umstellung auf erneuerbare Energien.