Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

AfD‑Spitzenkandidat Ulrich Siegmund – der smart lächelnde Türsteher am Eingang zur Hölle

Will man das Gesicht der faschistischen AfD mit einer freundlich wirkenden Kosmetik übertünchen, ist Ulrich Siegmund sicher ein geeigneter Kandidat. In seinem letzten Beruf verkaufte er als Unternehmer Raumdüfte in allen Variationen. Er bringt also viel Erfahrung mit, beim Versuch, dem Gestank der braunen Soße der AfD in der Öffentlichkeit etwas die Schärfe zu nehmen.

Von jz

Er gibt sich volksnah. Kaffeekränzchen, Joggen mit Uli, Frühstück mit Handwerkern. Siegmund lächelt unentwegt, geht auf die Leute zu. Sogar auf Reporter und Gegendemonstranten. Für einen AfD‑Funktionär völlig untypisch. Er gibt jedem die Hand, ob derjenige will oder nicht. Knipst Selfies am laufenden Band. Sein Social-Media-Kanal hat 700.000 Follower.


Er arbeitet mit gut einstudierten Standardsprüchen: „Mein Name ist Ulrich Siegmund, was kann ich für Sie tun?“ „Ich will gar nicht viel über Politik reden, Hauptsache, wir sind hier bei Kaffee und Kuchen gemütlich zusammen.“ „Für unsere Kinder. Für unsere Zukunft. Für Deutschland.“ „Wir wollen unser Land zurück – sicher, frei und lebenswert.“ Mit dieser Masche schafft er es, zum Teil aus der Wut der Menschen über die Politik der Bundesregierung eine völkische Gefühlsduselei zu erzeugen. „Wir (Ost-)Deutschen müssen zusammenhalten!“ Dabei geht es gar nicht um Ost gegen West. Schließlich ist auch der Faschist Björn Höcke, seines Zeichens AfD‑Chef von Thüringen, gebürtiger Westdeutscher. Siegmunds Demagogie verbreitet Spaltung unter den Arbeiterinnen und Arbeitern und verwischt, dass es sich, um den Gegensatz zwischen "Oben" und "Unten" – Kapitalisten gegen Arbeiterinnen und Arbeiter – handelt. Aber genau das will Siegmund ja im Auftrag der Monopole, für die auch er Politik macht, verwischen.


Unentwegt appelliert er an das Zusammengehörigkeitsgefühl, zeigt Respekt vor der Leistung deutscher Bürger, die wieder mehr belohnt werden müsste. Selbst ein Cover des Spiegel-Magazins, das ihn als den gefährlichsten Mann Deutschlands abbildet, verwendet er demagogisch als Autogrammkarten. Was sollte an einem so vermeintlich freundlich auftretenden Mann gefährlich sein?


Doch Ulrich Siegmund ist alles andere als ein vermeintlicher Vertreter einer gemäßigten AfD. Zu seinen engsten Vertrauten gehören ehemalige Mitglieder der 2010 verbotenen HDJ (Heimattreue Deutsche Jugend), die auch bei der AfD formal auf einer Unvereinbarkeitsliste stehen. Diese Hardcore-Faschisten treten nicht öffentlich auf. Sie sollen bis zur Wahl hinter dem breiten Lächeln Siegmunds im Hintergrund bleiben. Siegmund hat persönlich an dem Potsdamer Geheimtreffen zur „Remigration“ teilgenommen – der geplanten Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland nach einer faschistischen Machtübernahme. Seinem eigenen Vater hat er bei der AfD einen mit über 7000 Euro dotierten Job verschafft, gleichzeitig prangert er den Filz in den CDU‑Ministerien an.

 

Oft redet er nur vage über die faschistischen Kernforderungen des Regierungsprogrammes der AfD. Es umfasst ja auch fast 300 Seiten. Wer liest das schon? Faschistische Parolen vermittelt er nicht mit martialisch-aggressivem Auftreten – sondern mit einem Lächeln.

 

„Die Migrationspolitik ist außer Kontrolle – das will ich ändern.“ Das ist sein Lieblingsthema. Obwohl Sachsen-Anhalt mit den niedrigsten Anteil an Migranten hat (7,9 Prozent), wird die Migrationspolitik der Bundesregierung für alle Missstände in der sozialen Fürsorge verantwortlich gemacht. Dabei setzt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die faschistische Migrationspolitik der AfD in den meisten Punkten schon eins zu eins um. Als Innenminister einer möglichen AfD‑Landesregierung würde er keinesfalls auffallen. Aber ist dadurch irgendetwas für die Menschen besser geworden? Das Ausbeutersystem Kapitalismus als eigentliche Ursache der Missstände existiert für beide nicht. Die AfD will eine staatliche Bürgerwehr einführen – die mörderischen ICE‑Truppen der USA lassen grüßen. Die Kriminalstatistiken sprechen zwar eine andere Sprache – aber Tech-Faschisten, wie der AfD‑Unterstützer Elon Musk, bombardieren die Menschen jeden Tag mit ausführlichen Liveberichterstattungen von stattgefundenen oder auch erfundenen Verbrechen – natürlich ausschließlich von Migranten. Das Erstaufnehmezentrum für Flüchtlinge in Stendal soll zu einem Abschiebegefängnis umgebaut werden.


Auch wenn die AfD in Sachsen-Anhalt zurzeit von der Unzufriedenheit und Wut über die Politik der Regierung am meisten profitiert, ist die große Mehrheit gegen eine Machtübernahme durch die AfD. Um diese Kräfte zu stärken, müssen auch die fadenscheinigen Wahlkampfmethoden eines Ulrich Siegmund mehr ins Visier genommen werden!