Außerordentliche Belegschaftsversammlung in Wolfsburg
10 000 empfangen VW-Chef Blume mit einem Pfeifkonzert
Heute startete die Serie von neun außerordentlichen Betriebsversammlungen an allen Standorten des VW-Konzerns. In Wolfsburg versammelten sich rund 10 000 Kolleginnen und Kollegen, voller Spannung, was sie erwartet, aber auch voller Wut.
Sie wollen Klarheit, über die konkreten Pläne des Vorstands zur Vernichtung von 120 000 Arbeitsplätzen und Werksschließungen, wie ihre Zukunft aussieht und vieles mehr.
Was sie von den Plänen halten, machten sie gleich zu Beginn der Versammlung klar. Blume wurde von den rund 10 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüßt. Vertrauensleute bildeten vor der Bühne eine lange Schlange und hielten Plakate hoch wie „Unsere Jobs sind nicht Eure Bilanzkorrektur!“ und andere, alle mit der Ansage: Wir lehnen die Pläne des Vorstands ab!
Zunächst sprach Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von VW. Sie griff die Pläne des Vorstandes scharf an, besonders die geplanten Werksschließungen in Hannover, Emden Zwickau und bei Audi in Neckarsulm. Immer wenn sie vom Widerstand gegen den Angriff des Vorstandes sprach, bekam sie viel Beifall.
Als Oliver Blume sprach, musste erst mal die Belegschaft wieder beruhigt werden. Mit einer Wortklauberei versuchte er dann die Arbeitsplatzvernichtung zu rechtfertigen. Die Zahlen seien keine „Zielgröße“, sondern lediglich eine „theoretische Rechengröße“. „Will der uns verar… ? Zuerst rechnet der Vorstand, wie er seinen Profit erhöhen kann, und dann wird aus der Rechnung die Zielgröße. Uns interessiert, was mit unseren Arbeitsplätzen wird“, regt sich eine Kollegin auf.
Blume kündigte an, für die nächsten sechs bis 12 Monate an, für jeden Standort „belastbare Perspektiven“ zu schaffen. Mit der Aussage, dass sich für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Audi in Neckarsulm „keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre darstellen“ lässt, bestätigte er aber die Stilllegungspläne.
Blume stellt die Lage des VW-Konzerns bewusst in ein schlechtes Licht, um die Belegschaften einzuschüchtern und weich zu klopfen. „Die Lage ist mehr als kritisch… Auf die nächsten Wochen kommt es an.“1 Nach dem Motto, wenn die Belegschaft die Pläne des Vorstands nicht schluckt, gehen morgen bei VW die Lichter aus! VW ist nach wie vor hinter Toyota der zweitgrößte Autokonzern der Welt. Hat rund 130 Mrd. Euro Rücklagen. Das alles soll mit dem Begriff „Sparprogramm“ verschleiert werden. Worum des dem Vorstand geht, macht Blume deutlich: „Die nächsten Jahre sind entscheidend, wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt.“2 Weltweite Überkapazitäten, ein Wirtschaftskrieg mit Zollschranken, staatliche Subventionen usw. sind die Hintergründe für eine weltweite Vernichtungsschlacht im Kampf um die Weltmarktführerschaft.
Dieser Konkurrenzkampf wird weltweit auf dem Rücken der Automobilarbeiter ausgetragen. Würden sich die Arbeiter in den verschiedenen Konzernen den Plänen ihrer Vorstände unterordnen, was wäre die Folge? Wachsende Arbeitslosigkeit, besonders auch der Jugend und eine Spirale der Lohn- und Arbeitsbedingungen nach unten! Die internationale Automobilarbeiterkoordination schlägt einen anderen, erfolgversprechenden Weg ein: die internationale Kooperation und Koordination der internationalen Automobilarbeiter. Die MLPD und ihre Betriebsgruppen unterstützen diesen Weg!
In diesem Geist gilt es jetzt auch den Aktionstag der IG Metall am 21.9. in der Auto- und Zulieferindustrie vorzubereiten. Eine Stunde Frühschluss, für eine Stunde eine a.o. Belegschaftsversammlung wird weder den VW Vorstand, noch die der anderen Autokonzerne groß beeindrucken. Deshalb muss am 21.9. der Hammer rausgeholt und der Aktionstag zu einem Streiktag werden!