Extreme Hitze
"Das Mittelmeer unserer Großväter, unserer Alten und der Griechen der Antike ist für immer verloren"
"Tiere im Hitzestress“, titeln einige Zeitungen. Mauersegler, Schwalben, auch Haussperlinge nisten bevorzugt unter Dächern und in Fassadenspalten. Bei extremer Hitze herrschen dort fünfzig bis sechzig Grad. Jungtiere dieser spätbrütenden Arten springen panisch und teils flugunfähig aus den Nestern, was tödlich enden kann und ihre Zahl dezimiert. Fluginsekten wachsen zwar schneller, bleiben aber kleiner. Die Futterquelle schrumpft so für viele Vögel, was wiederum ihre Zahl schrumpfen lässt. Doch es geht um viel mehr.
Nachhaltige und unabsehbare Störung biologischer Prozesse
Biologische Prozesse haben sich über Jahrmillionen herausgebildet. Die globale Klimakatastrophe beschleunigt in Wechselwirkung mit anderen Faktoren der globalen Umweltkatastrophe, wie Versauerung der Meere, Vermüllung und Vergiftung sowie Zerstörung der Lebensräume, das Artensterben. Nach einer Studie würden bei einer Erwärmung um zwei Grad 18 Prozent der Insekten, 16 Prozent der Pflanzen und 8 Prozent der Wirbeltiere ihren Lebensraum verlieren. Bei 3,2 Grad wären es schon 49 Prozent der Insekten, 44 Prozent der Pflanzen und 26 Prozent der Wirbeltiere.
Zusätzlich verändert die Klimaänderung die Blühzeit von Pflanzen, was sich wiederum auf den Lebenszyklus von Insekten auswirkt. Zugvögel finden dann nach Ankunft in ihren Brutgebieten weniger Insekten und Raupen als üblich, was ihre Population drastisch dezimiert. Gedränge von Tieren an Restgewässern bei Dürre beschleunigt die Ausbreitung tödlicher Viren und Parasiten. Tiere ziehen angesichts der Hitzerekorde in die höheren Lagen der Berge, bis der Platz ausgeht und die Populationen schrumpfen.
Hotspot – Im Mittelmeerbecken staut sich die Wärme
Über 33 Grad erwärmte sich dieses Jahr das Mittelmeer vor Mallorca und vor der französischen Küste. Wissenschaftler schätzen, dass sich das Mittelmeer bis 2100 im Schnitt um zwei bis sechs Grad erwärmt. Nicht nur heftige Wirbelstürme fördert das warme Wasser, die ganze bisherige Artenzusammensetzung kippt und ist damit für immer verloren. „Das Mittelmeer unserer Großväter, unserer Alten und der Griechen der Antike ist für immer verloren. Viele Veränderungen lassen sich nicht mehr rückgängig machen“, so der Meeresbiologe Ernesto Azzuro vom italienischen Nationalen Forschungsrat.¹
Mit dem Ballastwasser einlaufender Schiffe wurden bereits 1.000 invasive Arten ins Mittelmeer eingeschleppt, von denen sich etwa 800 seit Beginn der 2000er-Jahre unter den für sie idealen Wasserbedingungen dauerhaft etablieren konnten. Gefräßige Räuber wie der gefleckte Kugelfisch, fressen die bisherigen Fische, der Rotfeuerfisch verdrängt die Rotbarbe und der Hasenfisch weidet die Algen vom Meeresboden ab, der Lebensraum vieler bisher heimischer Arten ist. Die Artenvielfalt schrumpft dramatisch. 93 Prozent der Weichtiere sind bereits in den flachen Küstengewässern des östlichen Mittelmeeres verschwunden. Entlang der Adria, einst reich an Miesmuscheln, unterlagen fast alle Bestände einem spektakulären Massensterben.
Auch weltweit wächst die Dramatik in den Weltmeeren.
Die ganze Dimension der sich erwärmenden und versauernden Weltmeere gefährdet das lebensnotwendige Plankton als Lunge der Erde, Fundament der Nahrungskette und „biologische Kohlenstoffpumpe“. Düster prognostiziert der Weltklimarat das Schicksal der Korallenriffe. „Fast alle Warmwasserkorallenriffe werden laut Projektionen erhebliche Flächenverluste erleiden und lokal absterben, selbst wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt wird.“ Bei 2,8 Grad Erwärmung würden die Korallen weitgehend aussterben.
Von 2016 bis Ende 2025 litten alle Riffe weltweit an einem beispiellosen Hitzestress, bei dem die Symbiontenalgen abgestoßen werden. Sechs Massenbleichen, Stürme und invasive Seesterne setzten dem Great Barrier Reef zu. Über die Bedeutung der Korallenriffe schreibt Stefan Engel im Buch „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit zwischen Mensch und Natur?": "Korallenriffe … gehören zu den biodiversitätsreichsten Ökosystemen der Erde. Ihr Ende hätte das Verschwinden des größten Artenschatzes der Meere zur Folge, wodurch zahlreiche Nahrungsnetze zerreißen würden – der Einfluss auf das Leben von Millionen Menschen wäre enorm. Die Korallenriffe bieten außerdem einen natürlichen Schutz gegen Sturmfluten. … Oft gehen mit den Ökosystemen und ihrem Artenreichtum auch stabilisierende Faktoren für das Erdklima verloren, was die Klimakrise weiter beschleunigt.“²
Bundesregierung berät Maßnahmen
Angesichts der anhaltenden Hitzewellen wird in der Bundesregierung über ein umfassenderes Hitzeschutzprogramm beraten. Die SPD-geführten Bundesministerien haben dazu einen Aktionsplan vorgelegt, der bei einer Kabinettsklausur weiter beraten werden soll. Vorgesehen sind unter anderem ein nationaler Hitzeaktionsplan, Änderungen im Bauplanungsrecht und eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will dafür sogar das Grundgesetz ändern: Klimaanpassung und Naturschutz sollen zur Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen werden. Damit könnte der Bund dauerhaft Maßnahmen finanzieren, für die bisher hauptsächlich Länder und Kommunen zuständig sind. Dass die Monopolpolitiker der Regierung erst jetzt, wo die Auswirkungen sich nicht mehr wegleugnen lassen, beraten, ist ein handfester Skandal. Es mussten erst Menschen sterben, bevor längst bekannte wissenschaftliche Tatsachen beraten wurden!
Kurzfristig sollen bestehende Förderprogramme in einem Sofortprogramm gegen Hitze gebündelt werden. Altenheime und Krankenhäuser sollen dabei unterstützt werden, Gebäude vor Überhitzung zu schützen oder Räume technisch zu kühlen. Gefördert werden sollen außerdem Fassadenanpassungen und energetische Sanierungen. Für Beschäftigte ist ein besserer Hitzeschutz am Arbeitsplatz vorgesehen, zunächst vor allem durch Beratung der Arbeitgeber. Gleichzeitig sollen Städte langfristig widerstandsfähiger gegen Extremhitze werden – etwa durch mehr Schatten und Grünflächen, begrünte Dächer, Entsiegelung sowie die Renaturierung von Flüssen und Mooren. Das ist zu begrüßen, aber viele dieser Maßnahmen haben Stefan Engel, Gabi Fechtner und Monika Gärtner in „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" schon im Jahr 2024 im Rahmen des dort publizierten Sofortprogramms veröffentlicht.
Artensterben und Zerstörung von Ökosystemen
Die Biodiversität, die Fülle der Natur, ist die Basis unserer Nahrung und sorgt für Sauerstoff zum Atmen wie für Naturschönheit zum Erholen. Ihr Sinken weltweit durch Artensterben, genetische Verarmung der Arten, Verlust und Zusammenbruch ganzer Ökosysteme kennzeichnet den hauptsächlichen Prozess der Zerstörung der Grundlagen menschlichen Lebens. Mutwillig zerstören die internationalen Monopole für ihre Profite die Umwelt und stürzen die Menschheit immer tiefer in die globale Umweltkatastrophe. Der Kampf zum Erhalt der Biodiversität und Lebensräume muss engsten mit dem Kampf um die Zukunft der Menschheit, dem echten Sozialismus, verknüpft werden. Erst dort kann die Menschheit in Einheit mit der Natur produzieren und leben.