Pro und Kontra KI in der Kultur

Pro und Kontra KI in der Kultur

Wie entwickelt sich unser Gehirn und wie entwickeln sich damit unsere Fähigkeiten?

Ich würde mich gerne zu der KI‑in-der-Kultur-Debatte äußern.

Von Korrespondenz aus Stuttgart

Als Erstes würde ich gerne den Pro Autor auf einen Fehler in seiner Argumentation hinweisen. Er schreibt: "Natürlich gibt es auch Probleme. KI kann Fehler machen, Vorurteile übernehmen oder bestehende Werke nachahmen." KI macht nichts anderes, als Bestehendes nachzuahmen. Alles andere würde der KI eine eigene Kreativität zuschreiben. Eine KI wird trainiert mit bestehender Kultur und daraus berechnet sie die Texte. Sie kann keine eigenen Texte entwickeln.


Aber ich würde gerne noch einen weiteren Aspekt in die Pro-und-Kontra-Frage einbringen: Wie entwickelt sich unser Gehirn und wie entwickeln sich damit unsere Fähigkeiten?


Unser Gehirn entwickelt sich am besten bei der Überwindung von Problemen. Das pure Ablesen von Fakten hat noch lange keine so gute Wirkung. In der Kultur geht es wie bei allem anderen auch, um Übung. Im Fall des Pro-Autors: Übung darin, Formulierungen zu finden, sprachgewanter zu werden, seinen eigenen Stil zu entwickeln, sich sprachlich weiterzuentwickeln, insgesamt sein kulturelles Handwerk zu verbessern und mit seiner Musik besser zu werden und zu wachsen. Durch die Verwendung von KI, so wie er es beschreibt, nimmt er sich selber die Möglichkeit, seine Fähigkeiten zu verbessern. Dadurch verkümmern diese Fähigkeiten auf Dauer zwangsläufig, denn der Autor fordert sie nicht, sondern überlässt es der KI.

 

Ich finde in diesem Zusammenhang auch die Korrespondenz aus Gelsenkirchen vom 20. August schwierig. Ja, durch die KI wird Kunst zugänglicher, aber es besteht die große Gefahr, dass die Qualität dieser Kultur nicht höher wird, sondern eher verflacht.


Aus seinem Beispiel: Die Fotografie ist eine eigene Kunstform. Sie hat bestimmte gleiche Prinzipien wie die Malerei, aber sie hat so viele eigene Bereiche, die nichts mit den anderen Gewerken zu tun haben und die man lernen und trainieren muss, dass es nur bedingt vergleichbar ist. Eine KI aber trainiert nicht, sondern kopiert nur. Die Verwendung von KI mit der Fotografie zu vergleichen, hinkt. Durch die Fotografie ist eine neue Kulturform entstanden. Die KI kopiert nur bestehende Kulturformen. Die Frage ist: Wie verwende ich diese Kopie in meiner eigenen Kultur?

 

Das bringt mich zu der Frage: Was ist wichtiger in der Kultur? Quantität oder Qualität. Ein Pro-Leserbrief schreibt: "Dazu beiliegendes Beispiel: In gut einer Stunde nach drei unterschiedlichen Entwürfen produziert." Aber ist das das Ziel in der Kultur oder Kunst? Möglichst viel in möglichst wenig Zeit zu entwerfen? Ich glaube nicht. Gute Kunst zeichnet sich dadurch aus, dass sie qualitativ hochwertig ist, dass der Schaffende sich intensiv damit befasst hat. Komponisten wie Mozart und Beethoven oder Dichter wie Schiller und Goethe zeichneten sich nicht dadurch aus, möglichst viel zu veröffentlichen, sondern dadurch, dass es qualitativ hochwertig war, was sie veröffentlicht haben. Und um beim Thema Bild zu bleiben: Picasso hat teilweise Jahre an Bildern gearbeitet.


Und, um bei der Fotografie zu bleiben, hat die Bedeutung der Fotografie in den letzten Jahrzehnten massiv abgenommen, weil es eine unbeschreibliche Flut an Fotos gibt, weil Bilder heute nur noch ein paar wenige Sekunden angeschaut werden oder so massiv bearbeitet sind, dass es nichts mehr mit Fotografie zu tun hat. Das zeigt, dass die Gefahr einer Verflachung der Qualität gegeben ist.

 

Abschließend möchte ich mich mit einem klaren "Jein" positionieren. Als Fotograf nutze ich KI für Arbeiten, die durch KI schneller gehen, z. B. Bildmasken erstellen usw. für Tätigkeiten, die keine Kreativität erfordern. Der kreative Prozess bleibt aber komplett bei mir. Bildaufbau, Lichtsetzung, Motiv, technische Komponenten usw. – alles liegt in meiner Hand.


Für mich ist klar: KI kann ein sehr starkes Werkzeug sein, aber es besteht eine große Gefahr darin, dass durch KI kreative Fähigkeiten der Künstler verkümmern und dadurch ein wichtiger Teil verloren geht. Denn es zählt nicht alleine das Ergebnis, sondern auch der Weg, wie dieses Ergebnis entstanden ist. Wie heißt es so schön: "Übung macht den Meister". So weit mal.
Gruß