Werkstudenten
Wie bei Ford Köln die Jugend ausgebeutet wird
Früher kamen Werkstudentinnen und -studenten eher in den Semesterferien, um ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Oder auch, um Projekte entsprechend ihrer Studiengänge im Industriebetrieb entlang der Praxis umsetzen zu können. Im europaweiten Ersatzteillager von Ford in Köln gibt es keinen Werkurlaub. Entsprechend wurden Werkstudenten hier verstärkt eingesetzt, damit möglichst viele Stammkollegen Urlaub in der Ferienzeit machen können.
Die Jugendlichen machen hier oft ihre ersten Erfahrungen mit der herausfordernden Schichtarbeit und lernen Achtung vor körperlicher Arbeit. Viele Studenten sind auch Kinder von Kolleginnen und Kollegen, wodurch das Familieneinkommen aufgebessert wird und das Studium erst möglich wird.
Was sich logisch und scheinbar "familienfreundlich" anhört, ist jedoch eine wichtige Stellschraube für Ford geworden, um die Ausbeutung zu verschärfen: Die Anzahl der Werkstudentinnen und -studenten wurde gesteigert – auf mittlerweile über Hundert im Verhältnis zu ca. 400 Stammkolleginnen und -kollegen im Lager. Die Drei-Monats-Verträge laufen teils lückenlos immer wieder neu an; sie ersetzen also Vollzeitarbeitskräfte.
Damit werden Arbeitsplätze eingespart, was mit Ausgleich zu Ferienzeiten rein gar nichts zu tun hat. Die jungen Leute werden mehr angetrieben. Ford weiß ja, dass sie das Arbeitstempo bis zur Rente weder durchhalten können noch müssen. "Frische Arbeitskräfte" winken. Viele trauen sich weniger, mal eine Pause einzulegen oder bei Krankheit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung abzugeben.
Läuft ein Vertrag nach drei Monaten aus und die Arbeitsleistung ist nicht im Sinne von Ford (Krankheit oder zu wenig Stückzahl), wird der-/diejenige einfach nicht nochmal eingestellt. Viele sind auf den Job angewiesen. Es ist wichtig, sie für die Organisierung in der IG Metall zu gewinnen. Und ihnen den Rücken zu stärken, als Stammkollegen, als Vertrauensleute mit ihnen für ihre Rechte einzutreten und sie gegen Duckmäusertum zu erziehen. So hart die Ausbeutung ist – es ist Kampf und Einheit der Gegensätze und zugleich eine gute Schule für die studierende Jugend im Klassenkampf.