Seehäfen
Warnstreik hat den ZDS am wunden Punkt getroffen
Am 17. August um 22 Uhr hat Ver.di die Kolleginnen und Kollegen an den Seehäfen Hamburg, Bremen / Bremerhaven, Wilhelmshaven, Emden und Brake zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen.
Zur Erinnerung: Die Forderung von Ver.di lautet auf eine Lohnerhöhung von 8,2 Prozent, mindestens aber 2,50 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. In der zweiten Verhandlungsrunde meinte der Zentralverband der deutschen Seehäfen (ZDS), auftrumpfen zu können, und legte bei einer Laufzeit von 19 Monaten ein aus seiner Sicht finales Angebot vor: 5,1 Prozent mehr Lohn, eine Erhöhung der A-Zulage ab Januar 2027 und eine Erhöhung des Urlaubsgelds um 300 Euro.
Über drei Viertel der befragten Kollegen haben dieses Angebot abgelehnt und in der Mitgliederbefragung für Streik gestimmt. Das waren keine leeren Worte. Sowohl in Hamburg als auch in Bremerhaven und Bremen wurde der Umschlagsbetrieb mindestens empfindlich gestört. In Hamburg und Bremerhaven lief an den Terminals der HHLA (Altenwerder, Burchardkai, Tollerort), bei Eurogate (CT Hamburg, CT Bremerhaven, BLG) und NTB (North Sea Terminal Bremerhaven – APMT & Eurogate) gar nichts mehr. Die Brücken waren oben und damit war klar: Hier wird kein Schiff mehr abgefertigt.
Von wegen finales Angebot
Schon nach eineinhalb Streikschichten teilte die Tarifkommission in Hamburg noch auf der Streikversammlung am Burchardkai mit, der ZDS habe nun ein neues Angebot, das er vorlegen wolle. Kein Wunder. In einer dpa-Meldung wird ZDS-Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger zitiert. Er bedauere, dass das Angebot von Ver.di abgelehnt worden sei. Im Vergleich zu anderen Branchen handle es sich um ein gutes Angebot „am oberen Ende“, sagte er. Die Warnstreiks nannte Keisinger „unverhältnismäßig“.
Ein Sprecher des Hafenumschlagsunternehmens J. Müller Weser, das in Brake und Bremen tätig ist, wo es auch ein Notdienstabkommen mit Ver.di gibt, erklärte: „Gleichwohl trifft uns der Streik massiv. Schiffsabfertigungen sind zum Erliegen gekommen.“ Der Weitertransport von Gütern sei dadurch erschwert, dass Bahnstrecken ausgelastet seien. Derzeit führe der Rhein wenig Wasser, wodurch Logistiker Binnenschiffe nur eingeschränkt nutzen könnten und Transporte auf die Schiene verlagert würden. (Niedersachsennews)
Hier wird die Bedeutung der Hafenarbeiter und des Seegüterumschlags deutlich – und welche Wirkung es hat, wenn sich die Hafenarbeiter einig sind und kämpfen. Aber es zeigt auch die Zwickmühle, in die sich die Monopole durch die beschleunigt fortschreitende globale Umweltkatastrophe hineinmanövrieren.
Es gibt aber noch etwas zu klären: Ist das Angebot der Hafenkapitalisten akzeptabel, wenn nur die Laufzeit nicht wäre?
Die Pressemitteilung Nr. 283 vom 12. August des Statistischen Bundesamts soll uns beruhigen, indem dort für Juli 2026 offiziell von einer Steigerung des Verbraucherpreisindex um 2,8 Prozent gesprochen wird. Dann wäre mit 5,1 Prozent ja alles im Lot – oder nicht?
Schauen wir genauer hin. 2020 lag der Index bei 100, aktuell liegt er bei 125,6. Das ist eine Steigerung um 25,6 Prozent. Keinen wird es überraschen: Schauen wir auf den Index für Haushaltsenergie und Kraftstoffe, der 2020 ebenfalls bei 100 lag, steht dieser heute bei 154,6. Wenn wir auf die Tankstellenpreise schauen, ist die Richtung wohl klar.
In der letzten Tarifrunde gab es 3,1 Prozent, und jetzt sollen sich die Kollegen mit 5,1 Prozent zufriedengeben? Selbst auf zwölf Monate wäre das angesichts dieser Inflation ein Witz. Volle Durchsetzung der beschlossenen Forderung – das ist mehr als angemessen! Hafenarbeiter zahlen nicht für die Krise der Monopole!
Wichtige internationale Solidarität
Die Gewerkschaft USB aus Italien, eine der Gewerkschaften, die den Aktionstag am 6. Februar unter dem Motto „Hafenarbeiter arbeiten nicht für den Krieg!“ organisiert hatten, schickte eine Solidaritätserklärung. Darin vertritt sie den Standpunkt, dass der Kampf gegen Kriegsvorbereitungen und Militarisierung sowie gegen Lohnabbau eine Einheit bilden. (Mehr dazu hier.)
Inflation, Angriffe auf erkämpfte soziale Rechte sowie das Abwälzen von Rüstungskosten und Krisenlasten auf die Arbeiterklasse sind keine Besonderheit Italiens. Auch in Deutschland wird immer deutlicher, dass die Massen und die Arbeiterklasse die Zeche zahlen sollen.
Diese internationalen Kampftage sind genau richtig und das Gebot der Stunde. Sie richten sich gegen Standortdenken und fördern die internationale Arbeitereinheit. Deshalb ist es richtig, am 4. September solidarisch mit den Kollegen von FNV Haven in Rotterdam und den anderen Häfen in den Niederlanden zu streiken. Sie protestieren gegen die immer unverschämteren Forderungen ihrer Regierung, wie etwa die Angleichung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung usw.
So kann der Gedanke wachsen: „Hafenarbeiter der Welt, wir alle haben einen Gegner, und vereint sind wir stark!" Der Internationale Hafenarbeitererfahrungsaustausch wird weiter darüber berichten und zur internationalen Solidarität beitragen. Schaut auf www.dockers-international.org!
"Ich bin nicht links, ich bin nicht rechts, ich bin geradeaus!"...
… sagte ein Kollege in einem Gespräch mit einem Genossen auf der Warnstreikdemo. Für den Kollegen war klar, dass er mit Faschisten nichts gemein hat. Geradeaus heißt als klassenkämpferischer Arbeiter aber, einen klaren Klassenstandpunkt einzunehmen – und der ist links! Wenn man sieht, was schon ein kurzer Streik bewirkt und wie die ganze Hochheiligkeit der Unternehmerschaft aus dem Ruder gerät, könnte man auch weiterdenken: Was wäre, wenn die Arbeiterklasse die ganze Rechnung aufmacht?
Nun jährte sich das KPD-Verbot zum 70. Mal. Gerade deshalb und weil die Zeiten auf Sturm stehen, muss man mit dem Antikommunismus fertigwerden. In der MLPD wurden die Schlussfolgerungen aus den Kämpfen der Arbeiter und Revolutionäre für einen Sozialismus auf Grundlage der proletarischen Denkweise gezogen. Stärkt die Betriebsgruppen der MLPD!
Kämpfe der Hafenarbeiter gegen PortPackage werden zum Beispiel im Buch „Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution“ ausgewertet, genauso wie die unvergänglichen Erfolge des sozialistischen Aufbaus.
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