Gesundheit
Krebstherapie unter der Fuchtel der Pharmaindustrie
2008 erhielt die Chemikerin Dr. Friesen bei ihrer Forschung an Leukämiezellen in Ulm ein erstaunliches Ergebnis: Die Krebszellen starben bei der Zugabe von D,L-Methadon in kürzester Zeit. Seither erforschte sie diese Wirkung sowohl in Tierversuchen mit Mäusen als auch bei freiwilligen Krebspatienten.
Besonders wirksam war die Gabe von Methadon in Zusammenhang mit der Chemotherapie.
Methadon
Methadon ist ein vollsynthetisches Opioid, aber ohne Morphin. Seit 40 Jahren wird es in der Schmerztherapie genutzt und in der Drogenersatztherapie eingesetzt. Krebszellen besitzen Opioid-Rezeptoren und das D,L-Methadon kann dadurch in die Krebszellen gelangen und die Pumpkanäle, durch die Krebszellen das Gift der Chemotherapie (Zytostatika) wieder aus der Zelle pumpen, blockieren. Gesunde Zellen haben zu wenige Opioid-Rezeptoren, als dass Methadon sie angreifen könnte.
Öffentlich wurde Frau Dr. Friesens Forschung durch einen Film der ARD 2017. Zwei PatientInnen berichteten konkret: einer mit einem bösartigen Hirntumor (Glioblastom) und eine Frau mit Brustkrebs. Beide waren zum damaligen Zeitpunkt nach Chemotherapie, begleitet mit Methadongaben, tumorfrei. Und damit begann eine heftige Diskussion. PatientInnen bestürmten die Uni Ulm und ihre eigenen Ärzte nach Methadongaben. Aus Medizinerkreisen dagegen gab es neben großem Interesse auch heftige Angriffe auf die Chemikerin und einen Shitstorm gegen Frau Dr. Friesen.
Man könne aus ein paar Tierversuchen und einzelnen Patientenbehandlungen keine Schlüsse ziehen, die Nebenwirkungen seien sehr gefährlich und unbeachtet. Man bräuchte eine evidente Studie und dürfe nicht mit emotionalen Berichten den PatientInnen falsche Hoffnungen machen. 2018 gewann Frau Dr. Friesen einen Prozess gegen berufsschädigende Behauptungen eines Mediziners. Das Gericht sah in den spezifischen Vorwürfen des Kritikers eine gezielte Herabwürdigung, die Dr. Friesens wissenschaftlichen Ruf am Universitätsklinikum Ulm und die Fortführung ihrer Forschung massiv gefährdete.
Nun zur Studie: Genau so eine wollten die Universität Ulm und auch Hamburg und andere durchführen. Sie kämpften um Fördergelder, um die Wirksamkeit von Methadon als Begleitmedikation zur Chemotherapie nachzuweisen. Doch die Pharmaindustrie zeigte kein Interesse. Eine Wissenschaft im Dienste des Volkes im echten Sozialismus würde die im Labor und an einzelnen Patienten positive Wirkung von Methadon als Begleitmedikament zur Chemotherapie, zum Anlass nehmen, hier intensiv weiter zu forschen und dafür Kraft und Geld bereitstellen. Weil die Gesundheit der Massen und nicht der Profit im Mittelpunkt steht.
Im Kapitalismus werden diese Ergebnisse stattdessen entwertet, als „nur im Labor und nur an Mäusen“. Frau Dr. Friesens wissenschaftliche Reputation wird infrage gestellt. Es wird eine kleinbürgerlich-skeptizistische und kleinbürgerlich-negativistische Denkweise geschürt. Der eigentliche Grund dahinter ist: Mit Methadon kann man keinen Profit mehr machen, da es nicht mehr dem Patentrecht unterliegt und pro Dosis nur wenige Cent wert ist.
Die Kosten für Chemotherapie dagegen gehen in die Tausende bis Zehntausende pro Patient pro Monat. In die Erforschung weiterer Krebsmedikamente, die mehr Profit versprechen, wird Geld hineingepumpt. Nicht die Gesundheit der Patienten steht im Vordergrund, sondern wie viel Geld die Pharmaindustrie damit verdienen kann. Laut Film der ARD 2017 zeigte auch die Bundesregierung kein Interesse an einer Förderung: Sie würden genug für die Forschung gegen Krebs tun.
Laut MDR hatten über 50.000 PatientInnen und ihre Angehörigen eine Petition von Frau Dr. Friesen an den Bundestag zur Erforschung der Wirksamkeit von Methadon in der Krebstherapie unterschrieben.
Daraufhin erklärte sich die Deutsche Krebshilfe nach Verhandlungen bereit, die Studie an der Uni Ulm zu finanzieren, die 2023 anlief. Die Studie ist noch nicht beendet. Wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse.
Der Film von Plusminus vom 12. Juli 2017 ist unter diesem Link zu finden
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