Deutsche Seehäfen

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Kollegen sind kampfbereit, streiken und wollen deutliche Lohnverbesserungen

Nach zwei Tarifverhandlungen für die Kollegen der Seehäfen wird deutlich: Ohne Kampf werden die Forderungen von 8,2 Prozent, mindestens jedoch 2,50 Euro, nicht durchsetzbar sein. Deshalb machten die Docker heute Morgen Nägel mit Köpfen: Im Hamburger Hafen hat in der Nacht zum Dienstag ein 24-stündiger Warnstreik begonnen.

Von Jürgen Bader, hafenpolitischer Sprecher der MLPD Küste
Kollegen sind kampfbereit, streiken und wollen deutliche Lohnverbesserungen
Die Hafenarbeiter sind nicht nur kampfbereit, sie zeigen auch deutlich internationalistisches Bewusstsein. (Screenshot NDR-Bericht)

Anlass sind die laufenden Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft ver.di und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). ver.di hatte das jüngste Angebot der Arbeitgeber abgelehnt. In Hamburg sind laut ver.di alle vier großen Containerterminals von dem Warnstreik betroffen. Auch in Bremerhaven, Bremen, Wilhelmshaven, Emden und Brake sind die Kollegen im Warnstreik. Die demonstrierenden Hafenarbeiter tragen unter anderem ein Banner auf dem in englisch steht: "Internationale Solidarität | Seefahrer und Hafenarbeiter | stark - zusammen - global"

 

Das sogenannte finale Angebot des Zentralverbands der Seehäfen (ZDS) von 5,2 Prozent bei einer Laufzeit von 19 Monaten hat bei einer Mitgliederbefragung von ver.di eine deutliche Absage erhalten. Bei einer Beteiligung von über 50 Prozent aller Beschäftigten an den Seehäfen haben drei Viertel von ihnen diese Provokation abgelehnt.

 

Heute  Morgen kamen nach Angaben von ver.di mehr als 2.000 Hafenbeschäftigte in Hamburg zu einer Demo zusammen. Mit Transparenten und Warnwesten zogen sie durch das Hafengebiet und riefen unter anderem „Hafen bleibt streikbereit“. Am Containerterminal Burchardkai fand anschließend eine Kundgebung statt. Der Warnstreik soll heute Abend enden. Die Auswirkungen diese angekündigten Warnstreiks waren im Hamburger Hafen bereits am Montagabend zu spüren. Viele Frachtschiffe liefen den Hafen gar nicht erst an, um dort nicht für 24 Stunden festzuliegen. Lediglich die beiden großen Containerschiffe „Cosco Denmark“ und „Houston Express“ fuhren am Abend noch ein. Betroffen vom Warnstreik sind die Terminals der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) sowie von Eurogate.

 

Insbesondere bringt die Kollegen auf, dass die Laufzeit viel zu lang ist. Jeder kann sich ausrechnen, dass die Folgen von Mietsteigerungen sowie steigenden Benzin- und Lebensmittelpreisen unkalkulierbar sind. Die beschlossene Forderung von ver.di ist ohnehin schon moderat. Auf wachsenden Unmut stößt auch, dass der ZDS mit seinem provokanten „Angebot“ die Spaltung zwischen Vollcontainerbetrieben (A-Betrieben) und den anderen B-Betrieben (gemischter Umschlag) sowie C-Betrieben (in Beschäftigungssicherung) weiter vertieft. Den A-Betrieben soll das „Angebot“ mit einem Zuschlag schmackhaft gemacht werden.


Es ist ein Zeichen gewachsener innergewerkschaftlicher Demokratie in ver.di, dass die Mitglieder bewusst einbezogen und auch über die Methode der „Tarifbotschafter“ befragt wurden. Damit wurde eine lebendige Debatte über den Weg der Lohnrunde in den Belegschaften entfaltet. Dabei muss auch weiterhin die Einheit zwischen den verschiedenen Seehäfen und Hafeneinzelbetrieben gefördert werden.


Wenn am 4. September die Hafenarbeitergewerkschaft FNV Havens in den Niederlanden die Hafenarbeiter dazu aufruft, gegen die Demontage sozialer Errungenschaften durch die Regierung einen Tag zu streiken (siehe rf-news), wäre das auch ein guter Tag für einen Streik an den deutschen Seehäfen. Der Konkurrenz der großen Seehäfen an der Nordseeküste muss die internationale Arbeitereinheit entgegengestellt werden. Das Programm der deutschen Bundesregierung zur Demontage sozialer Errungenschaften gleicht zudem in weiten Teilen dem Programm der niederländischen Regierung.

 

Hafenarbeiter und ihre Organisationen haben im Mittelmeerraum in Kampfeinheit mit Seeleuten am Aktionstag am 6. Februar 2026 unter dem Motto „Hafenarbeiter arbeiten nicht für den Krieg“ ihre Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht. Hier wurde der Kampf gegen die verschiedenen Krisenprogramme der Regierungen, gegen Lohndrückerei und die Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse mit politischen Forderungen gegen die Militarisierung der Häfen und insbesondere mit der Solidarität gegen den Gazakrieg verbunden.

 

Objektiv brauchen wir das auch in Deutschland. Das wird an der zunehmenden Militarisierung der Häfen deutlich, wie etwa mit „Red Storm Charlie“ Ende September. Allerdings sind die Hürden hoch, denn in Deutschland gibt es kein vollständiges, allseitiges und gesetzliches Streikrecht. Mitbestimmung durch Streik – das ist nicht nur in den Automobilbetrieben seit dem 8. Juli aktuell.

 

Ohne die Arbeit der Hafenarbeiter könnten die Monopole des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals keine Maximalprofite machen, denn rund 90 Prozent ihrer Produkte gehen über die Kaikante. Durch Automatisierung und die weitere Containerisierung von immer mehr Produkten – Stückgut, Flüssiggut und anderes – hat sich die Umschlagsleistung kontinuierlich erhöht.

 

Die relativ hohen Löhne der oberen Lohngruppen, gerade in den Vollcontainerbetrieben, sollen die Kollegen ruhig halten, sie davon abhalten, das Ausbeutersystem prinzipiell anzugreifen, und den reibungslosen Transport gewährleisten. Das deutliche Umfrageergebnis ist auch ein Fingerzeig darauf, dass sich die Kollegen tiefergehende Fragen stellen.

 

Das Flugblatt zur Stärkung der Betriebsgruppe der MLPD wurde an verschiedenen Terminals sehr begrüßt. Die Betriebsgruppe der MLPD war natürlich auch bei den Demos dabei und unterstützt den Kampf um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen! Zeit, den richtigen Schritt zu machen: Mitglied in der MLPD zu werden und damit auch den Weg der Gewerkschaften zu Kampforganisationen zu fördern.