Bauern in Not
Hitzewelle und Dürre sind aber nicht der Auslöser
Wut, Enttäuschung und auch Resignation bestimmen das Wechselbad der Gefühle auf vielen Höfen. Wenn sich die Preise nach Angebot und Nachfrage richten würden, wie die bürgerlichen Ökonomen und Verfechter der sogenannten „freien Marktwirtschaft“ behaupten, müssten jetzt die Erzeugerpreise für die Bauern steigen.
Die freie Marktwirtschaft ist unter dem Diktat des allein herrschenden Finanzkapitals ein Hirngespinst. Die Ernteeinbrüche durch Trockenheit und Dürre und damit geringe Mengen an Agrarprodukten führen nicht etwa zu höherem Einkommen der Bauern. Die meisten Erzeugerpreise liegen sogar weit unterhalb der Produktionskosten. Einzige Ausnahme ist der Rapspreis, der sich in der Regel an den Erdölpreisen bzw. Spritpreisen orientiert. Das meiste Rapsöl wird zu Biodiesel verarbeitet.
Die dramatische Situation und qualitative Veränderung für die Bauern liegen darin, dass die Erzeugerpreise auf niedrigstem Niveau liegen, während gleichzeitig sich die Energie- und Düngemittelkosten auf hohem Niveau bewegen. Milchpreise von 34 bis 40 Cent je Liter -obwohl die Vollkosten inklusive Entlohnung für den Bauern bei rund 54 Cent liegen. 18,- Euro für die Dezitonne Weizen, obwohl mindestens 22,- Euro nötig wären. Schlachtschweinepreise von 1,60 bis 1,70 Euro je kg Schlachtgewicht, obwohl 2,20 Euro nötig wären! Das können nur die großen Agrar-, Handels- und Lebensmittelmonopole abfangen. Über Monopolpreise sichern sie ihre Maximalprofite.
Die Düngemittelpreise sowie die Dieselpreise sind in den letzten zwei Jahren um rund 50 Prozent angestiegen. Ein großer Traktor verbraucht z.B. bei hoher Leistung wie Pflügen oder auch schnellem Fahren auf der Straße leicht 25 Liter Diesel pro Stunde! Die Folge dieser Situation ist, dass sich der Anbau von einer Hauptfrucht wie Winterweizen nicht mehr „rechnet“. Kam man 2024 noch auf einen positiven Saldo von 600 bis 750,- Euro je Hektar (Erlös beim Verkauf des Weizens minus direkte Produktionskosten wie Saatgut, Düngung, Pflanzenschutz, Maschineneinsatz). So lag dieser Saldo 2025 bei 350 bis 400,- Euro. 2026 kommt der Ertragseinbruch durch die Dürre dazu was bis zu 100,- Euro weniger im Durchschnitt ausmachen kann.
Dazu kommt: statistisch hat jeder landwirtschaftliche Betrieb in Deutschland 60 Prozent seiner Flächen gepachtet mit einer durchschnittlichen Pacht von 400 bis 430,- Euro je Hektar. Bei 60 Prozent Pachtfläche macht das einen Abschlag von rund 260 Euro aus. Das heißt, dass zur Zeit beim Anbau von Winterweizen das Verhältnis von Aufwand zum Ertrag mit Null auf Null aufgeht. Bei Abzug der allgemeinen Betriebskosten also ein Minus. Normalerweise müssten vor allem die Klein- und Mittelbauern einen Anbau im kommenden Jahr rundweg ablehnen, denn sie müssen von vorneherein mit Minus kalkulieren!!
Der Deutsche Bauernverband (DBV) und Agrarminister Alois Rainer von der Merz/Klingbeil-Regierung tun so, als läge die Ursache für die Not der Bauern beim Wetter. Wobei sie das als „Wetterextrem“ verharmlosen und das Wort „Klimakatastrophe“ nicht in den Mund nehmen. Rainer, von vielen Bauern als „Minister Tutnix“ verspottet, will jetzt handeln. Er will aus einem EU-Förderprogramm 60 Millionen Euro abgreifen. Finanzminister Klingbeil hat schon abgewunken aus dem Bundeshalt noch 180 Millionen draufzulegen. Rainer versucht jetzt einen Roßtäuschertrick und will Gelder aus dem Programm der EU von 2027/28 abgreifen. Die werden dann aber fehlen. Die weitgehende Kürzung, bzw. Streichung von Subventionen für Naturschutz und Landschaftspflege, usw. steht schon im Raum. Unter dem Schlagwort „Bürokratieabbau“. Und wieder mal klatscht die Führung des Deutschen Bauernverbands, wenn eine CDU/CSU-geführte Regierung die Klein- und Mittelbauern über den Tisch zieht.
Wie sie es drehen und wenden, sie finden keine Lösung. Sie speisen die Bauern mit leeren Versprechungen und Phrasen wie „Planungssicherheit“ ab. Ein Hohn: Seit 2024 wird die Einführung von Fördergeldern für Weidehalterinnen und Weidehalter versprochen. Allerdings hatte bereits der Bundesrat in einer Entschließung vom 11. Juli 2025 den Bund aufgefordert, auf die Ökoregelungen zu verzichten. Weil die Bauern sich ausreichend bedient hätten? Jetzt wurde das Vorhaben einer Weideprämie endgültig begraben.
„Ich weiß zwar keine Lösung, aber ich will mich nicht einfach dem Schicksal ergeben“, sagte uns kürzlich ein Milchbauer aus dem Emsland. „Alles, was wir bisher an Widerstand probiert hatten, half letztlich nichts.“ Was aber noch nicht geprobt wurde, hätte die höchste Durchschlagskraft: ein gemeinsamer Kampf der Masse der Bauern an der Seite der Arbeiter. Das unterstützt die Agrarplattform im Internationalistischen Bündnis.
Um die Probleme, vor denen die Bauern stehen, darf man da aber nicht stehen bleiben. Alle diese Probleme sind auf die Ausbeutung der Landwirte durch die großen Lebensmittelmonopole, die Handelsketten, Großagrarier und auch Düngelmittelproduzenten zurück zu führen, und die wiederum sind nichts anderes als der Ausdruck einer Profitlogik, die um die Ausbeutung von Mensch und Natur gar nicht mehr herum kommt. Der Kapitalismus kann gar nicht anders - und deswegen brauchen auch die Bauern ein neues Gesellschaftssystem, dass diese Ausbeutung abschafft und die Einheit von Mensch und Natur in den Vordergrund stellt. Wenn man sich nicht mehr für das eine oder das andere sind, lässt sich auch der Widerspruch von Land und Stadt lösen und die Produktion kann vernünftig, aufbauend auf den Fähigkeiten und dem Wissen der Bauern, weiterentwickelt werden, denn im Sozialismus dient auch sie der Befriedigung des gesellschaftlichen Bedarfs. Dann wird nicht mehr nur dafür geschuftet, dass Aldi und Co reicher werden.