ver.di
Eine wichtige Tarifrunde im Einzelhandel spitzt sich zu
Die Beschäftigten im Einzelhandel kämpfen zu Recht um mehr Lohn. In der Branche arbeiten rund drei Millionen Menschen.
ver.di hat in dieser Tarifrunde klare Forderungen gestellt: sieben Prozent mehr Lohn, ein rentenfestes Mindeststundenentgelt von 14,90 Euro, höhere Ausbildungsvergütungen und eine Laufzeit von zwölf Monaten.
Sind die Forderungen „überzogen“?
Die Beschäftigten im Einzelhandel halten den Laden am Laufen. Sie sorgen dafür, dass die Regale gefüllt sind, dass die Menschen ihre Lebensmittel bekommen. Gleichzeitig verdienen viele von ihnen so wenig, dass sie trotz Vollzeit oder nahezu Vollzeit kaum über die Runden kommen. Teilzeitquoten von über 50 Prozent und ein hoher Anteil an Minijobs sind kein Zufall, sondern System. Die Arbeit wird immer mehr industrialisiert: standardisierte Abläufe, digitale Kontrolle, Leistungsvorgaben, Self-Checkouts und immer engere Taktungen. Es ist keine „nette Bedienung“ im Tante-Emma-Laden mehr, sondern oft körperlich und psychisch belastende Prozessarbeit unter Effizienzdruck.
Die Profite der Konzerne explodieren
Während die Beschäftigten um jeden Cent kämpfen müssen, fahren die großen Handelskonzerne hohe Gewinne ein. Die Edeka-Gruppe, die Rewe-Gruppe, die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) sowie Aldi halten zusammen rund 85 Prozent des Lebensmittelmarktes.
Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Schwarz-Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2025/26 weltweit 185,6 Milliarden Euro Umsatz – Gewinnzahlen veröffentlicht sie bewusst nicht. Die Rewe Group machte 2025 trotz Investitionen noch ein operatives Ergebnis (EBITA) von über 1,5 Milliarden Euro und einen Jahresüberschuss von rund 525 Millionen Euro. Bei der Edeka-Zentrale lag der Konzern-Jahresüberschuss bei 370 Millionen Euro.
Diese Konzerne maximieren ihre Profite, expandieren und investieren Milliarden – und wollen den Beschäftigten trotzdem Reallohnverluste zumuten. Wer solche Ergebnisse einfährt und gleichzeitig behauptet, sieben Prozent seien nicht finanzierbar, der lügt. Die Kapitalistenangebote mit langen Nullrunden und mageren Prozenten bei zweijähriger Laufzeit sind eine Kampfansage an die Belegschaften.
Die großen Handelskonzerne treten in den Verhandlungen auf, als müssten sie ums Überleben kämpfen. Dabei diktieren sie den Markt, drücken Preise bei Lieferanten und Landwirten, zocken die Verbraucher ab und maximieren ihre Profite. Ihre Blockadehaltung in mehreren Tarifgebieten – Absagen von Verhandlungsterminen, minimale Angebote – zeigt das.
Streiks und Ausblick
Die Verhandlungen ziehen sich seit April hin. In mehreren wichtigen Tarifgebieten (u. a. Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland und Berlin-Brandenburg) haben die Kapitalisten bereits vereinbarte Verhandlungstermine einseitig abgesagt.
Seit Mai 2026 hat ver.di bereits mehrfach bundesweit zu Warnstreiks aufgerufen. Am 15. Mai beteiligten sich über 5.000 Beschäftigte an den ersten zentralen Aktionen. In den folgenden Wochen und Monaten legten immer wieder Tausende die Arbeit nieder – unter anderem bei Kaufland, Ikea und zahlreichen weiteren Handelsbetrieben.
ver.di-Vorständin Silke Zimmer hat Mitte August klar angekündigt: Wenn sich die Unternehmen in den nächsten Wochen nicht bewegen, werden die Streikmaßnahmen intensiviert. Geplant sind dann mehrtägige Streiks, gezielt gegen Unternehmen, die die Verhandlungen offen blockieren.
26. September – ein wichtiger Kampftag
Diese Tarifrunde hat von vornherein politische Momente. Eine Regierung, die den gesetzlichen Mindestlohn nur schleppend anhebt und die Konzentration im Handel forciert, trägt Mitverantwortung für die Lage der Beschäftigten. Wenn Millionen Menschen in einer der größten Branchen des Landes von ihrer Arbeit kaum leben können, während wenige Konzerne Rekordgewinne einfahren, dann ist das kein Betriebsunfall. Es ist auch das Ergebnis der herrschenden Politik, die Dienstleister der internationalen Monopole ist. Und auch der Staat beutet die Beschäftigten immer mehr aus.
Die Streiks und Warnstreiks, die ver.di organisiert und ankündigt, erfordern breite Solidarität! Am 26. September sollen die Handelsstreiks mit den großen gewerkschaftlichen Protesten und den Aktionen der Arbeiter-, Frauen- und Jugendbewegung zusammengeführt werden. Kampf gegen die Ausbeutungsoffensive von Monopolen und Regierung!