34 Jahre Rostock-Lichtenhagen

34 Jahre Rostock-Lichtenhagen

Die Gefahr solcher Pogrome besteht weiter

Vor 34 Jahren begann am 22. August 1992 das rassistische Pogrom von Rostock-Lichtenhagen.

Von ffz / fu
Die Gefahr solcher Pogrome besteht weiter
Das "Sonnenblumenhaus", das damals vom faschistischen Mob attackiert wurde. Nie wieder Rostock-Lichtenhagen! (rf-foto)

Es war eine vorbereitete Aktion: Hatten die bürgerlichen Politiker mit einer unsäglichen Asyldebatte die Bühne bereitet, wurde diese Bühne jetzt von den Faschisten betreten. Ein von dem späteren NPD-Landtagsabgeordneten Michael Andrejewski verfasstes und von einer Initiative "Rostock bleibt deutsch" (auch "Mecklenburg bleibt unser") in einer Auflage von 100 000 herausgegebenes Flugblatt wurde in Lichtenhagen und Umgebung verteilt. DVU-Mitglieder riefen über eine "Bürgerinitiative Lichtenhagen" zu einer öffentlichen Kundgebung vor der Zentrale Aufnahmestelle (ZAst) auf und forderten, „das Asylantenproblem selbst in die Hand zu nehmen“. Ihr Ziel war die Räumung der ZAst, inspiriert von dem Erfolg der Faschisten im September des Vorjahres im sächsischen Hoyerswerda, dem inoffiziellen Auftakt zu einer Serie faschistischer Gewalt neuer Qualität.

 

Die beiden regionalen Zeitungen, NNN und OZ, hatten teils kommentarlos entsprechende Statements von Faschisten abgedruckt. Trotz der offen angekündigten Krawalle fuhr der größte Teil des politisch und polizeilich leitenden Personals (fast ausschließlich westdeutsche Beamten aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen) am Freitag zu ihren Familien nach Westdeutschland.

 

Samstagabend waren bis zu  2 000 Menschen vor der ZAst. Betonplatten wurden zertrümmert und deren Splitter auf das Gebäude geworfen, die Fenster bis in die sechste Etage zerschmettert. Der erste Molotow-Cocktail landete auf einen Balkon in der zweiten Etage. Bis zum 26. August griffen Faschisten, die aus dem ganzen Norden herangeführt worden waren und sich als Rostocker Bevölkerung darstellten, die ZAst für Asylbewerber und, am 24. August, das Wohnheim vietnamesischer Vertragsarbeiter im sogenannten Sonnenblumenhaus an und setzten es mehrfach in Brand. Im Innern waren bis zu 150 Menschen eingeschlossen und in akuter Lebensgefahr waren. Draußen zog sich die Polizei zeitweise völlig zurück. Das politische, behördliche und polizeiliche Versagen ist bis heute ein zentraler Bestandteil der Geschichte dieses Pogroms.

 

Rostock-Lichtenhagen war kein isoliertes Ereignis. Hoyerswerda, Mölln, Solingen, die Magdeburger Himmelfahrtskrawalle und unzählige Überfälle auf Migranten, Linke, Punks und andere Menschen stehen für eine ganze Epoche faschistischer und rassistischer Gewalt. Sie ging als die „Baseballschlägerjahre“ in die Geschichte ein. Allein im September 1992 wurden 151 Schusswaffen-, Brand- und Sprengstoffanschläge auf Unterkünfte von Asylbewerbern registriert. Zwischen 1990 und 1992 wurden mehr als 1100 rechtsextreme Brandanschläge erfasst.

 

Die Lehre aus den "Baseballschlägerjahren" kann nur heißen: keinen Fußbreit den Faschisten! Verhindern wir gemeinsam, dass die AfD politische Macht über staatliche Institutionen und Sicherheitsbehörden erhält! Sorgen wir dafür, dass sich Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln oder Solingen niemals wiederholen – weder in Deutschland noch irgendwo sonst.