Antifaschismus
Die AfD und ihre Haltung zum Kolonialismus
Als Reaktion auf den Bericht der People-to-People-Reisegruppe aus Kamerun vom 2. August schrieb ein Leser: „Liebe Redaktion, interessant und sehr aufschlussreich der heutige Reisebericht zu Kamerun. Vielen Dank an die Reisegruppe! Hier ein Auszug (aus dem Wahlprogramm der AfD von 2025) in Bezug auf die AfD-Positionen zu Deutschem Reich, Bismarck, Kolonialismus – eine Glorifizierung der Verbrechen des deutschen Kolonialismus und Verhöhnung der Opfer.“
Im Wahlprogramm der AfD steht: „Die offizielle Erinnerungskultur darf sich nicht nur auf die Tiefpunkte unserer Geschichte konzentrieren, sie muss auch die Höhepunkte im Blick haben.“ Nach Ansicht der AfD gehört das deutsche Kaiserreich zu solch einem Höhepunkt. Sie „setzt sich gegen die Schmähung des Deutschen Kaiserreichs ein, das unzutreffend als ‚rückständiger Unrechtsstaat‘ diffamiert wird.“ Damit stellt sich die AfD unter anderem hinter das Verbot der damals noch revolutionären SPD durch Bismarck von 1878 bis 1890. Denn schließlich ist der Antikommunismus Herzstück des Faschismus – also auch der AfD.
Die AfD rechtfertigt damit auch die Verbrechen der deutschen Kolonialpolitik.
Auf der Berliner Konferenz 1884 / 1885 (als "Kongokonferenz" bekannt) versammelten sich in Berlin zwölf europäische Staaten, das Osmanische Reich und die USA, um Afrika untereinander aufzuteilen. Das Deutsche Reich unter Kanzler Otto von Bismarck erhielt auf diese Weise das heutige Namibia und Kamerun. Angeblich ging es dem Deutschen Reich als „Schutzmacht“ darum, einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen der afrikanischen Bevölkerung leisten zu wollen – durch Beendigung der Sklaverei und der Willkürherrschaft, den Aufbau eines Gesundheitssystems und die Einrichtung von Schulen. In Wirklichkeit diente dieses Narrativ dazu, die brutale Herrschaft und die wahren Ziele zu verschleiern. Bismarck, den Siedlern und deutschen Kapitalisten ging es nur um die Unterwerfung der Stämme zur Ausbeutung der wirtschaftlichen und humanen Ressourcen. Das brachte der Senior des Hamburger Unternehmens Woermann, Adolph Woermann, so auf den Punkt: In Afrika seien „zwei Schätze auszubeuten, die Fruchtbarkeit des Bodens und die Arbeitskraft vieler Millionen Neger".¹
Tausende Afrikanerinnen und Afrikaner wurden zur Zwangsarbeit gezwungen. „Einige von uns fingen, sobald die Sonne aufging, mit Aufschüttungen an. Andere stellten da, wo es nötig war, die Abtragung der Erde für die Bahndämme sicher. Diese Arbeiten wurden in Ketten ausgeführt und unter Peitschenhieben, damit niemand sich ausruhte.“ So der Bericht eines Zwangsarbeiters beim Bau einer Eisenbahnlinie.
Ein „Höhepunkt“ dieser Politik war der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts an den Stämmen der Herero und Nama durch deutsche „Schutztruppen“. Sie wurden in Konzentrationslager gepfercht, erschossen und in die Wüste getrieben, was den sicheren Tod bedeutete. Insgesamt wurden im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, bis zu 100 000 Menschen ermordet. Nicht nur bewaffnete Freiheitskämpfer, auch Kinder, Frauen, Ältere. Auf diese Weise wurden 75 Prozent der Herero und 50 Prozent der Nama auf brutalste Weise abgeschlachtet.
Mit welcher Brutalität deutsche Truppen dabei vorgegangen sind, belegen Aussagen des für die Niederschlagung des Aufstands der Herero verantwortlichen Kommandeurs, Lothar von Trotha: „Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss, oder, wenn dies durch taktische Schläge nicht möglich war, operativ und durch weitere Detailbehandlung aus dem Lande gewiesen wird. … Ich habe gestern, vor meinem Abmarsch, die in den letzten Tagen ergriffenen Orlog-Leute [aufständische Herero], kriegsgerichtlich verurteilt, aufhängen lassen, und habe alle zugelaufenen Weiber und Kinder wieder in das Sandfeld … zurückgejagt.“²
Die AfD geht sogar so weit, die notwendige, prinzipielle Kritik an der brutalen kolonialen Politik des Kaisers und deutscher Kapitalisten, abzulehnen, weil eine „Debatte um eine angeblich notwendige ‚Dekolonisierung‘ … das Selbstverständnis unserer kulturellen Identität insgesamt infrage(stellt).“ In einer Klassengesellschaft gibt es keine gemeinsame „kulturelle Identität“. Für den deutschen Imperialismus und die AfD besteht die Identität in der Ausbeutung wirtschaftlicher und humaner Ressourcen, mal mit „friedlichen“, mal mit gewaltsamen Methoden.
Diese Stellung zum Deutschen Reich und zum Kolonialismus offenbaren die ganze reaktionäre, faschistische Gesinnung der AfD. Für die Arbeiterklasse und ihre Verbündeten dagegen gibt es nur eine Identität mit dem Befreiungskampf und dem gemeinsamen Kampf gegen Kolonialismus, Neokolonialismus und Imperialismus.