Mehrere Anläufe vereiltelt

Mehrere Anläufe vereiltelt

Der Kampf um ein würdiges Andenken für einen beeindruckenden Kommunisten

Mehrere Anläufe nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, ihn in Siegen posthum zu ehren, wurden von einer reaktionären antikommunistischen Mehrheit im Stadtrat vereitelt, darunter war so mancher Alt-Nazi.

Von Dr. Günther Bittel

Mit dem KPD-Verbot 1956 endeten vorerst alle Bemühungen um eine Würdigung Krämers. Ab 1975 gab es wieder vereinzelte Initiativen, die aber wiederum alle scheiterten. Mit der Benennung von Straßen nach alten Nazis und ihren Hintermännern hatten die Siegener Stadtoberen dagegen weniger Probleme.1998 schließlich beschloss der Stadtrat, Krämer mit einer Tafel an seinem Geburtshaus – abseits der Innenstadt in einem Wohngebiet – zu ehren. 2007 scheiterte ein Bürgerantrag zur „Änderung von historisch-belasteten und zweifelhaften Straßenbezeichnungen“, damit auch die Umbenennung der Adolf-Stöcker-Straße in Walter-Krämer-Straße.

 

Zum 70. Todestag veranstalteten die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die Siegener NS-Gedenkstätte „Aktives Museum Südwestfalen“ eine Walter-Krämer-Gedächtniswoche und der regionale VVN-BdA zusammen mit der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora ein Symposium zu Krämer. 2012 endlich beschloss der Rat der Stadt Siegen mehrheitlich, den Platz vor dem Haupteingang des Kreisklinikums im Stadtteil Weidenau als Walter-Krämer-Platz zu benennen.

 

Im November 2014 wurde am Siegener Kreisklinikum der Walter-Krämer-Platz fertiggestellt. Bei der offiziellen Einweihung im Dezember 2014 sprach Landrat Andreas Müller (SPD) von einem „würdevollen Ereignis und einem bedeutsamen Tag für Siegen“, bis zu dem es „ein langer Weg“ gewesen sei, da Krämer zu den „unerwünschten NS-Opfern“ gehört habe.

 

Bei einer Umfrage zum „größten“ Siegen-Wittgensteiner anlässlich des 200-jährigen Jubiläums „200 Jahre Kreise Siegen und Wittgenstein“ setzte sich Krämer mit 44 % der Stimmen gegen Fritz Busch (33,7 %) und Johann Heinrich Jung-Stilling (6,8 %) klar durch.

 

Im Buch von Bruno Apitz und seiner Verfilmung „Nackt unter Wölfen“ wird Krämer gewürdigt, indem der Leiter des illegalen Widerstands im KZ Buchenwald seinen Namen bekam. Dies war in der DDR Pflichtlektüre in der Schule.

 

In Hannover gibt es für ihn seit 2012 einen Stolperstein, eine Gedenktafel für Walter Krämer gibt es auch am Ort in Goslar, wo er ermordet wurde in der Walter-Krämer-Straße im Stadtteil Fliegehorst.