Würdigung für Walter Krämer
Antifaschistische Erinnerungskultur verlangt das Fertigwerden mit dem Antikommunismus!
Anlässlich meiner Behandlung im Kreisklinikum Siegen stieß ich mehr durch Zufall auf den Walter Krämer-Platz vor dem Haupteingang des Klinikums.
Eine Informationstafel oder ein Straßenschild sucht man dort vergeblich. Eine Stele mit der Aufschrift „Walter Krämer; Schlosser, Politiker, Arzt von Buchenwald, 1892 in Siegen geboren, 1941 in Goslar erschossen“ weckte meine Aufmerksamkeit. Im Boden eingemeißelt ist ein Zitat des französisch-jüdischen Philosophen Emmanuel Levinas: „Die Sorge für den anderen siegt über die Sorge um sich selbst.“ Ich begann zu recherchieren.
Wer war Walter Krämer?
Walter Krämer war Funktionär der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er lernte Schlosser, wegen seiner Teilnahme am Kieler Matrosenaufstand kam er kurz ins Gefängnis, wurde denn in der Revolution in den Arbeiter- und Soldatenrat Siegen gewählt. Er war 1932/33 Abgeordneter des Preußischen Landtags, Er war Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft. Bei einem faschistischen Angriff auf die KPD-Fraktion wurde er im Mai 1932 schwer verletzt. Er wurde am 28.2.1933 verhaftet, nach Haftende von der Gestapo sofort ins KZ Buchenwald gebracht. Er hat als „Arzt von Buchenwald“ vielen Häftlingen medizinisch geholfen, wofür ihm der Staat Israel im Jahr 2000 posthum den Titel „Gerechter unter den Völkern“ verlieh.
Tief beeindruckend: Der „Arzt von Buchenwald“
Es war der auch im KZ im Untergrund arbeitenden KPD gelungen, Walter Krämer auf die Kapo-Stelle für den Häftlingskrankenbau zu bringen. Er eignete sich als medizinischer Laie schnell weitreichende medizinische Kenntnisse an, führte sogar selbst kleine Eingriffe durch und trickste auch immer wieder die SS aus, indem er sie vor „gefährlichen Seuchen“ warnte und dann massiv gefährdete Häftlinge in „Quarantäne“ nahm. Dem maßgeblich von Eugen Kogon erarbeiteten Buchenwald-Report zufolge änderten sich „… insbesondere durch die Initiative des kommunistischen Landtagsabgeordneten Walter Krämer … die Verhältnisse im Krankenbau grundlegend. Von diesem Zeitpunkt ab wurde der Krankenbau zu einem Hauptstützpunkt des Kampfes gegen die SS sowie zu einer Oase zur Sicherheit der gefährdeten Häftlinge.“(David A. Hackett (Hrsg.): Der Buchenwald-Report. Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. München 2002, S. 247). Als die SS dann seine führende Rolle in der Untergrund-Lagerleitung entdeckte, wurde Walter Krämer nach Goslar gebracht und dort in einem Außenlager von Buchenwald kaltblütig von der SS erschossen.
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Walter Krämer ehren und seiner gedenken – heute eine dringende Notwendigkeit
Heute fehlt in Siegen vor dem Kreisklinikum das Foto von Walter Krämer auf der Stele, es fehlt eine Hinweistafel mit Informationen. Auch ein Straßenschild „Walter-Krämer-Platz“ habe ich nicht gefunden. Schamhaft wird damit die Zugehörigkeit von Walter Krämer zur KPD verschwiegen und er einfach nur als „Politiker“ bezeichnet. Das alles kann man nur als peinlichen Höhepunkt des Antikommunismus bewerten, der sich hier auch in typischer Unterschlagung der wahren geschichtlichen Abläufe präsentiert.
Walter-Krämer-Platz zum Zeitpunkt der Einweihung 2016 Urheberangabe zum Foto mit Portraitbild von Walter Krämer: Von Inruhigenwassern - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54113564 Bild 2: Walter-Krämer-Platz aktueller Zustand (rf-Foto)