Israel / Palästina
Was geschieht wirklich in Kusra?
Iordanis Georgiou von der Solidaritäts- und Hilfsorganisation Solidarität International (SI) berichtet aus Griechenland:
Wir haben am 13. August eine aktuelle Eilmeldung unserer Freunde von der Palästinensischen Gemeinde in Athen erhalten – verbunden mit der Bitte, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Lügen sowie die Vertreibung und die Gewalt der zionistischen Siedler im Westjordanland bekannt zu machen.
Was geschieht wirklich in Kusra, südlich von Nablus?
In europäischen Medien wird dargestellt, dass das, was derzeit in Kusra geschieht, „Sicherheitsmaßnahmen für die palästinensischen Bewohner“ seien. Das ist eine Lüge. Die Berichte der Bewohnerinnen und Bewohner sprechen eine andere Sprache.
Seit Anfang der Woche haben israelische Siedler die Zufahrt zu drei palästinensischen Häusern abgesperrt. Sie stellten ein Zelt vor den Häusern auf und hindern die Bewohner daran, ihre Häuser zu betreten oder zu verlassen. Zuvor hatten sie Berichten zufolge die Strom- und Wasserversorgung der Häuser unterbrochen.
Selbst die UNO kann dazu nicht schweigen. Sie berichtet, dass etwa 15 Palästinenserinnen und Palästinenser, darunter zwei Kinder, in ihren Häusern eingeschlossen sind, in Angst leben und keinen Zugang zu grundlegender Versorgung mit Wasser und Strom haben.
Und was unternimmt die israelische Armee? Sie schickt noch mehr Truppen nach Kusra.
Heuchlerisch sind die Aussagen der israelischen Armee, die behauptet, sie versuche, die Siedler zu vertreiben. Doch wen schützt die Besatzungsarmee tatsächlich?
Ein Anfang dieser Woche aufgenommenes Video zeigt Israelis in Militäruniformen, die gemeinsam mit den Siedlern am Morgengebet in jenem Zelt teilnehmen, das vor den abgeriegelten Häusern errichtet wurde.
Die Armee kündigte an, „Disziplinarmaßnahmen“ gegen diejenigen zu ergreifen, deren Beteiligung nachgewiesen werde. Gleichzeitig verstärkte sie jedoch nach einem gescheiterten Versuch, die Siedler mit Tränengas zu vertreiben, ihre Präsenz in der Region.
Und gestern, am 13. August, spitzte sich die Lage weiter zu:
Zwei Familien wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. 16 palästinensische Häuser wurden zu Militärposten umfunktioniert. Laut lokalen Quellen sind mehr als 1000 israelische Soldaten in Kusra eingerückt. Die Besatzungstruppen haben sich in den westlichen und südlichen Stadtteilen aufgestellt.
Das ist die tatsächliche Lage in Kusra:
Die Siedler belagern die Stadt. Die Armee rückt ein und verstärkt ihre Präsenz. Die Palästinenser sind eingekesselt. Ihre Häuser werden zu Militärposten umfunktioniert. Und am Ende werden die Einwohner selbst als das „Sicherheitsproblem“ dargestellt.
Die Anwesenheit von Soldaten an der Seite der Siedler, ihre dokumentierten gemeinsamen Aktivitäten und die Fortsetzung der Belagerung machen deutlich, dass es nicht darum geht, die palästinensische Bevölkerung zu schützen. Vielmehr wird ihre Vertreibung aus ihrem Land vorangetrieben.
Kusra braucht Schutz für seine Bewohner – keine weitere Besatzung.