Philippinen
Präsidiale Schönfärberei angeprangert
Die Deutsch-Philippinischen Freunde e.V. haben auf ihrer Webseite unter der Überschrift "Präsidiale Schönfärberei angeprangert" einen neuen Beitrag des Philippinen- und Südostasien-Experten Dr. Rainer Werning veröffentlicht. Rote Fahne News dokumentiert einen Auszug plus den Link zur vollständigen Version.
Vollmundig hatte der philippinische Präsident Ferdinand Marcos Jr. in seinem Eingangsstatement der fünften »Rede zur Lage der Nation« (SONA) am 27. Juli erklärt, er wolle ein Präsident aller Filipinos sein. Das dürfte zweifellos auf die anwesenden Zuhörer und Gäste im Kongress zugetroffen haben. Keineswegs dürfte es jedoch für die Masse der Filipinos gelten, die außerhalb von Regierungsbehörden arbeiten.
Noch am selben Tag hielten engagierte Bürgerrechtsorganisationen, die militante Bauernvereinigung Kilusang Magbubukid ng Pilipinas (KMP) sowie das Linksbündnis Bagong Alyansang Makabayan (Bayan) ihre eigene »Volks-SONA« ab. Auf dieser vom progressiven Spektrum der philippinischen Gesellschaft alljährlich durchgeführten Gegenveranstaltung ging es auch um all jene drängenden Probleme, die Marcos kaum berührte oder erst gar nicht ansprach. Dazu zählte diesmal die Besonderheit, dass sich die Republik in der bislang schwersten systemischen Krise seit ihrem 80jährigen Bestehen befindet. Noch nie waren sich der Präsident und sein Vize – in diesem Falle Vizepräsidentin Sara Duterte, die Tochter des im Gefängnis des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag einsitzenden Expräsidenten Rodrigo Duterte – in der Geschichte des südostasiatischen Inselstaates dermaßen spinnefeind wie heute.
Seit Anfang Juli läuft überdies ein Amtsenthebungsverfahren gegen die Vizepräsidentin unter anderem wegen Veruntreuung von Steuergeldern und Todesdrohungen gegen Marcos und seine Familie. Das Duterte-Lager wertet das Verfahren im Gegenzug als »politisch motiviertes Manöver« und heizt die Stimmung gegen die Regierung mit Hasstiraden an. Ein Clinch zwischen den beiden zur Zeit mächtigsten Familienclans und politischen Dynastien ist bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2028 mithin programmiert.
Mit Schweigen bedachte der Präsident unter anderem auch die Situation der Menschenrechte, die Bildungs- und Gesundheitsmisere sowie die prekäre Lage der Landwirtschaft. Reichlich Stoff also, um während der »Volks-SONA« die Dinge gegen den Strich zu bürsten.
Cristina Palabay, Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation Karapatan, wies darauf hin, dass ihre Organisation unter Marcos Jr. 147 außergerichtliche Tötungen dokumentiert habe. Derzeit gibt es 560 politische Gefangene, von denen 165 unter der Regierung von Marcos Jr. festgenommen wurden. Ein besonderer Dorn im Auge sind das Antiterrorgesetz von 2020 sowie das Gesetz zur Verhinderung und Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung von 2012, die von Karapatan und Bürgerrechtlern seit langem angeprangert werden. (...)
Hier die ungekürzte Version des Artikels auf der Webseite der Deutsch-Philippinischen Freunde e.V.