Neues Militärabkommen in Westasien

Neues Militärabkommen in Westasien

Mekka-Pakt – Bündnis gegen „Unbekannt“?

Am 7. August 2026 wurde in Mekka – der heiligsten Stadt des Islam – ein Militärpakt zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan unterzeichnet. Er wird in den offiziellen Medien häufig als „Bündnis gegen Unbekannt“ bezeichnet, weil die beteiligten Regierungen behaupten, es richte sich gegen kein bestimmtes Land.

Von ba
Mekka-Pakt – Bündnis gegen „Unbekannt“?
Die Staaten des neuen Mekka-Pakts haben einen unruhigen Hinterhof: Die Mitglieder des Bündnisses sind in grün gekennzeichnet. Agypten, um dessen Aufnahme man sich wohl bemüht, in hellgrün, und aktive Kriegsgebiete in hell- (Aggressoren) und dunkelrot (Verteidiger und Bürgerkriege). (Grafik: RF-News auf Grundlage von Wikipedia-Karten, CC0)

Tatsächlich verschärft dieses weitere Militärbündnis neuimperialistischer Staaten das Ringen um die Vorherrschaft in Westasien. Es richtet sich in erster Linie gegen die imperialistischen Bestrebungen des Iran in Westasien, aber auch gegen die der USA und Israels.

Expansion des Pakts wird angestrebt

Die Unterzeichner betonten, das Abkommen könne auch weiteren Ländern der Region offenstehen. Nach einem Bericht des Middle East Eye hatten die Außenminister von Ägypten, Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei bereits am Rande des Gipfels der arabischen und islamischen Nationen im März 2026 in Riad Gespräche geführt. Demnach wollte die Türkei Ägypten in ein vierseitiges Verteidigungsabkommen einbinden. Der türkische Außenminister Hakan Fidan erklärte, dass „Ägypten dem Abkommen beitreten könnte", sobald gewisse technische Fragen gelöst würden. Gemeint sind wohl die bestehenden Vereinbarungen mit Griechenland und Zypern. Allerdings zeigte sich die ägyptische Regierung allgemein zurückhaltend, einem Bündnis beizutreten, das von ihr verlangt, Verbündete in militärischen Konflikten bedingungslos zu unterstützen.

 

Kern des Abkommens ist eine gegenseitige Beistandspflicht nach dem Vorbild von Artikel 5 des NATO-Vertrags. Ein militärischer Angriff auf eines der drei Länder gilt somit als Angriff auf alle drei Unterzeichnerstaaten. Neben dem Beistandsfall umfasst das Abkommen eine enge militärische Zusammenarbeit. Hauptsächlich gehe es um Technologietransfers von der Türkei in Richtung Saudi-Arabien und Pakistan, den Austausch von Geheimdienstinformationen und den Aufbau von Luftabwehrkapazitäten der Partner in Saudi-Arabien. Zudem solle im Zuge der Vereinbarung saudisches Geld in die Verteidigungsindustrie der Türkei fließen.

Pakt verbindet verbindet militärische, ökonomische und geo-strategische Potenziale

Diese neuimperialistische Allianz vereint das enorme Finanzkapital Saudi-Arabiens, die ökonomische und militärische Stärke der Türkei sowie die geostrategische Rolle und das nukleare Potenzial der Atommacht Pakistan.

 

Die Türkei steht als Wirtschaftsmacht weltweit auf Rang 11. Sie zählt zu den Top-10-Militärmächten der Erde und verfügt über die zweitgrößte Armee der NATO - die stärkste Streitkraft in Westasien. Saudi-Arabien ist die größte Volkswirtschaft der arabischen Welt und als globale Energie-Supermacht eines der ökonomisch mächtigsten Länder der Erde. Pakistan ist eine aufstrebendes kapitalistisches Land. Viele Menschen aus Pakistan arbeiten auf den Ölanlagen in der Golf-Region. Es ist eine Drehscheibe der Verbindung von Westasien mit Zentral- und Ostasien. Es steht kurz vor dem Beitritt zu den BRICS-Staaten. Als einzige offizielle Atommacht der islamischen Welt verfügt Pakistan über erhebliches militärisches Gewicht.

 

Dieses Bündnis hat eine zutiefst reaktionäre Seele. Die Türkei ist ein faschistisch regiertes Land, das seine imperialistischen Interessen in der Region mit brutalsten Mitteln verfolgt. Saudi-Arabien ist ein kapitalistisch-imperialistisches Land mit einer feudalistisch strukturierten absolute Monarchie, die mit einem Polizeistaat regiert. Pakistan ist zwar keine offene Militärdiktatur, aber das Militär hält hinter den Kulissen tatsächlich alle Fäden der Macht in ihren Händen. Der Mekka-Pakt hat daher keinerlei friedensstiftende Rolle in einer multipolaren Welt, sondern dient ausschließlich den neuimperialistischen Machtinteressen.

 

Die Wahl des Unterzeichnungsortes Mekka dient als starkes religiöses Symbol der „islamischen Solidarität“ und soll dem Bündnis bei der Bevölkerung der sunnitisch geprägten Länder zusätzliche Legitimität verleihen. Denn Saudi-Arabien versteht sich als strategisch-religiöser Gegner der schiitischen Hauptmacht Iran.

Ist das Ziel Stabilität im eigenen Machtbereich?

Der Pakt gilt als direkte Reaktion auf die anhaltenden militärischen Aktivitäten des Iran und pro-iranischer Milizen gegen die Golfstaaten. Das Abkommen signalisiert aber auch eine gewisse Abkehr von den USA als „Schutzmacht“ – ohne sich direkt gegen die USA als Bündnispartner zu richten. "Externe Großmächte, die in die Region kommen, lösen die Probleme nicht. Sie machen sie nur noch schlimmer, und die Kosten werden sehr hoch", erklärte dazu der türkische Außenminister Fidan. Dass die USA ohne Rücksprache mit den Golfstaaten gemeinsam mit Israel den derzeitigen Krieg gegen Iran vom Zaun gebrochen haben, hat wegen der "desaströsen Folgen" zu einem großen Vertrauensverlust geführt.

 

Das Bündnis ist zwar keine direkte militärische Allianz gegen Israel, fordert allerdings Israels Machthaber in ihrem Streben nach der Vormachtstellung in der Region heraus. Aus pakistanischen Sicherheitskreisen wurde betont, dass das Abkommen an Bedeutung gewinnen würde für den Fall, dass sich die USA aus der Region zurückziehen oder Saudi-Arabien durch mögliche Eskalationen seitens Israels unter Druck gerate.

 

Der iranische Außenpolitiker Ebrahim Resaei kommentierte das Abkommen so, dass es Saudi-Arabien nicht schützen werde, wenn sie weiterhin die USA militärisch unterstützen im Krieg gegen den Iran. Allerdings betonte er, dass der Iran andernfalls "nicht gegen diese arabischen Staaten, insbesondere Saudi-Arabien, vorgehen wird". Der Iran konzentriere sich auf die Verhandlungen um die Öffnung der Straße von Hormuz, die derzeit mit dem Oman geführt werden – vorausgesetzt, dass die USA sich zurückziehen.

 

Da der US-Imperialismus unter Präsident Trump aber eine unberechenbare Politik betreibt und nicht mit einer offenen Niederlage aus dem Golfgebiet abziehen wird, ist jedoch die weitere Auswirkung des Mekka-Paktes noch nicht abzusehen.

 

Auch weil die Türkei gleichzeitig ein wichtiges NATO-Mitglied ist, sorgt das Abkommen bei den westlichen Imperialisten für Irritationen. Sollte die Türkei aufgrund des Mekka-Pakts in einen Konflikt mit dem Iran hineingezogen werden, könnte durch eine mögliche Kettenreaktion die Beistandspflicht innerhalb der NATO herausgefordert sein.