Ein vielversprechender Auftakt

Ein vielversprechender Auftakt

Leichtathletik – Europameisterschaft in Birmingham

Insgesamt 1643 Sportlerinnen und Sportler aus 49 Ländern sind bei der Leichtathletik-EM in Birmingham am Start. Noch bis zum 16. August suchen sie im Alexander Stadium die kontinentalen Meister.

Von hk

Und schon die ersten beiden Tage zeigen: Die EM wird sicher nicht nur ein sportliches Highlight. Wegen der überhöhten Preise für Speisen und Getränke lassen die Zuschauerzahlen im Stadion zu wünschen übrig. Das dank zusätzlicher Tribünen 23.000 Zuschauer fassende Alexander Stadium war am Montag und Dienstag eher spärlich besucht. Am Auftaktabend waren es offiziell 13.623 Besucher, vom optischen Eindruck her allerdings eher weniger. Die legten jedoch nicht nur die schon sprichwörtlich gewordene Fairness an den Tag, sondern feierten begeistert den freundschaftlichen Umgang und die Unterstützung der Athleten untereinander.

 

Durch die sozialen Medien insbesondere hat bei vielen Jugendlichen die Leichtathletik wieder an Ansehen gewonnen. Das Laufen, Joggen, sich körperlich Anstrengen ist bei einer wachsenden Zahl richtig „cool“ geworden. Mehr Fernsehzuschauer als bei der EM erreichte am Dienstag nur die „Tagesschau“. Und mit durchschnittlich 700.000 Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren (22,8 Prozent) verfolgten mehr jüngere Zuschauer die Wettkämpfe.

 

Für weltweit große Beachtung zählt auch folgende Tatsache: Bis zur kommenden Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Peking im September 2027 ist es nur noch ein Jahr. Wer von den Athleten also in Birmingham auf den vorderen Plätzen erscheint, kann durchaus zum erweiterten Favoritenkreis gezählt werden. Und das zahlt sich im kapitalistischen Spitzensport heutzutage auch bei den Sponsorengeldern aus.

 

Das deutsche Team ist mit 59 Athletinnen und 56 Athleten in Birmingham am Start und sorgte in den vergangenen Monaten mit starken Leistungen und mehreren Landesrekorden für Aufsehen. Unter anderem verbesserten Emil Agyekum (400m Hürden) und Robert Farken (1.500 Meter) die alten Bestmarken. Zu den Titelkandidaten zählen unter anderem auch Olympiasiegerin Malaika Mihambo im Weitsprung, Speerwurf-Europameister von 2022 Julian Weber sowie Zehnkämpfer Leo Neugebauer und Hindernisläuferin Gesa Krause. Merlin Hummel, Silbermedaillengewinner der WM von Tokio, hat gestern in einem packenden Hammerwurf – Finale lange gewackelt, dann aber Nervenstärke bewiesen und mit 81,30 Metern hinter dem Sieger aus Ungarn, Bence Halász, Silber geholt.

 

Für einen Schatten auf die bisher gezeigten Leistungen sorgt Deutschlands Rekordsprinter Owen Ansah. Er konnte gestern zwar trotz eines laufenden Verfahrens der NADA wegen einer verweigerten Dopingkontrolle starten und die Bronzemedaille im 100 – Meterlauf erringen, ob er sie behalten kann, ist fraglich, denn die NADA hat eine Sperre von vier Jahren beantragt.

 

Es sieht also ganz so aus, als könnten die deutschen Athletinnen und Athleten nach dem Tiefpunkt bei der WM in Budapest vor drei Jahren (keine Medaille) langsam wieder Anschluss an die Weltspitze finden. Es sind nicht mehr nur einzelne Ausnahmekönner, die sich Hoffnungen auf vordere Plätze machen können. Vor allem in den Laufdisziplinen ist inzwischen eine ganze Generation herangewachsen, die nicht mehr nur mitläuft, sondern vorne angreift. Das hat damit zu tun, dass sich neben dem lange Zeit ausschließlich gültigen kapitalistischen Leistungsprinzip und der Orientierung am Ergebnis, sprich Medaille, andere Trainingsinhalte durchzusetzen beginnen. Auch wenn in der Leichtathletik Einzelsportarten im Vordergrund stehen, setzt sich die Erkenntnis durch, dass auch hier soziale Fähigkeiten wie Teamgeist eine bedeutende Rolle spielen. Was könnte mit einer solchen Erkenntnis durch verstärkte Förderung des Breiten- und Schulsports erreicht werden?! Der dümpelt aber weiter vor sich hin und wird sich in Zukunft noch verschlechtern, da das kapitalistische Leistungsprinzip auch im Sport die dominierende Rolle spielt und sich die staatliche Förderung auf den Spitzensport konzentriert.